NaWaRo / Wald

Samstag, 19. Juni 2010
Offener Brief an den Nabu zum Bundeswaldgesetz

Offener Brief Sehr geehrter Herr Tschimpke, die Bewertung der Novellierung des Bundeswaldgesetz durch den NABU ist ernüchternd. Das Nichthandeln der Vorgängerkoalitionen hat offensichtlich mehr Gefallen beim NABU gefunden als das Handeln der christlich-liberalen Koalition. Ich will Ihnen gerne die Vorteile unserer Novellierung erläutern. Anders als von Ihnen dargestellt, liefert die Novellierung des Bundeswaldgesetzes eine Antwort auf die gestiegene Holznachfrage. Mit der Herausnahme von Kurzumtriebsplantagen (KUP) und Agroforstsystemen aus dem Waldbegriff wird die Holzproduktion auf Ackerflächen ermöglicht. Das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat in 2007 die ökologischen und ökonomischen Vorteile der Biomasseproduktion in KUP dargestellt. Auf der Anhörung der FDP-Bundestagsfraktion in 2008 hat der von uns eingeladene Referent des NABU, Herr Florian Schöne, ebenfalls eine positive Bilanz gezogen. Anders als von Ihnen dargestellt, hat die Novellierung des Bundeswaldgesetzes mit den geschaffenen verbesserten Monitoringmöglichkeiten die Herausforderungen des Klimawandels aufgenommen. Um diesem gerecht zu werden, brauchen wir eine wissensbasierte Weiterentwicklung unserer Wälder. Dafür müssen wir verschiedene Daten erheben, die den jetzigen Zustand beschreiben. Durch Vergleich mit früheren Waldinventuren lässt sich die Entwicklung unserer Wälder aufzeigen. Daraus lassen sich Prognosen für die Waldentwicklung ableiten und Handlungsoptionen für Eingriffe ausarbeiten. Dafür haben wir auch Änderungen bei der Waldinventur durchgesetzt. Neben den Daten zum Holzbestand, dem Baumartenbestand und der Baumgesundheit wollen wir vor allem die Erkenntnisse aus der Bodenzustandserhebung miteinbeziehen. Ebenso soll im Rahmen von internationalen Verpflichtungen der Kohlenstoffbestand, also die Holzmenge, im Abstand von fünf Jahren erhoben werden. Diese Maßnahmen sollen das Monitoring unserer Wälder verbessern und noch aussagekräftiger machen. Eine sorgfältige Lektüre des Waldberichts der Bundesregierung zeigt, dass der Artenverlust im Wald deutlich geringer ist als in anderen Biotopen. In den Gefährdungskategorien 0 - 2 wurden vom BfN 48 von 1 215 Waldpflanzen gezählt (4%) gegenüber 438 von 3001 (14,6%) bei allen Gefäßpflanzen. Im übrigen ist die Stärkung der Biodiversität im Wald Teil der Waldstrategie, die noch in diesem Jahr verabschiedet werden wird. Das Bundeswaldgesetz kann dazu kaum einen konkreten Beitrag leisten. Deutschland ist ein Waldland. Die Waldfläche beträgt 11,1 Mio. Hektar. Sie wird von annähernd 2 Millionen Waldbesitzern darunter etwa 1,2 Millionen private Waldbesitzer mit weniger als 20 Hektar Wald. Die Zahl der schwarzen Schafe unter ihnen ist verschwindend gering. In den meisten Landeswaldgesetzen gibt es bereits Regelungen der guten fachlichen Praxis. Der Referent des NABU in der Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz beklagte, dass die Durchsetzung dieser vorhandenen gesetzlichen Regelungen nur schwer möglich sei. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach gesetzlichen Regelungen unverständlich. Es ist doch deutlich, dass andere Wege beschritten werden müssen. Ziel der FDP ist eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder. Die letzte Bundeswaldinventur hat gezeigt, dass in der Praxis wir auf einem guten Weg sind, auch wenn dies nicht detailliert im Gesetz festgeschrieben ist. Uns kommt es auf die Praxis an. Wir wollen Waldbesitzer nicht gängeln sondern ihr eigenverantwortliches Handeln stärken. Gesetzliche Festschreibungen von Selbstverständlichkeiten wie die Vermeidung des flächigen Befahrens der Waldfläche helfen nicht wirklich weiter. Detailliertere Regelungen können nicht allgemeingültig für alle Wälder von der norddeutschen Tiefebene über die Mittelgebirge bis zum Alpenrand festgelegt werden. Viele Waldeigentümer haben bereits freiwillig höhere Kosten akzeptiert, um höheren Standards in der Waldbewirtschaftung zu genügen. So ist fast 70% der Waldfläche in Deutschland zertifiziert. Die Ergebnisse der letzten Bundeswaldinventur zeigen, dass die Waldbesitzer sehr verantwortlich mit ihren Wäldern umgehen. Der Waldumbau hin zu stabilen, naturnahen Mischwäldern geht voran, der Anstieg von Totholzanteilen im Wald steigt und leistet einen Beitrag zur faunistischen Biodiversität. Der Schutz von Primärwäldern wird verstärkt. Die erwähnte Anhörung im Ausschuss hat auch gezeigt, dass in den letzten Jahren Erkenntnisse der Wissenschaft vergleichsweise schnell von der Praxis übernommen worden sind. Dabei leistet die gute forstliche Ausbildung der Forstmitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen wichtigen Beitrag. Starre gesetzliche Regelungen können dies nicht leisten. Ich hoffe, dass der NABU zu seiner von mir hoch geschätzten sachlichen Naturschutzarbeit zurückfindet und die erheblichen Vorteile der nun endlich auf den Weg gebrachten Novellierung des Bundeswaldgesetzes anerkennt. Mit freundlichen Grüßen Christel Happach-Kasan

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