Grüne Gentechnik

Freitag, 22. Januar 2010
Leserbrief zum Artikel "Landwirt hat alles verloren" aus dem Traunreuter Anzeiger

Ich bin auf Ihren Bericht „Landwirt hat alles verloren“ von süddeutschen Kollegen aufmerksam gemacht worden. Bedauerlicherweise ist die Darstellung in Teilen fachlich unzutreffend, so dass ich einige Ergänzungen für wichtig halte. Gerade das Thema Grüne Gentechnik muss offen diskutiert werden, weil es die Menschen bewegt und weil erheblicher Aufklärungsbedarf besteht.

Die von Herrn Glöckner angebaute, gentechnisch veränderte Maissorte Bt 176 wird weltweit angebaut und hat sich bewährt. Auch Landwirtschaftskollegen von Herrn Glöckner haben ausschließlich positive Erfahrungen mit dieser Maissorte gemacht, wie sie mir in Gesprächen bestätigten. Die TU Weihenstephan hat in zweijährigen Fütterungsversuchen mit einer ähnlichen Sorte, MON 810, festgestellt, dass es keinen Unterschied zwischen einer Fütterung mit gentechnisch verändertem und konventionellen Mais gibt.
Das Robert-Koch-Institut hat in einer Nachuntersuchung des von Ihnen beschriebenen Falls nachgewiesen, dass eine Fehlfütterung der Kühe des Landwirts zu den unglücklichen und bedauerlichen Vorfällen geführt hat. So war die Futterdosierung nicht an die Milchleistung der Tiere angepasst. Zudem wurden Erreger der Botulismus-Krankheit bei den toten Rindern gefunden, eine Krankheit die ganze Herden innerhalb von Wochen und Monaten töten kann. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kam zu dem Ergebnis, dass nicht die Bt-Mais, sondern die von Glöckner verfütterte Grassilage wahrscheinlichste Ursache für den Tod der Tiere war. Auch in einem Verfahren des Herrn Glöckners gegen Syngenta wurde vom Landgericht Gießen kein ursächlicher Zusammenhang festgestellt.

Alle diese Fakten werden in ihrem Artikel nicht erwähnt, der kommentar- und kritiklos die widerlegten Verschwörungstheorien von Herrn Glöckner übernimmt. So ist schon zu Beginn des Artikels die Darstellung, dass der Mais mit dem Bacillus thuringiensis „infiziert“ sei, nicht richtig. Der Mais selbst ist keineswegs mit dem überall im Boden lebenden Bakterium infiziert, vielmehr ist die Pflanze so verändert, dass sie lediglich einen Wirkstoff des Bacillus thuringiensis produziert, der für Insekten giftig ist. Dieser Wirkstoff stellt von Natur aus weder eine Gefahr für die Kühe, die nützlichen Bakterien in deren Mägen oder gar Menschen dar. Das bedauerliche Schicksal von Herrn Göckner hat viele Gründe, nicht aber die Verfütterung der gentechnisch veränderten Maissorte.

 

Den Artikel, auf die sich dieser Leserbrief bezieht, finden Sie unter

http://www.chiemgau-online.de/index.php?Landwirt-hat-alles-verloren-&arid=125370&cosearch=gl%F6ckner&coshow=ar_125370&costart=0&pageid=35

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