NaWaRo / Wald

Donnerstag, 18. September 2008
Happach-Kasan: Gute Rahmenbedingungen für Holzproduktion in Agroforstsystemen schaffen

Zu den Ergebnissen der Expertenanhörung zum Thema "Agroforstsysteme, eine umweltfreundliche Möglichkeit zur Erzeugung von Biomasse zur rohstofflichen und energetischen Verwertung" erklärt die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der FDP-Bundestagsfraktion Dr. Christel Happach-Kasan:

Die FDP sieht sich durch die Anhörung in ihrer positiven Bewertung der Agroforstsysteme voll bestätigt. Wir verfolgen das Ziel, bis zum Jahr 2020 einen Anteil von 20% des Primärenergieverbrauchs durch erneuerbare Energien bereitzustellen. Diese Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien muss für Verbraucherinnen und Verbraucher bezahlbar sein, darf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht schwächen. Stromkunden haben bereits jetzt zusätzliche Kosten in Höhe von 3,3 Milliarden € zu tragen. Gegenwärtig basieren 75% der erneuerbaren Energien auf der Verwertung von Biomasse. Die kostengünstige und umweltverträgliche Erzeugung von Biomasse in Agroforstsystemen (Dendromasse) kann einen wichtigen Beitrag in einem auf Nachhaltigkeit angelegten Energiemix leisten, ohne die Natur oder den Geldbeutel der Bürger zu belasten. Das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zur energetischen Nutzung von Biomasse hat ebenfalls die Erzeugung von Biomasse in Agroforstsystemen als kostengünstigen Weg beschrieben. Damit Landwirte Vertrauen in diese Form der Biomasseproduktion gewinnen, muss ein abgesicherter gesetzlicher Rahmen geschaffen, das Bundeswaldgesetz geändert und eine Einstiegsförderung organisiert werden. Es muss sicher sein, dass Flächen, auf denen Kurzumtriebsplantagen betrieben werden, landwirtschaftlich genutzte Flächen bleiben. Es bleibt unverständlich, warum die Bundesregierung bisher zwar Forschungsprojekte fördert, aber für deren Umsetzung in die Praxis keinerlei Initiativen ergriffen hat. Offensichtlich blockieren sich Agrarminister Horst Seehofer und Umweltminister Sigmar Gabriel gegenseitig. Die Stärkung der umweltfreundlichen und kostengünstigen Erzeugung von Biomasse bleibt damit auf der Strecke, Natur und Bürger haben das Nachsehen.

Prof. Dr. Albrecht Bemmann von TU Dresden, Verbundleiter des Projekts „Agrowood“, wies auf den steigenden Holzbedarf in Deutschland hin, der durch Importe nicht gedeckt werden könne. In Kurzumtriebsplantagen, in denen Baumarten wie Pappeln, Weiden oder Robinien in regelmäßigen Abständen geschlagen werden, ließen sich abhängig von der Wasserzufuhr 20 m3 Holz, entsprechend 10 t absolute Trockenmasse (atro) pro Hektar ernten, also doppelt so viel wie im Wald. Die Investitionskosten am Anfang seien sehr hoch, je länger die Plantage stehe, umso besser sei das betriebswirtschaftliche Ergebnis. Geerntet werde etwa alle vier Jahre. Vorteile seien geringer Düngerbedarf, guter Erosionsschutz, hohe Humusbildung, Nachteile aus Sicht der Landwirtschaft die lange Kapitalbildung, ein wesentliches Hindernis zurzeit Bestimmungen des Bundeswaldgesetzes, die mit Bäumen bestandene Flächen als Wald definieren. Eine Rückumwandlung der Flächen in Ackerflächen sei ohne Probleme möglich. Dies hätten Versuche an der TU Dresden gezeigt.

Burkhard Kayser aus Nordrhein-Westfalen ist als freier Berater für nachhaltige Landnutzung mit Schwerpunkt Agroforst tätig. Er stellte Agroforstsysteme vor, in denen Baumstreifen zur Wertholzproduktion mit ackerbaulich genutzten Flächen abwechseln. Diese waren im 2005 abgeschlossenen „Safe-Projekt“ der EU (Safe –Silvoarable Agroforestry für Europe: Gemischte ackerbauliche und forstwirtschaftliche Landnutzung in Europa) untersucht worden. Es ergab sich eine bessere Wirtschaftlichkeit als reine Ackerbau- oder Waldsysteme. Auch er berichtete von rechtlichen Hindernissen, denn Baumstreifen haben gegenwärtig keinen rechtlichen Status.

Florian Schöne, Referent des Naturschutzbundes für Agrarpolitik und Bioenergie stellte heraus, dass die Störungsintensität von Kurzumtriebsplantagen deutlich geringer sei als bei herkömmlichem Mais- oder Weizenanbau. Besonders bei älteren Energieholzplantagen (5-8 Jahre) ist die floristische und faunistische Habitatqualität vergleichsweise gut, deutlich besser als in Dauerkulturen von Mais. Aus Sicht des Naturschutzes lägen die Risiken bei sehr großflächigem Anbau im Verlust wertvoller Randstrukturen und der möglichen Umwandlung hochwertiger Lebensräume, wie artenreichem Extensivgrünland, Feuchtgebieten oder Auen. Es sollte die Nutzung heimischer Baumarten wie Roterle oder Zitterpappel, die etwas geringere Erträge brächten als bestimmte Pappelklone, gefördert werden. Bei Beachtung landschaftsökologischer Zusammenhänge und standortgemäßer Sortenwahl kann die Produktion von Dendromasse in Kurzumtriebsplantagen die Wertigkeit von Landschaftsräumen stärken.

Dr. Ute Seeling, geschäftsführende Direktorin des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. (KWF) führte in die Erntetechnik ein und stellte die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse der verschiedenen Verfahren einander gegenüber. Mit dem Gehölzmähhäcksler ergeben sich Erntekosten von unter 30 € pro Tonne atro. Bei einem mittleren Ertragsniveau und mittlerem Preis von etwa 70 € je Tonne atro errechneten sich Erlöse von etwa 450 € pro Hektar und Jahr, bei gutem Preis von über 1200 € pro Jahr und Hektar. Die Beerntung von Kurzumtriebsplantagen ist derzeit noch kostenintensiv, einige technische Fragen in Bereich der Erntetechnik sind bislang noch nicht optimal gelöst. Mit Kurzumtriebsplantagen könnten pro Jahr und Hektar 5000-6000 Liter Heizöl ersetzt werden. Dies entspricht einer CO2-Bindung von ca. 45 Tonnen pro Hektar im Jahr.

Harald Wedemeyer, Deutscher Bauernverband Landvolk Niedersachsen wies darauf hin, dass angesichts der hohen Kapitalbindung Landwirte diesen Produktionszweig nur wählen könnten, wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen verlässlich seien. Er forderte eine Änderung des Waldbegriffs im Bundeswaldgesetz und eine bessere Kommunikation über diese Form der Biomasseproduktion. Dem Nachteil der geringen Flexibilität und hohen Kapitalbindung stünde gegenüber, dass Kurzumtriebsplantagen unter dem Gesichtspunkt der Risikostreuung hohe Attraktivität besäßen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen würden.

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