Schleswig-Holstein

Montag, 7. September 2009
Leserbrief zum Beitrag „Das Bundesamt für Naturschutz möchte das ökologische Waldkonzept zum Modell für alle Forsten in Deutschland machen” in den Lübecker Nachrichten vom 20.08.2009

Deutschland ist Waldland. Die natürliche Vegetation in Deutschland ist Wald. Die nachhaltige Nutzung von Wäldern bietet daher gegenüber anderen Nutzungsformen der Fläche enorme ökologische Vorteile. Ein Drittel der Fläche Deutschlands ist mit Wald bedeckt. Nur eine integrative Waldnutzung, die die Produktion des nachwachsenden Rohstoffs Holz mit dem Natur- und Artenschutz, dem Grundwasser- und Klimaschutz kombiniert, wird den Ansprüchen der Gesellschaft an die Wälder gerecht. In unserem dicht besiedelten Land ist außerdem die Nutzung der Wälder zur Erholung unverzichtbar. Der sonntägliche Waldspaziergang gehört bei vielen Familien zu den besonders beliebten Freizeitaktivitäten. Bewirtschaftungsformen, die nicht kostendeckend sind, sind weder für den Staat noch für Kommunen oder Privatbesitzer auf Dauer finanzierbar. Ob die Bewirtschaftung der Lübecker Wälder kostendeckend ist oder sogar einen Überschuss erwirtschaftet, wie der Leitende Forstdirektor Dr. Lutz Fähser behauptet, ist leider nie nachvollziehbar anhand einer betriebswirtschaftlichen Bilanzierung der Kosten und Erträge dargestellt worden. Es gibt zahlreiche Indizien, dass dies nicht so ist. Es ist kaum vorstellbar, dass der Bürgermeister von Lübeck, eine der am höchsten verschuldeten Städte Deutschlands, vorgeschlagen hätte, Lübecks Wälder zu verkaufen, wenn tatsächlich eine kostendeckende Bewirtschaftung vorliegen würde. Die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Barbara Scheel, will den Lübecker Stadtwald „nicht haushaltspolitischen Zwängen” unterwerfen. Eine Liegenschaft, die Erträge erbringt, hat in der Regel keinen Verkauf zu befürchten. Dabei ist unbestritten, dass die Bewirtschaftung stadtnaher Erholungswälder höhere Kosten verursacht, als die von Wäldern in ländlichen Regionen. Etwas mehr Transparenz würde die forstpolitische Diskussion in Deutschland besser unterstützen, als vollmundige Behauptungen, die nirgends belegt sind. Holz ist der wichtigste nachwachsende Rohstoff, der in Deutschland produziert wird. Jede auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaft ist auf die rohstoffliche und energetische Nutzung von Holz angewiesen. Ein Nutzungsverzicht ist nur für ausgewählte Standorte angemessen. Ein flächiger, totaler Nutzungsverzicht fördert dagegen die Nachhaltigkeit der Wirtschaft und Biodiversität in den Wäldern nicht mehr als ihre naturgemäße Nutzung. Im Waldland Deutschland, Wälder nicht zu nutzen und stattdessen Holz aus anderen Regionen zu importieren, ist unverantwortlich. Der Leiterin des Bundesamtes für Naturschutz, Frau Prof. Beate Jessel, hätte etwas mehr kritische Distanz gut angestanden, bevor sie die Lübecker Forsten zum Vorbild für ganz Deutschland erklärt.

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