Ernährung

Dienstag, 25. Mai 2010
Dioxine in Bio-Eiern entzaubern eine Branche

Dioxine haben in Lebens- und Futtermitteln nichts zu suchen. Sie entstehen bei Verbrennungsprozessen, gehören zu den giftigsten Substanzen überhaupt und rufen Fehlbildungen beim ungeborenen Kind hervor. Am 28. April teilten die Niederlande im Schnellwarnsystem der EU mit, dass erhöhte Dioxinwerte in Bio-Hühnereiern gefunden worden waren. Die Meldung schlug ein wie eine Bombe. Die Legehennen waren mit Futtermitteln gefüttert worden, die erhöhte Dioxinwerte aufwiesen. Sie stammten aus den Niederlanden. Ein Bio-Mais aus der Ukraine war die Ursache. In elf Bundesländern wurden inzwischen Dioxine in Bio-Eiern aber auch in Bio-Futtermitteln für Rinder, Schweine und Schafe gefunden. Teilweise überschritten die Dioxinwerte in den Lebensmitteln mehrfach die bestehenden Grenzwerte. Die Biobranche ist davon hart getroffen. Inzwischen wurden die belasteten Futtermittel auch in konventionell wirtschaftenden Betrieben gefunden. Es beruhigt nur wenig, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung durch den kurzzeitigen Verzehr dieser mit Dioxin belasteten Bio-Produkte keine unmittelbare Gefährdung der Gesundheit sieht. Die Tatsache, dass über 1000 Tonnen eines mit Dioxinen belasteten Bio-Maises ohne Eingangskontrolle zur Herstellung von Futtermitteln verwendet wurden und an keiner weiteren Stelle der Produktionskette Qualitätskontrollen vorgenommen wurden, zeugt von verantwortungsloser Gläubigkeit an die Bio-Deklaration. Der Vorfall macht mehrere Dinge deutlich: Die schöne heile regionale Biowelt ist eine Fiktion. So wie konventionell wirtschaftende Tierhalter auf den Zukauf von Futtermitteln angewiesen sind, so sind es auch ihre Kollegen der Biobranche. Dagegen ist auch im Prinzip nichts einzuwenden. In einer globalisierten Welt wird dort produziert, wo die Produktionskosten am niedrigsten sind, egal ob Bio oder nicht. Wenn jedoch die regionale Produktion als besondere Leistung vermarktet wird, müssen die Futtermittel auch aus der Region stammen. Alles andere wäre Betrug. Der Dioxin-Skandal bei Bio-Produkten ist auf Bio-Mais aus der Ukraine zurückzuführen. Die Ukraine gehört für keinen deutschen Landkreis zur Region, sie ist Ausland, Transportentfernung mindestens 1000 km. Heile, regionale Bio-Welt ade! Nur die Endkontrolle eines Produktes kann verbindlich die Qualität des Produktes feststellen. Biosiegel garantieren zwar die Einhaltung bestimmter Produktionsvorschriften. Die hohen Dioxinbelastungen der Bio-Eier zeigen, dass durch die Einhaltung von Produktionsvorschriften nicht automatisch qualitativ hochwertige Lebensmittel entstehen. Richtlinien für die Produktion von Lebensmitteln bestimmen eben nur die gute fachliche Praxis einer Produktion, nicht die Produktqualität. Deswegen gibt es Qualitätssiegel, die sich nicht auf die reine Prozesskennzeichnung beschränken, sondern nur dann erteilt werden, wenn das Endprodukt den definierten Anforderungen des Siegelgebers entspricht. Die Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) zeichnet Produkte nur nach einer sorgfältigen Überprüfung der Endprodukte aus, das Gütezeichen der Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftskammer „Geprüfte Qualität” ebenfalls. Erkennbar haben solche Siegel für die Verbraucher einen deutlich höheren Wert als Siegel, die nur die Einhaltung bestimmter Produktionsvorschriften zertifizieren. Qualität muss vom Produkt her gedacht werden und nicht lediglich von der Produktion. Die Verantwortung für die Qualität eines Produkts liegt zuerst beim Produzenten. Der Bio-Mais aus der Ukraine ist nach jetzigem Kenntnisstand beim Trocknungsprozess mit Dioxinen belastet worden. Auch der Importeur muss die Qualität des von ihm importierten und anschließend an seine Kunden verkauften Getreides sicherstellen. Dies hat im Übrigen schon die ehemalige Ministerin Renate Künast; Bündnis 90/ Die Grünen beim Nitrofen-Skandal gefordert. Seither ist offensichtlich wenig geschehen. Das Qualitätsmanagement des Importeurs hat hier versagt. Besorgniserregend ist in besonderem Maße, dass der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) nach eigenen Angaben schon Mitte März, also Wochen vor der Schnellwarnung, von den Dioxin-Belastungen der Futtermittel wusste und trotzdem nichts unternommen hat. Man kann bisher nur rätseln, warum das so ist. Nach Auskunft des Ministeriums war der Verein verpflichtet, dies den Behörden zu melden. Erst die Schnellwarnung aus den Niederlanden machte den Skandal öffentlich.  Nicht die Behörden haben versagt, sondern Produzenten sowie ein Verein, der das Wort „Kontrolle” im Namen führt. Für Bio-Bauern zeigt der Skandal, dass allein mit der Einhaltung der von den verschiedenen Verbänden verlangten Produktionsvorschriften die Qualität des Endprodukts nicht gewährleistet ist. Das ist sicherlich für viele bitter. Ich weiß aber aus Gesprächen, dass viele Landwirte sich dieser Tatsache bewusst sind und eigene Produktkontrollen in Auftrag geben. Erstaunlich still sind bisher all die, die bei anderen Vorkommnissen, die die Qualität von Lebensmitteln betreffen, z. B. geringste Spuren von Pflanzenschutzmitteln, Alarm geschlagen und die Umstellung der Landwirtschaft auf Öko verlangt haben. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen wie auch die Grünen haben hier immer wieder Verbraucher völlig ohne Grund in Alarmstimmung versetzt. Nicht so bei Bioprodukten, die mit hochgiftigen Dioxinen belastet sind! Uns allen klingen noch die völlig überzogenen Angriffe der ehemaligen grünen Ministerinnen Künast und Höhn in den Ohren, die sich während der BSE-Krise darin überboten, die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft an den Pranger zu stellen. An den Folgen leidet die Landwirtschaft noch immer. Aber bei den Dioxin-Fällen schlagen sich NGO und Bündnis 90/ Die Grünen in die Büsche, statt aufzuklären. Das ist reine Klientelpolitik. Wer den Eindruck erweckt, mit zweierlei Maß zu messen, verspielt Vertrauen. Er verspielt Vertrauen nicht nur in die eigene Integrität, sondern hier auch das Vertrauen in die Qualität von Bio-Produkten. Damit tun NGO und Bündnis 90/ Die Grünen den Biobauern keinen Gefallen. Der Vorfall macht einmal mehr deutlich: Produzenten sind in der Pflicht, Qualitätskontrollen entlang der Produktionskette durchzuführen. Kein noch so enges staatliches Kontrollsystem kann die Eigenverantwortung von Produzenten ersetzen. Es muss auch in der Bio-Produktion eine Kontrolle des Endprodukts eingeführt werden, damit Verbraucher sichere Produkte erhalten. Verbraucherschutzpolitik muss sich vorrangig auf gravierende Gefährdungen von Verbrauchern konzentrieren: Kontrolle von Importen, Kontrolle hinsichtlich mikrobieller Belastungen, Anfang des Jahres sind sieben Menschen durch Verzehr von mit Listerien belastetem Käse gestorben, korrekte Kennzeichnung von Analogkäse und Klebeschinken, um Betrug aufzudecken. Der beliebte Fingerzeig auf die Behörden verkennt, dass diese einen guten Job gemacht und die Kontrollen auf den Weg gebracht haben, die der Verein KAT im Interesse seiner Mitglieder längst hätten machen sollen. Angesichts der höheren Preise für Bioprodukte stellt sich einmal mehr die Frage, welche höheren Leistungen begründen sie?

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema