Grüne Gentechnik

Dienstag, 16. September 2008
Leserbrief zum Beitrag: "Die deutsche grüne Gentechnik kommt nicht voran" in der FAZ vom 10. September 2008

 

Es ist ein Armutszeugnis dieser CDU/CSU-geführten Regierung, dass die Union ihre Wahlversprechen einer Abkehr von der Künast’schen Blockadepolitik der grünen Gentechnik nicht einmal im Ansatz realisiert hat. Ganz im Gegenteil: Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hat mit Blick auf bayrische Befindlichkeiten alles getan, um Pflanzenzuchtunternehmen und Landwirte daran zu hindern, die Möglichkeiten der grünen Gentechnik in Deutschland zu nutzen. Sachlich ist dies nicht gerechtfertigt, denn die Naturverträglichkeit der in Deutschland zugelassenen gentechnisch veränderten Sorten ist gründlich untersucht und überzeugend nachgewiesen worden, ihre Nutzung als Futtermittel unbestritten. Verantwortliche Politik begegnet den bestehenden Vorbehalten in der Bevölkerung nicht mit einer sachlich ungerechtfertigten Blockadepolitik, sondern mit konstruktiver Politik und einer umfassenden Aufklärung. Die Bundesregierung ist davon weit entfernt.

Die Kritik der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) ist berechtigt, geht aber nicht weit genug. Dafür drei Beispiele:

- Seehofers jüngster Vorstoß der Einrichtung so genannter gentechnikfreier Zonen durch hoheitliche Beschlussfassung in den Kommunen ist absurd und heuchlerisch zugleich: Absurd, weil durch Gemeinderatsbeschluss europaweit geltende Sortenzulassungen außer Kraft gesetzt werden sollen, heuchlerisch, weil er angesichts der EU-Gesetzgebung und Rechtsprechung keinerlei Realisierungschancen hat, er somit allein der Anbiederung an gentechnikfeindliche Positionen dient.

- Die Hightech-Strategie der Bundesregierung kann im Bereich Biotechnologie nicht greifen, weil die Novelle des Gentechnikgesetzes Fehler des alten Gesetzes nicht korrigiert hat, im Bereich der Haftung weiterhin Rechtsunsicherheit besteht.

- Entwicklungsländer fordern angesichts einer weiterhin wachsenden Weltbevölkerung und der steigenden Zahl hungernder Menschen eine zweite grüne Revolution. Täglich steigt die Weltbevölkerung um 80.000 Menschen, täglich verringert sich die weltweit zur Verfügung stehende Ackerfläche. Die Bekämpfung des Hungers kann durch die Züchtung beispielsweise trockenheitsresistenter Sorten unterstützt werden. Deutsche Pflanzenzuchtunternehmen haben gute Vorarbeit geleistet, es sind nationale politische Entscheidungen, die solche humanitären Arbeiten behindern.

 

Christel Happach-Kasan, MdB

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