NaWaRo / Wald

Dienstag, 26. Oktober 2004
Fabian Bargon hat Merkels Platz eingenommen

Mit 18 Jahren Fraktionsvorsitzender einer großen Volkspartei im Deutschen Bundestag? Was unglaublich klingt, wurde für mich für drei Tage Wirklichkeit - im Planspiel 'Jugend und Parlament'. Der Bundestag hatte auf Vorschlag der Abgeordneten 300 Jugendliche nach Berlin eingeladen, um 'Demokratie spielerisch zu erfahren'. Und so begann meine 'politische Karriere' bereits im Bus vom Bahnhof Zoo zum Bundestagsgebäude. Erste Kontakte zu anderen Planspielparlamentariern wurden geknüpft, schließlich kommt es in der Politik gerade auf diese an.

Im Paul-Löbe-Haus angekommen, erhielten wir eine neue Identität. Aus dem parteipolitisch bisher nicht engagierten Schüler Fabian Bargon aus Aumühle wurde per Los der verheiratete, kinderlose Luftfahrtingenieur Hans-Joachim Kaitels, 58, aus Weyhe.

Dass ich nicht meine eigene Meinung werde vertreten können, war mir klar, doch diese Rolle kostete mich einige Selbstüberwindung: Kaitels ist ein konservativer Hardliner. Der fiktive Abgeordnete der Konservativen Volkspartei hat bei der Bundeswehr Karriere gemacht und tritt vehement für Aufrüstung und Wehrpflicht ein. Doch Kröten muss man in der Politik eben schlucken!

Nach der Eröffnungsrede durch den 'echten' Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse im Plenarsaal fand die erste Fraktionssitzung meiner Landesgruppe statt, natürlich in den entsprechenden Räumen auf der Fraktionsebene des Bundestagsgebäudes. Auf der Tagesordnung stand die Wahl eines Kandidaten für den Posten des Fraktionsvorsitzenden.

'Warum nicht?', dachte ich mir. Nach Bewerbungsrede, Diskussionen mit meinen vier Mitbewerbern und zahlreichen persönlichen Gesprächen dann die erlösende Entscheidung. Die 30 Abgeordneten meiner Landesgruppe stehen mehrheitlich hinter mir! Jetzt ging es in den großen Fraktionssaal der SPD. Auf dem Platz des Bundeskanzlers sitzend galt es nun, alle 120 Fraktionsmitglieder davon zu überzeugen, dass ich besser für das Amt geeignet bin als die drei Gegenkandidaten der anderen Landesgruppen. Tatsächlich wechselte ich wenig später auf Münteferings Stuhl und erfuhr am eigenen Leib, wie schwierig es ist, eine so große Fraktion auf eine Linie zu bringen. Von wegen, ein Abgeordneter ist nur seinem Gewissen verpflichtet!

Am nächsten Morgen fand Ausschussarbeit statt, für mich im Haushaltsausschuss. Bringt die Beibehaltung der Wehrpflicht finanzielle Vorteile? Meine Fraktion ist sich da sicher. Diese blauäugigen Pazifisten sind jedoch einfach nicht zugänglich für unsere fundierten Argumente. Langsam wachse ich in meine Rolle hinein!

Für den letzten Tag ist die Plenardebatte angesetzt. Hitzige Wortgefechte wie im Fernsehen. Schließlich werde ich als letzter Redner des Tages von Vize-Präsidentin Dr. Antje Vollmer aufgerufen. Ich springe über meinen eigenen Schatten und halte eine glühende Rede gegen die Abschaffung der Wehrpflicht. Doch die vier Minuten Redezeit vergehen wie im Flug. Das Lämpchen am Pult zeigt mir an, dass ich zum Ende kommen muss. Schade. Dann die letzte Abstimmung. Wird es überraschend Abweichler in der Fraktion geben? Können wir den Gesetzesvorschlag mit einer hauchdünnen Mehrheit kippen? Ja! Erleichterung macht sich breit.

Erneut tritt der Bundestagspräsident auf und verabschiedet uns. Ich nehme mein Namensschild ab. Aus dem Politiker Hans-Joachim Kaitels wird wieder der Schüler Fabian Bargon. Eigentlich schade. Aber wenigstens kann ich jetzt wieder meine eigene Meinung vertreten. Auch von Fraktionszwängen und Parteilinien bin ich wieder frei. Ob ich wohl jemals als echter Abgeordneter in den Bundestag zurückkehren werde? Die interessanten Einblicke und die doch harte Arbeit während des Planspiels haben mich jedenfalls nicht abgeschreckt, eine politische Laufbahn einzuschlagen.



Fabian Bargon

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