Ernährung

Freitag, 29. Mai 2009
Happach-Kasan: Bundesregierung unterschätzt das Gefahrenpotential für Mensch und Tier durch das giftige Jakobskreuzkraut

 

Zu dem ersten beim Menschen nachgewiesenen Todesfall durch das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea L.) richtet die Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion für ländliche Räume, Dr. Christel HAPPACH-KASAN, schriftliche Fragen an die Bundesregierung:

Nach Einschätzung der FDP-Bundestagsfraktion unterschätzt die Bundesregierung das Gefahrenpotential durch das Jakobskreuzkraut in Deutschland.

In einer Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich- Wilhelms- Universität Bonn wurde in diesen Tagen von dem Todesfall eines Kindes in Baden-Württemberg berichtet. Dort hatte eine Frau während der Schwangerschaft größere Mengen eines Gesundheitstees getrunken, der eine Pflanze mit Pyrrolizidinalkaloiden (PA) enthielt. Dadurch wurde die Leber des Fötus so sehr geschädigt, dass das Kind kurz nach der Geburt verstarb.

Bereits im Januar 2007 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in der ausführlichen Stellungnahme „Salatmischung mit Pyrrolizidinalkaloid-haltigem (PA) Greiskraut verunreinigt“ auf die Gefahren durch Beimengungen von Pflanzenzteilen von Greisenkräutern, zu denen auch das Jacobskreuzkraut gehört, hingewiesen, die Vermeidung der Aufnahem von PA angemahnt und weiteren Forschungsbedarf dargestellt. Aus Vergiftungsfällen ist bekannt, dass verschiedene Greiskrautarten bei Mensch und Tier, insbesondere Pferden und Rindern, lebensgefährliche Leberschäden verursachen können. Ursache hierfür sind bestimmte im Kraut enthaltene Inhaltstoffe, die zur Gruppe der ungesättigten Pyrrolizidinalkaloide (PA) gehören.

Das Jakobskreuzkraut hat sich in den letzten Jahren insbesondere in Norddeutschland stark ausgebreitet. Als Hauptursache dafür wird von Experten insbesondere die Zunahme der Pferdehaltung durch nicht landwirtschaftliche Halter auf extensiv bewirtschafteten Standorten vermutet. Durch den Tritt von Pferden auf solchen leichten und trockenen Böden wird die Grasnarbe an vielen Stellen aufgebrochen und der keimende Samen des Jakobskreuzkrautes kann sich hier besonders gut entwickeln. Vergiftungen durch das Jakobskreuzkraut bei Tieren, besonders bei Pferden, haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Die Dunkelziffer ist hoch, da viele Tierärzte mit dem Krankheitsbild nicht vertraut sind. Es ist zu hoffen, dass mit der Aufhebung der Stilllegungsverpflichtung durch die EU die weitere Verbreitung des Jacobskreuzkrautes unterbunden werden kann.

Es hat sich inzwischen ein privat organisierter Arbeitskreis Kreuzkraut gebildet, der auf seiner Internetseite (www.jacobskreuzkraut.de) ausführlich über die Gefährdungen informiert und Maßnahmen zur Gefahrenabwehr vorschlägt.

In 4 Einzelfragen an die Bundesregierung will die FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Christel Happach-Kasan wissen, welche Maßnahmen die Bundesregierung bisher ergriffen hat und ob eine Meldepflicht und die Einführung eines Grenzwertes für den PA-Gehalt von Lebensmitteln geplant ist. Die Erfassung und Bekämpfung der Beifußblättrigen Ambrosie, die für viele Menschen allergen wirkt, wird in einem nationalen Aktionsprogramm durch das Julius-Kühn-Institut (JKI) koordiniert. Entsprechende Maßnahmen müssen auf Grund des Gefährdungspotentials des Jakobskreuzkrautes ebenfalls ergriffen werden.

 

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Fragen an die Bundesregierung:

1). Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung auf Grund der Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Nr. 028/2007 vom 10. Januar 2007 „Salatmischung mit Pyrrozlizidinalkaloid-haltigem Greiskraut verunreinigt“ eingeleitet, in der die lebertoxische Wirkung von Pyrrolizidinalkaloiden (PA) aus verschiedenen Greiskrautarten für Mensch und Nutztiere wie Pferde und Rinder beschrieben und empfohlen wird, dass die Aufnahme von PA aus Vorsorgegründen „so weit wie möglich vermieden“ werden sollte?

2.) In welchem Umfang sind in den letzten fünf Jahren Vergiftungsfälle von Menschen und Tieren verursacht durch die Aufnahme von Pflanzenteilen giftiger Greiskräuter in Deutschland oder dem benachbarten Ausland bekannt geworden und wie hoch schätzt die Bundesregierung die Dunkelziffer ein?

3.) Beabsichtigt die Bundesregierung entsprechend Empfehlungen von Wissenschaftlern eine Meldepflicht für das Auftreten von Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea L.) einzuführen, das seit mehreren Jahren insbesondere auf Brachen, extensiv bewirtschafteten Tierweiden, Stilllegungsflächen sowie an Straßenrändern deutlich vermehrt auftritt und das für Pferde und Rinder aber auch für den Menschen hoch giftig ist, und wenn nein, warum nicht?

4.) Beabsichtigt die Bundesregierung, um Gesundheitsgefährdungen vorzubeugen, den für Heilpflanzen geltenden Grenzwert für Pyrrolizidinalkaloide von 1µ/kg auch für Lebensmittel wie Salate, Tees, oder Bienenprodukte, die durch den Giftstoff durch Beimengung von Pflanzenteilen des Jakobskreuzkrautes oder anderer Greiskräuter, die das Gift enthalten, kontaminiert sein können, einzuführen und wenn nein, warum nicht?

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