NaWaRo / Wald | Reden

Donnerstag, 22. April 2010
Rede zur Beratung des Antrags der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Schaffung eines Naturwalderbes vorbereiten und Moratorium für die Privatisierung von Bundeswäldern erlassen”

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, die potenzielle natürliche Vegetation in Deutschland ist Wald. Wälder haben daher für die Biodiversität und den Artenschutz eine besondere Bedeutung. Die Ausformung einer nachhaltigen Forstwirtschaft ist in einem waldreichen Land wie Deutschland von besonderer Bedeutung. Die großen Holzvorräte in unseren Wäldern haben ein hohes Nutzungspotenzial. Holz ist zurzeit unser wichtigster nachwachsender Rohstoff. Dies gilt für die rohstoffliche Nutzung genauso wie für die energetische Nutzung. Die nachhaltige Nutzung von Holz bildet das Rückgrat einer nachhaltigen Entwicklung. Eine Fokussierung der Bewirtschaftung der Wälder allein auf die Belange der Ökologie oder der Ökonomie wird dem Anspruch an eine nachhaltige Entwicklung nicht gerecht. Wälder sind CO2-Senken. Sie sind nach dem Kyoto-Protokoll anerkannt. Die Nutzung von Holz im Bau sowie für die Herstellung von Möbeln, die Erzeugung von Wärme und Strom aus Rest- und Durchforstungsholz liefert einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und stärkt gleichzeitig die regionale Wirtschaft. Die christlich-liberale Koalition hat sich in ihrem Koalitionsvertrag eindrücklich zu einer verstärkten Nutzung des Rohstoffes Holz bekannt. Gleichzeitig sind wir im Begriff, das Bundeswaldgesetz zu novellieren, um die Bedingungen für die privaten und öffentlichen Waldbesitzer zu verbessern und die Nutzung von Kurzumtriebsplantagen im Sinne einer nachhaltigen Gewinnung von Biomasse zu ermöglichen. Die Wälder bieten zahlreichen Menschen einen Arbeitsplatz und ein gesichertes Einkommen, insbesondere im strukturschwachen ländlichen Raum. Insgesamt sind hierzulande in der Forstwirtschaft einschließlich der nachgelagerten Bereiche Holzwirtschaft, Papierindustrie und Holzgroßhandel nach Schätzungen des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) etwa 1,2 Millionen Menschen beschäftigt. Die Bedeutung des Clusters „Forst und Holz” hat inzwischen auf Grund der wirtschaftlichen Situation Deutschlands eine deutlich höhere Wertigkeit erhalten als noch vor wenigen Jahren. Das Cluster erwirtschaftete 2008 einen Gesamtumsatz von 168 Mrd. Euro. In unserem dicht besiedelten Land haben Wälder zugleich eine besondere Bedeutung für die naturnahe Erholung sowie die Naherholung. Repräsentative Umfragen in Großstädten ergeben, dass der Erholungsraum Wald das am häufigsten genutzte Freiraumelement darstellt. Der sonntägliche Waldspaziergang gehört bei vielen Familien zu den besonders beliebten Freizeitaktivitäten. Durch die vielgestaltige Nutzung der Wälder ergeben sich verschiedene Zielkonflikte zwischen Waldbesitzern, Erholungssuchenden und dem Naturschutz. Die letzte Bundeswaldinventur hat gezeigt, dass die Waldbesitzer insgesamt ihre Wälder sehr verantwortlich bewirtschaften. Zahlreiche FFH-Gebiete liegen in Privatwäldern sowie in Körperschaftswäldern und zeigen, dass auch eine erwerbsorientierte Bewirtschaftung vereinbar ist mit den Zielen des Naturschutzes sowie mit dem Erhalt der Biodiversität. Besondere Anforderungen des Naturschutzes können andere Nutzungsmöglichkeiten einschränken. Dazu gehört insbesondere der totale Verzicht auf Holzeinschlag. Wo aus Sicht des Naturschutzes zur Sicherung der Biodiversität Bewirtschaftungsauflagen erteilt werden, die über die Gemeinwohlverpflichtung des Grundgesetzes hinausgehen, beispielsweise Nutzungsverzicht in ausgewählten Altwaldstandorten, müssen die Waldeigentümer, z.B. mit den Instrumenten des Vertragsnaturschutzes, für solche Nutzungseinschränkungen finanziell entschädigt werden. Ansprüche der Gesellschaft an eine ausschließlich naturschutzorientierte Bewirtschaftung der Wälder müssen von der Gesellschaft finanziert werden, nicht vom einzelnen Waldbesitzer. Wir setzen uns im Naturschutzbereich auch künftig vordringlich für Maßnahmen auf freiwilliger Basis und für den Vertragsnaturschutz ein. Der Naturschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Im Waldland Deutschland hat gerade die Forstwirtschaft zur Sicherung der biologischen Vielfalt beigetragen. Der deutsche Wald erfüllt die Ziele der Nationalen Strategie zur Sicherung der biologischen Vielfalt bereits zu über 80% und hat damit eine Vorreiterrolle. Nach unserer Einschätzung hat die deutsche Forstwirtschaft im internationalen Vergleich Vorbildcharakter. Deutschland hat sich in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt dazu bekannt, 5% der Waldfläche bis zum Jahr 2020 einer natürlichen Waldentwicklung zu überlassen. Wir wollen in Zusammenarbeit mit den Bundesländern die Erfassung der Flächen, auf denen schon jetzt auf eine Holznutzung verzichtet wird, verbessern. Es gibt bereits geeignete Instrumente, um das beschriebene Ziel umzusetzen. Aus diesem Grund halten wir die Schaffung neuer Instrumente für nicht erforderlich. Der Erhalt der waldlichen Biodiversität in Deutschland ist nur bei der Verfolgung eines integrativen Bewirtschaftungsansatzes auf ganzer Fläche möglich. Auf vielen Flächen gilt: Schützen durch Nützen. Die Stilllegung wertvoller Einzelflächen ist ein wirksames Instrument, die Biodiversität lokal zu schützen. Dadurch werden auch umliegende, nachhaltig bewirtschaftete Flächen in ihrer Biodiversität gestärkt. Wir lehnen die pauschale Stilllegungen von Waldflächen ab, die mit der Erreichung des 5-Prozent-Ziels begründet werden und befürworten die Stilllegung von Waldflächen, die nach fachlichen Kriterien ausgewählt wurden. Dabei stehen insbesondere Altwaldflächen im Fokus. Im Hinblick auf die derzeit in der Vorbereitung befindliche „Waldstrategie 2020” und den Bericht zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt halten wir die von Bündnis90/Die Grünen geforderten Maßnahmen für  wenig durchdachte Schnellschüsse, die nicht geeignet sind, die Ziele bei der Schaffung des nationalen Naturwalderbes zu erreichen.

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema