NaWaRo / Wald

Mittwoch, 4. Februar 2009
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage "Energetische Nutzung von Holz"

 

Energetische Nutzung von Holz

 

Vorbemerkung der Fragesteller Die energetische Nutzung von Holz hat im Zuge der Erhöhung des Ölpreises an Bedeutung gewonnen. Das gilt in gleicher Weise für die Nutzung von Scheitholz wie für die Nutzung von Hackschnitzeln und Holzpellets. Der Wissenschaftliche Beirat Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernäh- rung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat in seinem im November 2007 vorgelegten Gutachten „Nutzung von Biomasse zur Energiege- winnung – Empfehlungen an die Politik“ die verschiedenen Biomasseträger und deren unterschiedliche Nutzung miteinander verglichen. Dabei zeigt sich, dass die Vermeidungskosten pro eingesparter Tonne CO2-Äquivalent und die Ver- meidungsleistung in Tonnen CO2-Äquivalent pro Hektar bei der Verwendung von Hackschnitzeln die mit Abstand kostengünstigste und effizienteste Mög- lichkeit der Erzeugung erneuerbarer Energien auf Biomassebasis ist. Der Beirat empfiehlt daher ausdrücklich die Erzeugung von Bioenergie in wärmegeführten KWK-Anlagen (KWK – Kraft-Wärme-Kopplung) bzw. in Heizanlagen auf Ba- sis von Hackschnitzeln. Auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregie- rung Globale Umweltveränderungen (WBGU) stellt in seinem vor kurzem ver- öffentlichten Gutachten „Zukünftige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung“ fest, dass „mehrjährige Anbaukulturen wie Jatropha, Ölpalmen, Kurzumtriebs- plantagen und Energiegräser“ grundsätzlich zu bevorzugen sind vor einjährigen Anbaukulturen. „Bei Auswahl geeigneter Anbausysteme kann zusätzlich orga- nischer Kohlenstoff in den Boden eingetragen werden, was sowohl die Treib- hausgasbilanz als auch die Bodenfruchtbarkeit verbessert.“ Während Holzhackschnitzel im Wesentlichen in größeren Blockheizkraftwer- ken genutzt werden, sind Holzpellets als einfach zu handhabender Brennstoff auch für Privathaushalte geeignet. Sie bestehen aus getrocknetem, naturbelasse- nem Restholz (Sägemehl und Hobelspäne aus der Sägeindustrie), die ohne Zu- gabe von chemischen Bindemitteln unter hohem Druck gepresst werden und einen Heizwert von ca. 5 kWh/kg haben. Damit entspricht der Energiegehalt von einem Kilogramm Pellets ungefähr dem von einem halben Liter Heizöl. Die Bindung der Pellets erfolgt durch das holzeigene Lignin und den hohen Druck

während des Pelletierens. Pellets sind nach Berechnungen verschiedener Insti- tute wie der Fachhochschule für Landbau in Kiel eine kostengünstige Alterna- tive zu fossilen Brennstoffen. Die Qualitätsanforderungen für den genormten Brennstoff sind in der Bundesrepublik Deutschland in der DIN 51731 und in Österreich in der ÖNORM M 7135 festgelegt. Seit Frühjahr 2002 ist zusätzlich ein neues Zertifikat, „DIN plus“, auf dem Markt, das die Vorzüge der DIN 51731 und der ÖNORM M 7135 vereint und darüber hinaus die Anforderungen an Ab- riebfestigkeit und Prüfverfahren definiert.

Verschiedene Clusterstudien im Bereich Forst und Holz zeigen die enorme wirt- schaftliche Bedeutung von Produktion und Nutzung des nachwachsenden Roh- stoffs Holz für verschiedene Regionen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Wertschöpfung in den ländlichen Räumen wird gesichert, Arbeitsplätze werden geschaffen. Gleichzeitig erfolgt die energetische Nutzung von Holz CO2-neutral und ist daher ein Beitrag zum Klimaschutz. Das bei der energetischen Verwer- tung von Holz freigesetzte CO2 hat der Baum zuvor beim Wachsen aufgenom- men (geschlossener Kohlenstoffkreislauf). Holzlagerung und Holztransporte bergen anders als Lagerung und Transport von Erdöl kein Risiko für das Grund- wasser, kein Risiko für Meeresverschmutzungen (Tankerunglücke).

Die von der deutschen Bundesregierung angestrebte Minderung von CO2-Emis- sionen von 40 Prozent unter das Niveau von 1990 bis zum Jahr 2020 sowie die Bereitstellung von 20 Prozent der Primärenergie durch erneuerbare Energien kann zu für die Verbraucherinnen und Verbraucher vertretbaren Energiepreisen nur bei verstärkter energetischer Nutzung von Holz erreicht werden. Dennoch wird die energetische Nutzung von Holz durch die wiederholte Verschiebung der Novellierung der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) behin- dert. Weder Gerätehersteller noch Verbraucherinnen und Verbraucher wissen, welche Normen zur Minderung der Feinstaubbelastung der Luft neue Geräte er- füllen müssen. Geplante Investitionen werden deshalb verschoben. Die in der Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher- schutz zum Änderungsbedarf des Bundeswaldgesetzes (BWaldG) geforderte Neudefinition des Begriffes „Wald“, die das Ziel verfolgt, die Anlage von Agro- forstsystemen und Kurzumtriebsplantagen auf eine rechtlich sichere Basis zu stellen, ist ebenfalls noch nicht erfolgt.

 1. Wie hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergie- verbrauch in den letzten fünf Jahren entwickelt, und welcher Anteil wurde durch die energetische Nutzung von Holz erzielt?

 Der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch in Deutsch- land ist in den Jahren 2003 bis 2007 kontinuierlich gestiegen und hat sich wie folgt entwickelt (Angaben in Prozent):

 

2003

2004

2005

2006

2007

3,5

3,9

4,7

5,6

6,7

 Der Anteil erneuerbarer Energie aus fester Biomasse (überwiegend Holz) am Primärenergieverbrauch in Deutschland hat sich in den Jahren 2003 bis 2007 wie folgt entwickelt (Angaben in Prozent):

 

2003

2004

2005

2006

2007

1,7

2,0

2,3

2,2

2,4

 Alle Angaben mit Stand Juni 2008, Bundesministerium für Umwelt, Natur- schutz und Reaktorsicherheit (BMU) vorläufig, teilweise geschätzt.

 2. Welcher Anteil des energetisch genutzten Holzes wird über Scheitholz, wel- cher Anteil über Holzhackschnitzel, über Holzpellets bereitgestellt?

 Die verfügbaren Angaben über das energetisch genutzte Holz beziehen sich auf die Jahre 2005 und 2006. Dabei ergeben sich für die verschiedenen Holzsorti- mente folgende Anteile:

– Private Haushalte:

Energetische Holznutzung insgesamt 20,7 Mio. m3 (2005). Davon entfielen auf Scheitholz (Wald) 68,7 Prozent, Scheitholz (Garten) 8,3 Prozent, Hack- schnitzel 1,1 Prozent, Pellets 0,9 Prozent, Schnittholzreste/Altholz 7,9 Pro- zent, Schnittholzreste/Sägewerk 3,3 Prozent, Landschaftspflegeholz 3,5 Pro- zent, Holzbriketts 2,8 Prozent, Sonstiges 3,5 Prozent.

– Kommunale/gewerbliche Feuerungsanlagen < 1 Megawatt (MW) Leistung:

Energetische Holznutzung insgesamt 4,9 Mio. m3 (2006). Davon Waldholz (Waldhackschnitzel) 52,2 Prozent, Pellets 4,7 Prozent, Sägenebenprodukte 20,6 Prozent, Industrierestholz 8,2 Prozent, Landschaftspflegeholz/Grün- schnitt 8 Prozent, Altholz 5,9 Prozent, Sonstiges 0,4 Prozent

– Feuerungsanlagen mit einer Leistung > 1 MW:

Energetische Holznutzung insgesamt 13,4 Mio. m3 (2005). Davon Waldholz (Waldhackschnitzel) 6,3 Prozent, Altholz 48,9 Prozent, Industrierestholz 23,1 Prozent, Sägenebenprodukte 10,7 Prozent, Rinden 4,6 Prozent, Land- schaftspflegeholz 1,6 Prozent, Sonstiges 4,7 Prozent. Über den Einsatz von Pellets in Feuerungsanlagen > 1 MW Leistung liegen keine Angaben vor.

Die Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) hat aktuell eine Studie in Auftrag gegeben, die die Datenbasis hierzu verbessern soll.

 3. Wie viel Holz wird derzeit in der Bundesrepublik Deutschland pro Jahr für die Energiegewinnung eingesetzt, wie wird sich diese Menge in den nächs- ten Jahren auf der Grundlage der bisherigen Planungen entwickeln, und woher wird das für diese Anlagen benötigte Holz in Zukunft kommen?

 Die gesamte energetische Nutzung von Holz betrug in Deutschland rund 43 Mio. m3 (2005).

Nach vorliegenden Schätzungen stieg sie 2007 auf rund 52 Mio. m3. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Nach der im Auftrag des BMU erstellten „Leitstudie 2008 – Weiterentwicklung der Ausbaustrategie Erneuerbare Energien“ wird für das Jahr 2020 mit einer energetischen Holznut- zung von rund 65 Mio. m3 gerechnet (48 Mio. m3 Rohholz, 7 Mio. m3 Altholz und 10 Mio. m3 Holz aus Kurzumtriebsplantagen).

Deutschland als Nettoexporteur von Holz verfügt über nachhaltig mobilisierbare Holzvorräte, die einen Großteil des zu erwartenden inländischen Holzbedarfs decken können. Im Übrigen entscheiden die Marktmechanismen und -beteilig- ten, welche Sortimente und Mengen aus dem Inland, dem EU-Binnenmarkt und welche aus Drittstaaten bezogen werden.

 4. Wie hat sich in der Bundesrepublik Deutschland die Nachfrage nach Holz zur energetischen Verwertung in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

 Die Holznachfrage zur energetischen Verwertung hat in den letzten zehn Jahren aufgrund der stark gestiegenen Preise für fossile Energieträger und der För- derung erneuerbarer Energien deutlich zugenommen. Die energetische Holz- nutzung hat sich von 1995 bis 2005 mit einem Anstieg von 18 Mio. m3 auf  43 Mio. m3 mehr als verdoppelt. Dies entspricht einer durchschnittlichen jähr- lichen Steigerung von über neun Prozent. Dieser Trend ist bis heute ungebro- chen.

 5. Welche Bedeutung hat in den ländlichen Räumen die Selbstwerbung von Holz?

 Die Selbstwerbung von Holz wird bisher noch nicht in offiziellen Statistiken er- fasst. Seit die Nachfrage deutlich angestiegen ist, erfassen zumindest die Forst- ämter für die von ihnen bewirtschafteten Flächen verstärkt die Einnahmen aus dem Verkauf von Selbstwerbeholz. Selbstwerbemengen in privat bewirtschaf- teten Forstflächen sind praktisch nicht erfasst.

Der Anteil der Holzernte in Selbstwerbung hängt von mehreren Faktoren ab und ist deshalb regional sehr unterschiedlich. Haupteinflussgrößen sind die Eigen- tümerzielsetzung, die Waldbesitzart, die anfallenden Holzsortimente und die regionale Nachfrage. Insgesamt weist die Selbstwerbung in Deutschland eine steigende Tendenz auf. In einigen Privatwaldgebieten mit ausgeprägter Bindung an das Eigentum kann der Anteil der Selbstwerbung in Eigenregie bei 100 Pro- zent liegen, da viele Waldbesitzer ihr Energieholz auf eigenen Flächen ernten. Teilweise entstehen aber auch neue Unternehmen bzw. Vollzeitarbeitsplätze im ländlichen Raum, wenn Aufträge an spezialisierte Betriebe vergeben werden. Zudem treten Privathaushalte als Selbstwerber auf.

Berechnungen des Deutschen BiomasseForschungsZentrums (DBFZ) lassen beim Bezug des so genannten Scheitholzes in Deutschland insgesamt auf einen Selbstwerbeanteil von über 50 Prozent schließen (Forstämter und Privatbezug).

 6. Wie schätzt die Bundesregierung die mittel- und langfristige Entwicklung der Verfügbarkeit des nachwachsenden Rohstoffs Holz zur energetischen Verwertung ein?

 Der deutsche Wald verfügt über die höchsten Holzvorräte in Europa und der jährliche Holzzuwachs liegt über der jährlichen Holznutzung. Die mittel- bis langfristige Verfügbarkeit des nachwachsenden Rohstoffes Holz hängt im Wesentlichen von der Waldstruktur, von dem Angebot und von der künftigen Nachfrage nach Holz zur stofflichen und energetischen Nutzung ab. Der Einsatz von Holz zur energetischen Nutzung wird mittel- und langfristig weiter steigen, wenn wie geplant die Ziele der Bundesregierung für den Ausbau erneuerbarer Energien und des Klimaschutzes erreicht werden sollen (siehe dazu auch Antwort zu Frage 3). Um mittel- und langfristig eine ausreichende Verfügbarkeit von Holz zur stofflichen und energetischen Nutzung sicherzustellen, ist eine konsequentere und verstärkte Mobilisierung der vorhandenen Waldholz- potenziale als bisher erforderlich. Dies sind Schwerpunkte der Charta für Holz 2004 bis 2014 und der in Erarbeitung befindlichen Gesamtwaldstrategie 2020 der Bundesregierung.

Neben dem gezielten Anbau von Energieholz im Wald ist die Bundesregierung bestrebt, auch vorhandene Holznutzungspotentiale aus nichtforstlichen Quellen zu erschließen. Hierzu gehört z. B. der Anbau von schnellwachsenden Baum- arten in Kurzumtriebsplantagen und eine verstärkte energetische Nutzung von Landschaftspflegeholz. Des Weiteren stellt der Außenhandel eine Versorgungs- option dar. Durch die Ausweitung der energetischen Nutzung von Holz- und Holzabfällen ist das Auftreten von Nutzungskonkurrenzen nicht auszuschlie- ßen; die Entwicklung gilt es zu beobachten.

 7. In welchem Umfang wird Holz zur energetischen Verwertung importiert, aus welchen Ländern kommt das Holz, welcher Anteil betrifft Holzpellets?

 Deutschland exportiert mehr Holzrohstoffe zur energetischen Verwendung als importiert werden. Eine direkte Zuordnung der Holzimporte für die energetische Verwendung ist auf Grundlage amtlicher Statistiken und vorliegender Studien nicht möglich. Ebenso kann nur bedingt eine Zuordnung über die importieren Holzrohstoffsortimente vorgenommen werden, da bei deren Verwendung Kop- pelprodukte anfallen, die in unterschiedlicher Höhe energetisch genutzt werden.

Nach vorläufigen Angaben des DBFZ beläuft sich die Menge des als Brennholz importierten Rohholzes 2007 auf ein Volumen von 458 000 m3 (von insgesamt 4 417 000 m3 importiertem Rohholz). Die fünf wichtigsten Herkunftsländer für importiertes Rohholz sind im Jahr 2007:

(NH: Nadelrohholz, LH: Laubrohholz)

œ Schweden (1 027 000 m3 NH)

œ Tschechische Republik (624 000 m3 NH)

œ Belgien (372 000 m3 NH, 9 000 m3 LH)

œ Dänemark (287 000 m3 NH, 25 000 m3 LH)

œ Frankreich (237 000 m3 NH, 80 000 m3 LH)

In Deutschland wurden 2008 etwa 1,5 Mio. t an Pellets produziert, wovon ca. 600 000 t exportiert und 900 000 t im Inland genutzt wurden.

Holzpelletimporte lassen sich für Deutschland nicht exakt ausweisen, da sie in der Außenhandelsstatistik zusammen mit Sägespänen, Holzabfällen, Holzaus- schuss und Briketts erfasst werden. Angesichts der inländischen Pelletproduk- tion/-kapazitäten und des Pelletverbrauchs spielt der Pelletimport keine bedeu- tende Rolle.

 8. Teilt die Bundesregierung die Befürchtung, dass wertvolles Stammholz für die rohstoffliche Nutzung unter dem Druck der Energiepreise ebenfalls energetisch verwertet und damit die Möglichkeit einer Kaskadennutzung verhindert wird, und wenn ja, welche Möglichkeit sieht die Bundesregie- rung, dies zu verhindern?

 Nein

 9. Wie viele Biomassekraftwerke wurden im Bundesgebiet seither als Frisch- holzanlagen errichtet, und wie viele derartige Anlagen befinden sich derzeit im Bau bzw. in der Planung?

 Im Rahmen des im Jahr 2008 veröffentlichten Berichtes zum Thema: „Moni- toring zur Wirkung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) auf die Strom- erzeugung aus Biomasse (BMU-FKZ: 2223004)“ wurden folgende Angaben zur aktuellen und zukünftigen Stromerzeugung mit Biomasse, insbesondere mit Waldholz, in Deutschland gemacht:

Mit Stand Ende 2007 sind in Deutschland etwa 195 Kraftwerke bzw. Heizkraft- werke im Leistungsbereich bis 20 MWel in Betrieb, die ausschließlich mit festen Biomassen gemäß Biomasseverordnung befeuert werden.

Ausgehend von den derzeit im Bau befindlichen Anlagen wird geschätzt, dass in 2008 etwa 40 weitere Biomasse(heiz)kraftwerke (überwiegend solche kleiner Leistung mit ORC-Technik bzw. Vergasungsanlagen) mit einer installierten Leistung von insgesamt 65 bis 70 MWel fertiggestellt werden. Demnach wird erwartet, dass Ende 2008 insgesamt etwa 235 „EEG-Anlagen“ zur Verstromung fester Biomassen in Deutschland in Betrieb sein werden. Der Anteil von Wald- restholz und Hölzern aus der Landschaftspflege an den Brennstoffen dieser Anlagen liegt bei etwa zwölf Prozent. Der Rest verteilt sich auf Industrieholz, Sägenebenprodukte und Altholz.

 10. Wie bewertet die Bundesregierung Zielkonflikte zwischen der Biodiver- sitätsstrategie und der Rohstoffversorgung beim beabsichtigten Nutzungs- verzicht von Wald?

 In ihrer nationalen Biodiversitätsstrategie hat die Bundesregierung sich zum Ziel gesetzt (Kapitel B 2.6), dass die Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien nicht zu Lasten der biologischen Vielfalt geht. Dies betrifft auch die Nutzung des Rohstoffes Holz.

 11. Welche Rolle misst die Bundesregierung den verschiedenen Biomasse- trägern für die energetische Verwertung (Holz, Mais, übrige Kulturpflan- zen wie Zuckerrüben, Reststoffe aus der landwirtschaftlichen Produktion sowie der Ernährungswirtschaft) unter den Gesichtspunkten Ökologie, Kosten, Verfügbarkeit und Effizienz bei, und wie schlägt sich diese Ein- schätzung in ihrer Politik für erneuerbare Energien nieder?

 Die Bundesregierung wertet ständig alle verfügbaren Informationen und Ergeb- nisse von Forschungs- und Entwicklungsprojekten aus, die die Effizienz der verschiedenen Anbausysteme und Nutzungspfade der energetischen Nutzung nachwachsender Rohstoffe betreffen. Die Erkenntnisse aus entsprechenden Analysen fließen in Regelungen und Gesetzgebungsverfahren sowie in die Schwerpunktsetzung bei relevanten Förderprogrammen ein. Als Beispiele für die Umsetzung entsprechender Erkenntnisse sind die Regelungen zur Vergütung der Stromeinspeisung im EEG oder die geplante Biomassenachhaltigkeits-Ver- ordnung für Biokraftstoffe und flüssige Brennstoffe zu nennen.  Vor allem der Standort für die Erzeugung der Biomasse entscheidet mit rund zwei Drittel über die Klimabilanz. Die Einhaltung der Anforderungen zur guten fachlichen Praxis für den Anbau und die Nutzung von Biomasse hat ebenfalls entscheidende Bedeutung für die Klimabilanz und die Umweltverträglichkeit. Auf der Nutzungsseite wird die Klimabilanz wesentlich durch die Effizienz der eingesetzten Technologie bestimmt.

 12. Wie bewertet die Bundesregierung Kurzumtriebsplantagen und andere Agroforstsysteme unter dem Gesichtspunkt der Biodiversität im Vergleich zur Produktion von Biomasse in Maisdauerkulturen?

 Als einjährige Pflanzenart ist Mais nicht zur Erstellung von Dauerkulturen ge- eignet. Die Bundesregierung bewertet die Perspektiven von Kurzumtriebsplan- tagen und Agroforstsystemen hinsichtlich der Erhaltung der Biodiversität grundsätzlich positiv. Allerdings ist eine pauschale Bewertung nicht möglich, da die Effekte von Kurzumtriebsplantagen und Agroforstsystemen auf die Bio- diversität in Abhängigkeit von Standort und Nutzung sehr unterschiedlich aus- fallen können.

Ergebnisse aus dem BMELV-Projekt „Entwicklung und Vergleich von optimier- ten Anbausystemen für die landwirtschaftliche Produktion von Energiepflan- zen“ (EVA) zeigen, dass auch eine Maisproduktion in aufgelockerten Frucht- folgesystemen eine positive Wirkung auf die Biodiversität haben kann. In Fruchtfolgen mit sehr hohem Maisanteil wurde in dem Projekt die Zusammen- setzung und Anzahl der untersuchten Indikatorarten reduziert.

In Agroforstsystemen werden Bäume oder Sträucher auf derselben Fläche zusammen mit ein- oder mehrjährigen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen kulti- viert. Mehrjährige und schnell wachsende Baumarten können große Acker- schläge untergliedern und damit zusätzlichen Lebensraum schaffen.

 13. Wie bewertet die Bundesregierung die waldökologischen Auswirkungen einer zunehmenden energetischen Nutzung von Waldrestholz im Hinblick auf den damit bewirkten Entzug von Lebensraum und Lebensgrundlage für Waldlebewesen sowie mit Blick auf die Regenerationsfähigkeit, die Wasseraufnahmefähigkeit und die Humus haltende und schaffende Funk- tion des Waldbodens, und welche Schlussfolgerungen leitet sie daraus ab?

 Der Wald ist nachhaltig zu bewirtschaften; alle seine Funktionen und die Leis- tungsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich der Bodenfruchtbarkeit und der biologischen Vielfalt sind zu erhalten. Jegliche Nutzung hat dies zu berück- sichtigen. Dieses lässt sich jedoch nur am konkreten Waldstandort und im Kon- text mit der jeweils beabsichtigten Verwertung beurteilen. Für eine verstärkte energetische Nutzung wird insbesondere die Verwendung von ansonsten unver- wertbaren Baumresten diskutiert. Dabei ist zu beachten, dass Feinreisig, Nadeln und Blätter überproportional hohe Anteile wichtiger Pflanzennährelemente ent- halten. Sofern die Nutzung dieser Pflanzenteile erwogen wird, ist der Aspekt der Nährstoffnachhaltigkeit sicherzustellen.

 14. Wie sieht die Bundesregierung die energetische Nutzung von Holz unter dem Gesichtspunkt der Luftreinhaltung, und welche Optionen stehen zur Verfügung, um insbesondere Staubbelastungen aus der Verbrennung von Holz zu mindern?

 Die energetische Nutzung von Holz erfolgt größtenteils in nicht genehmigungs- bedürftigen Festbrennstofffeuerungsanlagen der privaten Haushalte und ge- werblichen Kleinverbraucher. Diese Anlagen sind eine Quelle für verschiedene Luftschadstoffe, unter anderem für Feinstaub und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Vor allem die bestehenden Anlagen tragen zu diesen Emissionen bei.

Die Feinstaubemissionen sind durch eine moderne Anlagentechnik, hohe Qua- litätsanforderungen an die Brennstoffe und ein ordnungsgemäßes Betreiber- verhalten deutlich und langfristig zu reduzieren. In der geplanten Novelle der 1. BImSchV sind diese Optionen berücksichtigt.

Ferner forscht das DBFZ in Leipzig an der Minderung der Staubemissionen.

 15. Welche Verfahren haben sich als besonders geeignet erwiesen?

 Bei den nicht genehmigungsbedürftigen Anlagen stehen moderne Feuerungs- technologien zur Verfügung, die mit Primärmaßnahmen niedrige Feinstaub- emissionen gewährleisten. Durch optimierte Brennräume und gezielte Luftzu- führung in den Brennraum wird ein zur Reduzierung der Schadstoffemissionen vollständiger Abbrand des eingesetzten Brennstoffes ermöglicht, wodurch auch Geruchsbelästigungen weitestgehend vermieden werden.

Zusätzlich sind Sekundärmaßnahmen wie Filteranlagen oder Partikelabscheider zur Reduzierung der Feinstaubbelastung möglich. Erste Filteranlagen, wie z. B. Elektro-Abscheider, sind auf dem Markt erhältlich und werden bereits eingesetzt. Eine Vielzahl weiterer Systeme werden derzeit für die unterschiedlichsten An- wendungsbereiche entwickelt bzw. in Feldversuchen zur Marktreife optimiert.

 16. Beabsichtigt die Bundesregierung die mehrfach verschobene Novellierung der 1. BImSchV in dieser Legislaturperiode zu beschließen mit dem Ziel, Rechtssicherheit für Anlagenhersteller und Verbraucherinnen und Ver- braucher zu schaffen, die in Entwicklung, Herstellung und Kauf neuer Ge- räte investieren wollen, und wenn ja, wann, und wenn nein, warum nicht?

 Das Hauptziel der Novelle der 1. BImSchV ist eine deutliche und nachhaltige Reduzierung der Feinstaubemissionen aus Kleinfeuerungsanlagen für feste Brennstoffe. Hierzu sieht der Verordnungsentwurf eine Reihe von Maßnahmen vor, die im Hinblick auf die Zielerreichung in ihrer Gesamtheit zu bewerten sind. Die Abstimmungen mit den Ressorts zu dem Maßnahmenpaket und dessen ma- teriell-inhaltliche Ausgestaltung sollen so schnell wie möglich abgeschlossen werden.

 17. Wie haben sich in den letzten zehn Jahren die Produktion und der Ver- brauch von DIN-Plus- und Industriepellets in der Bundesrepublik Deutsch- land entwickelt?

 In Deutschland wurden 1998 die ersten Holzpellets produziert. In nennenswer- tem Umfang haben Pelletproduktion und -verbrauch erst nach 2002 eingesetzt. Aufgrund der zuletzt deutlich gestiegenen Inlandsnachfrage ging die Export- quote in 2008 von ca. 50 Prozent auf 30 Prozent zurück.

Produktion und Verbrauch von Pellets in Deutschland (in 1 000 t)

 

 

 

2002

2003

2004

2005

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema