Ernährung

Freitag, 11. Juli 2008
Happach-Kasan: Landwirte und Imker bei Feuerbrandbekämpfung unterstützen

 

Zur Beantwortung der Kleinen Anfrage „Gefährdung des Obstanbaus durch den Feuerbranderreger in Deutschland“ erklärt die Agrarexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Christel Happach-Kasan:

Der Feuerbrand ist eine gefährliche, durch das Bakterium Erwinia amylovora verursachte Pflanzen-Krankheit. Sie befällt Rosengewächse wie z. B. die Kernobstgehölze: Apfel, Birne, Quitte und kann sich seuchenartig schnell ausbreiten. Daher verursacht die Verbreitung des Feuerbrandes erhebliche wirtschaftliche Einbußen für Obstbaubetriebe. 2007 betrugen die Schäden durch Feuerbrandbefall allein in Baden-Württemberg 3 Mio. €.

Obwohl der Feuerbranderreger in ganz Europa, in Deutschland am stärksten in Baden-Württemberg, große Schäden im Obstanbau verursacht, erfahren Imker und Landwirte nicht die notwendige Unterstützung durch die Bundesregierung bei der Bekämpfung des Erregers. Zwar stellt der Feuerbranderreger für die Gesundheit des Menschen keine Gefahr dar. Doch das bisher zur Bekämpfung zum Einsatz kommende Antibiotikum Streptomycin ist umstritten. Streptomycin wurde in der Vergangenheit mehrfach im deutschen Bienenhonig nachgewiesen. Das Antibiotikum wird in der Natur vergleichsweise schnell abgebaut, im Honig hingegen bleibt es nahezu unbegrenzt stabil.

Die vom Ministerium entwickelte „Strategie zur Bekämpfung des Feuerbranderregers ohne Antibiotika“ hat bisher keine wesentlichen Erfolge erbracht. In jedem Jahr mussten streptomycinhaltige Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung des Feuerbrands ausgebracht werden, im vergangenen Jahr auf einer Fläche von 3650 Hektar. Dennoch mussten in Baden-Württemberg 100 Hektar Obstbaumplantagen gerodet werden und 7% der Honigproben wiesen Streptomycin-Rückstände auf, die über der Höchstmenge lagen. Die Strategie des Ministeriums ist somit gescheitert, dennoch soll sie weitere fünf Jahre verfolgt werden.

Die Suche nach Alternativen zum Streptomycineinsatz ist bis jetzt erfolglos geblieben. Kupferhaltige Pflanzenschutzmittel wirken nicht hinreichend gegen den Feuerbrand. „Auch für den ökologischen Landbau reicht die Wirkung nicht aus“, so die Bundesregierung. Außerdem erfolgt bei wiederholter Anwendung eine Anreicherung von Kupfer im Boden „mit dem Risiko schädlicher Auswirkungen auf das Bodenleben und die Bodenfruchtbarkeit“. Die Erfolg versprechenden Versuche mit resistenten gentechnisch veränderten Apfelsorten hat die vorige Bundesregierung aus ideologischen Gründen gestoppt, die jetzige Regierung hat nichts für deren Wiederaufnahme getan. Die Versuche, mit apfeleigenen Resistenzgenen zu arbeiten, scheitern daran, dass bisher kein Resistenzgen gegen den Feuerbranderreger gefunden wurde. Äpfel sind in Deutschland sehr beliebt, sie sind gesund. Schon jetzt müssen die Hälfte der hier verzehrten Äpfel importiert werden. Im Interesse des Obstanbaus in Süddeutschland ist es wichtig, seine akute Gefährdung durch den Feuerbranderreger zu erkennen und die immer noch bestehende Blockade gegenüber der Züchtung resistenter Sorten mit Hilfe der Gentechnik abzubauen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass der Verzicht auf streptomycinhaltige Pflanzenschutzmittel nach jetziger Einschätzung anders nicht möglich sein wird.

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