NaWaRo / Wald

Dienstag, 20. Oktober 2009
6. Herbstwaldtagung der Schutzgemeinschaft deutscher Wald

Die sechste Herbstwaldtagung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Landesverband Schleswig-Holstein im Christophorushaus in Bäk bei Ratzeburg war dem Thema gewidmet: „Nachwachsender Rohstoff Holz aus Kurzumtriebsplantagen – ökologische Alternative zu Maismonokulturen”. Die Landesvorsitzende Dr. Christel Happach-Kasan MdB konnte zahlreiche interessierte Teilnehmer begrüßen, darunter Frau Dr. Christiane Holländer, Forstdirektorin, sowie den Leiter der Kreisforsten, Herrn Franz-Sales Fröhlich und Umweltamtsleiter Dr. Carl-Heinz Schulz, den Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes, Herr Reinhard Jahnke. Die Vorsitzende stellte in ihrer Einführung die Motivation für das Thema dar: „Holz ist der wichtigste nachwachsende Rohstoff in Deutschland, hervorragend geeignet sowohl für die stoffliche wie die energetische Nutzung. Die natürliche Vegetation in Deutschland ist Wald. Als Naturschutzverband ist es das Anliegen der SDW darauf hinzuwirken, dass politische Ziele wie die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien auf einen Anteil von 20% bis 2020 unter möglichst geringer Belastung der Natur umgesetzt werden. Auch wenn Kurzumtriebsplantagen kein Wald im Sinne des Gesetzes sind, sind sie natürliches Thema der SDW. Im Ergebnis hat die Tagung gezeigt, dass Kurzumtriebsplantagen die Natur sehr viel weniger belasten als Maismonokulturen. Sie sind eine naturverträgliche Alternative, die unter bestimmten Bedingungen Einkommensalternativen für Landwirte eröffnen. Dafür muss durch Änderung des Bundeswaldgesetzes Rechtssicherheit geschaffen werden. In seinem Einführungsvortrag berichtete Dr. Heino Wolf, Referent für Forstgenetik des Landesforstpräsidiums Sachsen, über die Erfahrungen des Landes mit Kurzumtriebsplantagen auf 50 Hektar Fläche an sechs Standorten. Es wurden Pappel-Plantagen angelegt, die erstmalig nach drei Jahren beerntet wurden. Wilken v. Behr, Gutsverwalter von Gut Rixdorf im Kreis Plön, bewirtschaftet einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 1600 Hektar, darunter 58 Hektar Kurzumtriebsplantagen, bestanden mit Weiden. Inzwischen werden 23 Häuser beheizt, 1,7 km Fernwärmeleitungen wurden gelegt, im Sommer wird die Wärme zur Getreidetrocknung genutzt. Die Asche wird als Dünger ausgebracht. Etwa 80 000 l Heizöl werden eingespart. Herr Johannes Enssle, Referent des Nabu, stellte die Vorteile für die Natur heraus und bewertete Kurzumtriebsplantagen als hochwertiger für die Natur als intensiv genutzte einjährige Ackerkulturen. Er sah in Kurzumtriebsplantagen eine neue Form des Niederwaldes. Inzwischen widmen sich auch große Energieversorger wie die RWE dem Thema. Dr. Tobias Cremer stellte das Projekt der RWE vor. Die RWE verfolgt das Ziel, 10 000 ha Kurzumtriebsplantagen anzulegen, um eine sichere Rohstoffversorgung für die eigenen Heizkraftwerke zu gewährleisten. Es wird ein Pachtmodell verfolgt, bei dem Landwirten eine Pacht ihrer Flächen über 20 Jahre angeboten wird. Die RWE verfolgt das ehrgeizige Ziel, die Plantagen wirtschaftlich zu betreiben ohne Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Flächenprämie. Zum Abschluss der Tagung berichtete Dr. Carsten Leßner, Geschäftsführer des Deutschen Forstwirtschaftsrats, über die Zwischenergebnisse der gegenwärtig durchgeführten Bundeswaldinventur. In Deutschland fehlen 30 Mio m3 Rohholzmasse. In den älter gewordenen Wäldern nimmt der Holzzuwachs ab. Der fehlende Bedarf kann durch Kurzumtriebsplantagen sehr effektiv und umweltfreundlich gedeckt werden. In der abschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Pierre Gilgenast, stellvertretender Landesvorsitzender der SDW, stellten die Referenten heraus, dass der rechtliche Rahmen geordnet und verbesserte Förderbedingungen für die Anlage solcher Plantagen geschaffen werden müssten. Die Züchtung ertragreicher und schädlingsresistenter Sorten müsse vorangetrieben werden. In Frankreich bestehen bereits Kurzumtriebsplantagen auf über 200 000 Hektar Fläche. Das sollte auch in Deutschland möglich sein und als ökologische Alternative zu Maismonokulturen begriffen werden, so Happach-Kasan abschließend.

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