Grüne Gentechnik | Reden

Donnerstag, 25. März 2010
Rede zum Antrag der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen vom 25.3.2010 „Anbau von gentechnisch veränderter Kartoffel Amflora verhindern”

Die Zulassung des Anbaus der Stärkekartoffel Amflora durch die neue EU-Kommission am 2. März diesen Jahres ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Umgangs der EU mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Seit dem Moratorium in den Jahren 1998 - 2004 ist dies die erste Zulassung des Anbaus einer gentechnisch veränderten Pflanze. Die Zulassung folgt der Empfehlung der Europäischen Behörde für die Sicherheit der Lebensmittel (EFSA). Damit wird einem wichtigen Anliegen der christlich-liberalen Koalition Rechnung getragen: Entscheidungen über die Zulassung neuer Sorten sollen entsprechend den Empfehlungen der Wissenschaft erfolgen. Nur so ist ein maximaler Schutz von Mensch, Natur und Umwelt sichergestellt. Es gibt keinen Grund, den Anbau der Stärkekartoffel Amflora zu verhindern.

Mir ist bewusst, dass Menschen Vorbehalte gegen die Gentechnik haben. Diese Skepsis beruht nicht auf negativen Erfahrungen weder bei uns noch in anderen Ländern. Sie beruht auf gezielt verbreiteten Fehlinformationen. Die mit dieser Methode gezüchteten Sorten sind sicherer als mit anderen Methoden gezüchtete Sorten. Außerhalb Europas steigt die Zahl der Landwirte, insbesondere der Kleinbauern, die diese Sorten anbauen. Zunehmend engagieren sich Schwellenländer in der Entwicklung eigener Sorten wie China, Indien, Brasilien und auch Kuba. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Ende des letzten Jahres herausgegebene Broschüre „Grüne Gentechnik“ informiert sachlich und gut verständlich über die Methode und ihre Anwendung weltweit. Die Nachfrage ist hoch und zeigt das Interesse der Menschen nach verlässlicher Information.

Die Stärkekartoffel gehört zu den Sorten, die noch vor dem von der EU erlassenen Moratorium entwickelt wurden. Der erste Zulassungsantrag wurde bereits 1996 gestellt. Sie enthält einen so genannten Antibiotikaresistenzmarker. Dieses Antibiotika-Resistenzgen nptII vermittelt eine Resistenz gegen die beiden Antibiotika Kanamycin und Neomycin. Beide haben wegen ihrer toxischen Wirkung für Mensch und Tier nur eine sehr geringe Bedeutung als Antibiotikum. Das Gen kommt natürlicherweise in verschiedenen Bakterienarten sowohl in der Darmflora als auch im Boden vor. Der Transfer eines Gens von einem Bakterium in eine anderes Bakterium ist extrem unwahrscheinlich, der Transfer von einer Pflanze in ein Bakterium ist noch unwahrscheinlicher. Der Anbau von Pflanzen mit diesem Gen trägt somit nicht zur Verbreitung der Resistenz bei Bakterien bei. Nicht nur die EFSA, auch die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) hat diese Bewertung abgegeben.

In der vergangenen Legislaturperiode ist insbesondere von den Grünen die Anwendung der Gentechnik in verschiedenen Anträgen thematisiert worden. Die Tendenz war immer gleich und setzte darauf, die vorhandene Skepsis zu verstärken, statt über Information und Aufklärung die eigene Entscheidungskraft der Bürgerinnen und Bürger zu stärken. Die schwarz-rote Koalition hatte in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, Anbau und Forschung fördern zu wollen. Diese Vereinbarung ist völlig wirkungslos geblieben. Deshalb haben wir in unserem Koalitionsvertrag für die christlich-liberale Koalition sehr viel genauer festgeschrieben, was wir in unserer Regierungsarbeit erreichen wollen.

Wir haben bereits erreicht, dass die Stimme Deutschlands in der EU in den verschiedenen Abstimmungen dem Grundsatz folgt, die Entscheidung über die Zulassung neuer Produkte an deren wissenschaftlicher Bewertung ausrichten zu wollen. Dies ist ein entscheidender Fortschritt, der Deutschlands Anspruch als Wissenschaftsstandort endlich gerecht wird.

Die Vorteile biotechnologischer Züchtungsverfahren sind überzeugend. Prof. Dr. Josef Glößl, Vizerektor der Universität für Bodenkultur in Wien hat kürzlich in der überregionalen österreichischen Tageszeitung "Die Presse" in seinem Beitrag: "Gentechnik hat großen Nutzen" einen Überblick über den Kenntnisstand der biotechnologischen Forschung gegeben.

Die künftigen globalen Herausforderungen wie die Ernährung von bald neun Milliarden Menschen, die Anpassung unserer Kulturpflanzen an die durch den Klimawandel hervorgerufenen Veränderungen, die verstärkte Nutzung von Pflanzen als nachwachsende Rohstoffe erfordern den Einsatz dieser inzwischen bewährten Züchtungsmethode.

Sigmar Gabriel hat in seiner Zeit als Umweltminister in einer Plenarrede auf die positiven Umweltwirkungen der Stärkekartoffel hingewiesen. Sie produziert reine Amylopektin-Stärke. Dadurch ist es nicht erforderlich, in einem aufwändigen Prozess die in sonstigen Kartoffeln vorhandene Amylose zu entfernen. Dadurch wird Wasser und Energie gespart. Dies ist ein echter Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Es gibt seit langem Züchtungsanstrengungen zur Züchtung einer solchen Kartoffel. Es gibt auch mit herkömmlichen Methoden gezüchtete Stärkekartoffeln. Sie liefern jedoch einen geringeren Hektarertrag und haben sich bis jetzt nicht am Markt durchgesetzt.

Der Antrag der Grünen reiht sich nahtlos ein in die zwölf Anträge zum Thema Grüne Gentechnik, die wir in der vergangenen Legislaturperiode diskutiert haben. Alle zielen in dieselbe Richtung, alle liefern Fehlinformationen und versuchen, unbegründete Ängste zu schüren. Die christlich-liberale Koalition steht für Aufklärung und Wissenschaftlichkeit, für eine Versachlichung der emotional geführten Debatte über die Grüne Gentechnik. Mit der fundamentalen Ablehnung einer weltweit etablierten Züchtungsmethode werden wir den zukünftigen Aufgaben nicht gerecht werden können.

 

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema