Fischerei | Reden

Donnerstag, 26. März 2009
Rede im Deutschen Bundestag zum Thema Haischutz

 

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Haie sind faszinierende Tiere. Der Hai gehört mit den Rochen und Seekatzen zu den Knorpelfischen. Weltweit umfasst diese Fischgruppe über 1000 verschiedene Arten. In den EU-Gewässern lassen sich insgesamt 118 unterschiedliche Arten nachweisen.

 

Bei vielen Menschen verursachen Haie eher Angst und Schrecken als Interesse. Durch Kinofilme wie „Der weiße Hai“ wird das negative Image der Haie als Menschen fressende Killer weiter verstärkt. Ganz zu Unrecht, denn es gibt nur wenige Beweise für die vielzitierte Gefährlichkeit der Haie. Unsere Angst vor dem Mythos Hai ist auf die generelle menschliche Furcht vor dem Unbekannten, dazu in dem uns fremden Element Wasser, zurückzuführen.

 

Mittlerweile sind viele Haiarten in ihrem Bestand bedroht. Der Anfang des Jahres vorgestellte EU-Aktionsplan für die „Erhaltung und Bewirtschaftung der Haibestände“ führt den Rückgang der Haipopulationen primär auf die spezifischen biologischen Merkmale der Haie sowie auf eine unregulierte und zu intensive Befischung zurück. Weltweit ist der legale Haifischfang zwischen 1984 und 2004 von 600.000 auf 840.000 Tonnen im Jahr angestiegen. Hinzu kommen schätzungsweise ca. 13 Millionen Haie, die pro Jahr als ungewollter Beifang in der Fischerei verenden. Wegen ihres biologisch bedingten geringen Reproduktionspotenzials können sich die Haibestände nur schwer von Überfischung oder anderen negativen Entwicklungen erholen. Die derzeit in der EU gültigen Fanggrenzen für den Hai und die bestehenden Schutzbestimmungen gelten nur für wenige Arten und sind häufig entgegen den wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) erfolgt, sie sind zumeist zu hoch. Im Nordostatlantik sind bereits ein Drittel aller Haiarten vom Aussterben bedroht und auf der Roten Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) zu finden. Deutschland hat sich bereits in der Vergangenheit in der Diskussion um den Haiaktionsplan für den Schutz der Haie eingesetzt. Unser Land hat in den letzten Jahren mehrere Artenschutzinitiativen, wie Anträge beim Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) von Dorn- und Heringshai und die Aufnahme von Hai- und Rochenarten auf die Liste der gefährdeten Arten bei der Oslo-Paris Konvention (OSPAR) eingebracht.

 

Die FDP-Bundestagsfraktion setzt sich im Rahmen der Umsetzung des EU-Haiaktionsplanes für die Reduzierung der Fanghöchstgrenzen für Haiarten, besonders für die in den EU-Gewässern gefährdeten Arten wie Dorn- und Heringshai, ein. Anders als in den EU-Gewässern hat sich die Bestandssituation vom Dornhai vor der Westküste der USA (Nordostpazifik) in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Der Bestand ist hier mittlerweile wieder so gut, dass die offiziellen Fangquoten für die Jahre 2007 und 2008 erhöht werden konnten. Die Dornhai-Populationen um Südafrika und im Südpazifik um Australien und Neuseeland herum werden nach Angaben der IUNC-Roten Liste als „nicht gefährdet“ eingestuft. Für die Zukunft bietet sich bezogen auf den Dornhai noch eine weitere Alternative: Es gibt derzeit vielversprechende Bestrebungen, den Dornhai als erste Haiart durch den Marine Stewardship Council (MSC) zertifizieren zu lassen. Nach jetziger Planung, wird diese MSC-Zertifizierung bereits Ende 2009 ihren Abschluss gefunden haben. Wir befürworten eine Zertifizierung durch den MSC, weil dadurch die nachhaltige Bewirtschaftung von Dornhaibeständen gesichert wird. Das heißt auch, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher auch künftig nicht völlig auf den Genuss der beliebten Schillerlocken verzichten müssen. Als Schillerlocken werden die geräucherten Bauchlappen des Dornhais bezeichnet.

 

Aus Sicht der FDP ist von besonderer Bedeutung, dass im EU-Aktionsplan ein umfassendes Verbot des Finnings EU-weit implementiert wird. Nur durch eine solche Maßnahme kann sichergestellt werden, dass diese tierschutzwidrige Praxis endlich beendet wird. Beim sogenannten „Finning“ werden den Fischen die Flossen abgeschnitten und die oft noch lebenden Tiere werden anschließend ins Meer zurückgeworfen. Die gewonnenen Haifischflossen werden als beliebte Delikatesse zumeist auf dem asiatischen Markt vertrieben, sie finden sich aber auch auf den Speisekarten vieler europäischer Restaurants wieder.

 

Die FDP setzt sich in diesem Bereich für die von Fischereiwissenschaftlern schon seit langem geforderte Hai-Ganzkörperanlandung im Hafen ein – nur so kann gewährleistet werden, dass kein Finning praktiziert wird. Ein weiteres Ziel muss nach unserer Auffassung sein, auf internationaler Ebene konsequent für eine Verbesserung des Schutzes gefährdeter Haiarten einzutreten. Die Verminderung von Haifisch-Beifängen im Bereich der Industriefischerei ist hierfür eine geeignete Maßnahme. Die FDP hatte bereits in der vergangenen Legislaturperiode in ihrer Initiative: „Industrieller Fischfang in Nord- und Ostsee“ (BT-Drs. 15/1447) gefordert, die Industriefischerei in den EU-Gewässern einzuschränken. – Weder die Rot-Grüne noch die jetzige Bundesregierung haben in diesem Bereich bislang etwas unternommen.

 

Die im Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gestellte Forderung zur stärkeren Kontrolle und Überwachung von Fischtrawlern der EU-Fangflotte verkennt, dass bereits heute umfangreiche Überwachungsmaßnahmen erfolgen. Eine zusätzliche Verschärfung der Kontrollen in der Fischerei führt zu weiterem bürokratischen Aufwand und ist für die Fischer nicht mehr hinnehmbar. Trotzdem stimmt die FDP-Bundestagsfraktion dem vorliegenden Antrag von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN zu. Wir wollen, dass der EU-Haiaktionsplanes zügig konkretisiert und umgesetzt, das jeglichem Tierschutz widersprechende Finning beendet wird. Die Einschätzung der Großen Koalition, es sei schon alles getan worden, teilen wird nicht.

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema