Landwirtschaft | Reden

Donnerstag, 28. Mai 2009
Bundestagsrede zum Thema Agrarwissenschaften

 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Die Neuordnung der Agrarressortforschung wurde im Oktober 2007 abgeschlossen. Dies war kein Gesellenstück des damaligen Ministers Horst Seehofer. Er hat vermutlich nicht einmal die Vorlagen gelesen. Es wurde damals eine bedeutende Chance vertan, Agrarwissenschaft und -forschung in Deutschland besser aufzustellen und für zukünftige Herausforderungen zu wappnen.

 

Der Antrag der Linken heute ist da keine Hilfe. Schon 2007 war die Große Koalition nicht zu einer mutigen Reform in der Lage. Warum sollte sie es heute sein? Was also soll ein solcher Antrag? Er ist eine Fleißarbeit, gefällig geschrieben, der sich auf die Forderungen des Wissenschaftsrats aus dem Jahr 2006 zwar beruft, aber sie sich nicht zu eigen macht. Die FDP lehnt den Antrag ab. Was soll die geforderte Bund-Länder-Koordinierungs- und Beratungsinstitution? Ist sie die Einführung von Planwirtschaft in die Forschung? Das wollen wir nicht.

 

Der Wissenschaftsrat hat 2006 tiefgreifende Reformen der Agrarwissenschaften gefordert und die Bildung von Wissenschaftsclustern bei Einbindung verschiedener in einem Bereich tätiger Institute vorgeschlagen. Im Zuge der Neuordnung der Agrarressortforschung wäre die Bildung von Forschungsclustern vergleichsweise einfach gewesen. Doch die Bundesregierung hat die Vorschläge des Wissenschaftsrats in den Wind geschlagen und diese Chance vertan. Für die kommende Regierung wird es eine Herausforderung sein, auf die verunglückte Reform aufbauend, bessere Strukturen zu schaffen.

 

Nach Vorstellung der FDP darf Ressortforschung nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss im Zusammenhang mit den Universitäten, den Leibniz-, Max-Planck-, Helmholtz-, Fraunhofer Instituten und den Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft betrachtet werden. Dadurch können Synergieeffekte erzielt werden und gleichzeitig wird die Arbeit der Ressortforschung genau wie die an Universitäten und Forschungsinstituten gestärkt.

 

Angesichts knapper Mittel, die für die Forschung zur Verfügung stehen, dürfen Forschungseinrichtungen nicht als Infrastrukturmaßnahmen beliebig in die Landschaft gelegt werden, sondern es muss die räumliche Anbindung an andere Forschungseinrichtungen gegeben sein. Anders lassen sich eine gegenseitige Unterstützung bei Vorlesungen, Vorträge und Kolloquien, die Betreuung von Master- und Doktorarbeiten nicht bei vertretbarem Zeitaufwand organisieren. Eine solche Unterstützung dient dem Austausch von Ideen, Konzepten und Gedanken und stärkt wissenschaftliche Exzellenz.

 

Es gibt gute Beispiele im benachbarten Ausland, wie Agrarforschung effizient organisiert werden kann. Eine Konzentration von Grundlagenforschung, Anwendungsprojekten und Lehre in breit aufgestellten Universitätseinrichtungen ermöglicht dort heute einen hocheffizienten Einsatz öffentlicher Mittel. Das muss für unsere Forschungseinrichtungen in gleicher Weise ungesetzt werden.

 

Die Bundesregierung hat 2007 ein Konzept umgesetzt, das 1996 erarbeitet worden war. Dies hat in der Zwischenzeit tüchtig Staub angesammelt hat. Das ist kein Ruhmesblatt.

 

Die Ernährung hat heute im Vergleich zum Jahr 1996 einen ganz anderen Stellenwert. Fehlernährung führt zu Kosten im Gesundheitssystem. Die ernährungsbedingten Krankheiten verursachen 80 Prozent der Morbidität und Invalidität der Bevölkerung. Die Kosten der Bekämpfung der Krankheiten belasten das Gesundheitssystem in hohem Maße. Diabetes ist die teuerste Erkrankung, ihre Behandlung kostet jährlich 35 Milliarden Euro. Trotzdem hat die Bundesregierung entschieden, dass das Max-Rubner-Institut, die ehemalige Forschungsanstalt für Ernährung und Landwirtschaft, das kleinste unter den vier großen Instituten werden soll. Das ist eine Fehlentscheidung. Dies wird den Aufgaben, die die Ressortforschung leisten muss, nicht gerecht.

 

Das beherrschende Thema in der Landwirtschaft ist zur Zeit die negative Entwicklung des Milchpreises, die für viele Milchviehbetriebe zu einem existentiellen Problem geworden ist. Die Studie der deutschen Milchindustrie hat bereits 2007 festgestellt: "Der Milchforschungsstandort Deutschland ist in Gefahr, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren". Die Milchwirtschaft, ist der umsatzstärkste Sektor der deutschen Agrarwirtschaft. Dieser Sektor ist auch durch Entscheidungen der Bundesregierung geschwächt worden. Auch wenn die Milchpreisentwicklung nicht von der Bundesregierung zu verantworten ist, eine Stärkung der Wirtschaftskraft der Betriebe kann sich die Regierung nicht auf ihre Fahnen schreiben. Die kommende Regierung hat im Bereich der Organisation der Forschung viel zu tun, um die Fehler der schwarz-roten Koalition zu korrigieren.

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema