Schleswig-Holstein

Samstag, 26. Juli 2008
Wasserkraftwerke dürfen ökologische Funktion und Durchgängigkeit von Fließgewässern nicht beeinträchtigen.

Dr. Christel Happach-Kasan zum geplanten Wasserkraftwerk in der Elbe bei
Geesthacht:

"Wasserkraftwerke dürfen ökologische Funktion und Durchgängigkeit von Fließgewässern nicht beeinträchtigen."


Die FDP Bundestagsabgeordnete Dr. Christel Happach-Kasan hat sich erneut für eine Fischtreppe in Geesthacht ausgesprochen. Die einseitige Unterstützung des BUND Geesthacht für ein Wasserkraftwerk an gleicher Stelle bezeichnet sie vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Untersuchungen und Erfahrungen an anderen Flüssen als unverständlich. Dies ist selbst in den Reihen des BUND höchst umstritten. Der Geesthachter BUND verkenne die damit verbundenen ökologischen Risiken.

Der Plan für ein Wasserkraftwerk sei nicht zuerst Ausdruck des Willens, mehr Energie umweltfreundlich zu gewinnen, sondern Folge übertriebener Subventionierung (6,32 ct/kWh) durch das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz), so Happach-Kasan.

„Eine auf drei Jahre angelegte Dissertation der Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau der Technischen Universität München hat erhebliche Schäden durch Wasserkraftwerke am Fischbestand nachgewiesen. 28% der Aale überlebten die Wanderung stromabwärts nicht, zeigten Untersuchungen am Main. Das steht im Widerspruch zu den Schutzzielen der Europäischen Kommission, die als vorrangige Sofortmaßnahme zum Schutz der gefährdeten Bestände möglichst vielen Blankaalen die Rückwanderung ins Meer ermöglichen will.“

Aale laichen im mittleren Westatlantik, in der so genannten Sargasso-See.
Die Aal-Larven werden durch den Golfstrom an die Küsten West-Europas getrieben und steigen als kleine "Glasaale" in die Flüsse hinauf. Sie verbringen die meiste Zeit ihres Lebens in Bächen, Teichen und Tümpeln.
Erwachsene Aale, Blankaale genannt, wandern flussabwärts ins Meer und über den offenen Atlantik zurück in die Sargasso-See.  Wird ihnen der Weg dorthin versperrt, ist ihre Vermehrung und damit ihr Bestand akut gefährdet.

Erfahrungen am Rhein bestätigen die Abgeordnete in ihrer Auffassung:
„Wasserkraftwerke wirken sich in vielfältiger Weise nachteilig auf die ökologische Funktion und Durchgängigkeit von Fließgewässern aus", stellte die "Internationale Kommission zum Schutz des Rheins" 2004 fest und zitierte Verluste am Fischbestand je nach Art bis zu knapp 50%.

Christel Happach-Kasan: "Es ist möglich, in Geesthacht die geplante Menge Strom aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen. Dafür gibt es sinnvolle Initiativen. Die verbesserte Wasserqualität der Elbe, die gestiegene Biodiversität in der Fischfauna der Elbe ist eine Herausforderung, die Wanderungen der Fische in der Elbe zum Beispiel durch den Bau von Fischtreppen zu ermöglichen. Gerade bei Wanderungen stromabwärts folgen Fische der stärksten Strömung, und diese herrscht zumeist ausgerechnet vor der geplanten Turbine des Wasserkraftwerks. Deshalb muss genau geprpft werden, ob und wie ein Wasserkraftwerk mit der erforderlichen Fischtreppe vereinbart werden kann.

Wenn Anti-AKW-Funktionäre wie Bettina Boll plötzlich ihre Liebe zum Vattenfall-Konzern entdecken, ist höchste Wachsamkeit geboten. Ihre Kritik, die Gegner des Wasserkraftwerkes hätten "keine Ahnung" ist vor dem Hintergrund ihrer eigenen Unkenntnis der negativen Auswirkungen von Wasserkraftwerken auf die Fischfauna ignorant. Vor dem Hintergrund einer vielfältigen und dichten Datenbasis über die Wirkungen von Wasserkraftwerken ist das Projekt mit Vorsicht voranzutreiben, damit die inzwischen in der Elbe wieder wandernden Fische realistische Überlebenschancen haben.

Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass mit aller Gewalt Pseudo-Alternativen zum Kernkraftwerk Krümmel aufgezeigt werden sollen, koste es an Umweltqualität, was es wolle."

 

 

 

 

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema