Schleswig-Holstein

Dienstag, 9. Juni 2009
Offener Brief - Entgegnung zum Beitrag von Dieter Haker in den LN über den Ratzeburger Marktplatz

 

Lieber Herr Haker,

Ihr letzter Leserbrief in den LN zum Thema Marktplatz enttäuscht mich sehr. Ich habe die beiden letzten Samstage nicht auf einem „entseelten“ Marktplatz gestanden. Ist es nicht ein wenig „rechthaberisch“ einen inzwischen von den Menschen in Ratzeburg gut angenommenen Platz mies zu machen?

In meinem Brockhaus lese ich unter dem Stichwort „Markt“: „(althochdeutsch markät, von lat. mercatus >Handel<) Marktplatz, als topographischer Begriff der Ort einer Siedlung, an dem sich das öffentliche Leben abspielte, besonders der für den Tausch und Verkauf von Waren vorgesehene Platz. In frühester Zeit konzentrierte sich der Handel an Schnittpunkten wichtiger Verkehrswege, an Flussübergängen, in der Nähe von religiösen und politischen Zentren. In der Antike und im Mittelalter spielte der Marktplatz eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung des Städtewesens.

Genau an diese historische Tradition knüpft die jetzige Gestaltung des Marktplatzes an. „Ort, an dem sich das öffentliche Leben abspielt“. Öffentliches Leben ist mehr als Parkplätze. Ein Marktplatz ist auch keine Verkehrsinsel, wie Sie schreiben. Städte haben in der Vergangenheit versucht, autogerecht zu werden, sie haben dafür die Wege der Fußgänger an den Rand verdrängt. Dies wird in vielen Städten rückgängig gemacht, jetzt mit der Neugestaltung des Marktplatzes auch in Ratzeburg. Der Platz ist frei für Menschen statt für Blech.

Es ist völlig legitim, sich an der städtebaulichen Vision der autogerechten Stadt zu orientieren „Verkehrsinsel Markt“, es ist auch legitim, sich den Markt als Ausflugslokal im Grünen vorzustellen, und genauso legitim ist es in Anknüpfung an die historische Nutzung, einen modernen Platz zu schaffen, der der Begegnung Raum gibt, öffentliche Veranstaltungen ermöglicht, ein kleines Bier in städtischer Atmosphäre. Das sind drei Konzepte, das letzte hat sich in Konsequenz der Wahl 2003 durchgesetzt. Zur Demokratie gehört auch, Ergebnisse von Wahlen zu akzeptieren.

In den letzten Wochen ist der Marktplatz zum Platz des öffentlichen Lebens geworden. Marktplätze waren die klassischen Orte für den Wochenmarkt, bevor die Autos sie verdrängt haben. Das Stadtschulfest auf dem Marktplatz war zumindest laut Berichterstattung ein voller Erfolg. Die Stände der politischen Parteien zur Europawahl mussten sich nicht mehr an den Rand quetschen, die Rallye der Oldtimer hatte Start und Ziel auf dem Markt und damit auch die verdiente Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Es erstaunt mich, dass Sie in diesem Zusammenhang die Heimattreffen der Mecklenburger erwähnen. Sie wissen selbst, die Heimattreffen der Mecklenburger fanden auf der Domhalbinsel statt, weil diese bis 1937 ein Teil von Mecklenburg gewesen ist. Ein Argument, den Marktplatz nicht als Platz des öffentlichen Lebens zu nutzen, ist dies bestimmt nicht. Einer der letzten Festredner auf dem Heimattreffen ist der Berliner FDP-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Lüder gewesen, an dessen Rede ich mich gern erinnere.

Es ist durchaus möglich, aber nicht sicher, dass ohne die Besiedlung der Ratzeburger Insel diese so bewaldet wäre wie der Höhenrücken oberhalb des Wasserturms. Der Kupferstich von Gert Hahne weist nach, dass zumindest ab 1588 die Insel dicht bebaut war. Mit Ausnahme der beiden Linden vor der alten Wache haben sich nach 1860 vorgenommene Bepflanzungen auf dem Marktplatz nicht gehalten – aus welchen Gründen auch immer. Vor dem alten Kreishaus standen um 1920 mehrere Linden in einer Reihe, an der Südseite wie an der Nordseite des Marktes säumten sie bis in die sechziger Jahre den Bürgersteig. Sie wurden gefällt. Und jetzt sofort neue Bäume, weil einige Bürgerinnen und Bürger nicht die Geduld haben, dem Platz, so wie er ist für ein oder zwei Jahre eine Chance auf Bewährung zu geben? Hat man Angst, der Platz könnte sich bewähren?

Ein Foto aus der Kaiserzeit zeigt, dass die beiden Linden vor der alten Wache damals mächtige, beeindruckende Bäume waren. Die rechte Linde überragte das alte Kreishaus deutlich, die linke Linde war etwas kleiner. Jetzt ist einer der alten Bäume gefällt, der andere ein Schatten seiner selbst. Ich habe beide Linden gemeinsam als ein Denkmal gesehen und hätte mir gewünscht, dass nach dem Tod der einen Linde, beide neu gepflanzt worden wären. Dies ist anders entschieden worden.

Mit freundlichen Grüßen

Christel Happach-Kasan

 

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema