Ernährung

Donnerstag, 6. Dezember 2007
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage "Ökologische und ökonomische Bedeutung von Schadorganismen" (Drucksache 16/7277)

Vorbemerkung der Fragesteller

Schadorganismen wie z. B. Fusarium im Getreide, Phythophtora bei der Kartoffel, der Maiszünsler beim Mais richten in der Landwirtschaft und im Gartenbau große Schäden an. Sie führen zu teilweise erheblichen Ertragseinbußen und vermindern die Qualität der landwirtschaftlichen Produkte. Der Maiszünsler hat in 2006 finanzielle Einbußen in Höhe von 11 Mio. Euro verursacht. Der Befall durch Fusarienpilze beim Getreide führt zu einer Belastung mit Myko- toxinen in der Nahrung sowie in Futtermitteln, die beim Überschreiten der Grenzwerte zu einem Ausschluss der Verwertung als Nahrungs- oder Futtermittel führen. Die hohe Giftwirkung der Mykotoxine sowie ihre cancerogenen Eigenschaften erfordern besondere Sorgfalt in der Analytik und der Bekämpfung des Pilzbefalls.

Durch den globalen Güter- und Personenverkehr und durch klimatische Verän- derungen verbreiten sich neue Schadorganismen aus, mit denen die Landwirtschaft zurechtkommen muss. Die beobachteten Klimaerwärmungen begünstigen die Verbreitung von an ein wärmeres Klima angepassten Arten. Ein Beispiel für das Einschleppen von Schadorganismen ist der westliche Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera), der 1992 aus Nordamerika per Flugzeug in den Balkan verschleppt wurde und der am 23. Juli diesen Jahres erstmals in Deutschland nachgewiesen wurde. Inzwischen wurden Quarantänemaßnah- men eingeleitet, um seine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Ertragsverluste durch den Maiswurzelbohrer werden allein in den USA auf 1 Mrd. Dollar geschätzt.

Sogar über das Vogelfutter werden Problemunkräuter eingeschleppt, deren Bekämpfung sich als schwierig erweisen kann und die eine Bedrohung der Gesundheit darstellen können. So ist z. B. die ursprünglich aus Nordamerika stammende Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) in vielen europäischen Ländern schon ein problematisches Ackerunkraut. Die Ambrosie verursacht insbesondere bei Mais und Zuckerrüben erhebliche Ernteausfälle. Weiterhin erfordert die hochallergene Wirkung der Ambrosie ihre konsequente Bekämpfung. In Europa reagieren 10 bis 20 Prozent der Menschen allergisch auf die Pollen der Beifuß-Ambrosie (Forschungsreport 2/2007).

Die Etablierung modifizierter Anbauverfahren begünstigt teilweise die Ausbreitung von Schadorganismen. Die pfluglose Bodenbearbeitung, die zur Vermeidung von Bodenerosion in vielen Bundesländern gefördert wird, stärkt die Verbreitung des Maiszünslers. Der Maiszünsler ist der bedeutendste Schädling im europäischen Maisanbau. Allein in Deutschland waren in 2005 etwa 400 000 Hektar der Maisanbaufläche vom Zünsler befallen. In 2006 trat der Zünsler in allen Flächenländern mit Ausnahme von Schleswig-Holstein auf. Dennoch wird der Maiszünslerbefall nicht jährlich erhoben (Bundestagsdrucksache 16/3059).
Um der weiteren Ausbreitung und dem Zugang von Schadorganismen Einhalt zu bieten, muss vorausschauend gehandelt werden. Die flächendeckende Überwachung des Auftretens und der Ausbreitung von gefährlichen Schadorganismen ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung einer effizienten Bekämpfungsstrategie. Parallel dazu ist insbesondere die Züchtung von resis- tenten bzw. widerstandsfähigen Sorten eine Möglichkeit, der Ausbreitung von Schadorganismen zu begegnen. Gegen Schadinsekten wie den Maiszünsler und den Maiswurzelbohrer stehen Bt-Maissorten zur Verfügung, an der Züchtung von beispielsweise Fusarium resistenten Getreidesorten wird gearbeitet.

Nach § 34 Abs. 2 des Pflanzenschutzgesetzes ist es die Aufgabe der Pflanzenschutzdienste der Länder, über das Auftreten und die Verbreitung von Schadorganismen zu berichten. Es muss sichergestellt werden, dass diese Aufgabe gewissenhaft und einheitlich umgesetzt wird, damit ein funktionierendes Frühwarn- und Bekämpfungssystem gewährleistet werden kann. Nur eine intensive und überregionale Überwachung von Schadorganismen kann effektive Gegenmaßnahmen ermöglichen.

1. Welche für Landwirtschaft und Gartenbau bedeutsamen Schadorganismen (Viren, Pilze, Insekten) treten regelmäßig in Deutschland auf und sind hinsichtlich der Notwendigkeit der Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln zur Sicherung der Qualität und des Ertrages von Bedeutung?

In der Bundesrepublik Deutschland tritt regelmäßig eine Vielzahl von verschiedenen Schadorganismen auf, die wirtschaftliche Schäden verursachen und zu deren Bekämpfung deshalb Pflanzenschutzmaßnahmen einschließlich der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln durchgeführt werden. Das Auftreten der Schadorganismen wird von zahlreichen Faktoren wie Region, Klima, Witterung, Anbaubedingungen, Sorte etc. beeinflusst.

Beispielhaft sind nachfolgend wichtige, jedes Jahr mehr oder weniger stark auftretende Schadorganismen an ausgewählten Kulturen aufgelistet. Diese Aufzählung kann jedoch auf Grund der Vielzahl der Kulturen und der dort auftretenden Schadorganismen nicht vollzählig sein.

Zur guten fachlichen Praxis gehört, dass die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes berücksichtigt werden. Schadorganismen sollen mit den verfüg- baren Verfahren gleichermaßen ökonomisch und für die Umwelt vertretbar in möglichst gut abgestimmter Weise unter der wirtschaftlichen Schadschwelle ge- halten werden.

Von den in Anhang I A II und Anhang II A II zur Richtlinie 2000/29/EG des Rates vom 8. Mai 2000 über Maßnahmen zum Schutz der Gemeinschaft gegen die Einschleppung und Ausbreitung von Schadorganismen der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse aufgeführten Schadorganismen kommen folgende so genannte Quarantäneschadorganismen in der Bundesrepublik Deutschland vor.

Die Notwendigkeit von Bekämpfungsmaßnahmen ergibt sich bei diesen Schadorganismen schon aus ihrer Einstufung als Quarantäneschadorganismus und den entsprechenden Vorschriften nach der Richtlinie 2000/29/EG zur Verhinderung ihrer Ausbreitung in der EU. Oft sind diese Schadorganismen aber nicht oder nur schwer direkt mit Pflanzenschutzmitteln bekämpfbar, was auch ein Grund für den Quarantänestatus und die Quarantänemaßnahme ist.

2. Für welche Schadorganismen besteht in welchen Bundesländern eine flächendeckende Überwachung, und von wem wird sie in den einzelnen Bundesländern jeweils durchgeführt, wo wird das Datenmaterial zusammengeführt?

Eine flächendeckende Überwachung besteht für Schadorganismen, die gemäß der Richtlinie 2000/29/EG1 pflanzengesundheitlichen Regelungen unterliegen. Für einige dieser Schadorganismen gelten weiterführende EU-weit harmonisierte Vorschriften im Rahmen von Bekämpfungsrichtlinien des Rates oder Entscheidungen der Europäischen Kommission, die außer Maßnahmen zur Bekämpfung und zur Verhinderung ihrer Verbreitung regelmäßige Erhebungen zum Vorkommen und zur Berichterstattung umfassen. Diese Schadorganismen sind z. B. Kartoffelzystennematoden (Globodera pallida, Globodera rostochiensis), Kartoffelkrebs (Synchytrium endobioticum), Schleimkrankheit der Kartoffel (Ralstonia solanacearum), Bakterielle Ringfäule der Kartoffel (Clavibacter michiganensis ssp. sepedonicus), Pepino mosaic virus, Kiefernholznematode (Bursaphelenchus xylophilus), Verursacher des Triebsterbens an Rhododendron und des Eichensterbens (Phytophthora ramorum), Westlicher Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera), Kartoffelspindelknollen- krankheit (Potato spindle tuber viroid), Palmrüssler (Rhynchophorus ferrugineus), Japanische Esskastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus).

Nach § 34 Abs. 2 des Pflanzenschutzgesetzes sind die amtlichen Pflanzenschutzdienste der Länder für die Überwachung der Pflanzenbestände sowie der Vorräte von Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen auf das Auftreten von Schadorganismen und für die Berichterstattung über das Auftreten und deren Verbrei- tung zuständig.

Weitere Schadorganismen werden in Abhängigkeit ihrer regionalen und wirtschaftlichen Bedeutung für die Landwirtschaft und den Gartenbau in der jeweiligen Anbauregion durch die amtlichen Pflanzenschutzdienste in unterschiedlicher räumlicher und zeitlicher Dichte überwacht und die Daten zusammengeführt. Die Ergebnisse dieser Überwachungen werden von den Pflanzenschutzdiensten ausgewertet und fließen in die regionalen Warndiensthinweise und Bekämpfungshinweise oder in einigen Ländern z. B. in das internetgestützte Informationssystem ISIP für die landwirtschaftliche oder gartenbauliche Praxis ein.
Das Auftreten der so genannten Quarantäneschadorganismen oder das Auftreten von neuen Schadorganismen ist gemäß der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift über Mitteilungen, Angaben und Erhebungen zu Schadorganismen der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse vom 31. Januar 2007 von den zuständigen Behörden der Länder an die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) zu berichten. Das Datenmaterial wird in der BBA zusammengeführt und dient als Basis für Mitteilungen an die Europäische Kommission und für weitere fachliche Bewertungen.

3. Welche Schadenshöhe durch Qualitätsminderung oder Ernteausfall haben die einzelnen Schadorganismen in den am meisten vom Befall betroffenen Bundesländern jeweils in den vergangenen fünf Jahren verursacht?

Das Auftreten, die Verbreitung und die aktuelle Populationsdichte von Schadorganismen wird von einer Vielzahl von Faktoren wie z. B. Region, Klima, Witterung, Anbaubedingungen, Sorte und Pflanzenschutzmaßnahmen einzeln und in Kombination beeinflusst. Daher dominieren in den verschiedenen Jahren die jeweils begünstigten Schadorganismen. Die hieraus resultierende Schadenshöhe bei Kulturpflanzen durch Qualitätsminderung und Ernteausfall ist daher auch regional unterschiedlich. Im Gegensatz zum letzten Jahr spielte beispielsweise der Rapsglanzkäfer in dieser Vegetationsperiode keine Rolle, in Getreide waren in diesem Jahr insbesondere Virosen und Braunrost von Bedeutung, ebenso wie der Feuerbrand in Obstgehölzen, im letzten Jahr verursachte der Maiszünsler regional größere Schäden.
Umfassende Studien zu allen in der Bundesrepublik Deutschland auftretenden Schadorganismen liegen nicht vor. Je nach Jahr, Witterung, Region, Anbaubedingungen, Kultur und Schadorganismus variieren die Ernte- und Qualitätsver- luste und können in besonderen Befallsituationen in Einzelfällen bis zu 100 Prozent betragen. Für differenzierte Bewertungen und Quantifizierungen können Exaktversuche Auskunft geben, die im Rahmen des Versuchswesens durchge- führt werden und deren Ergebnisse den jeweiligen Versuchsberichten der Pflan- zenschutzdienste der Länder zu entnehmen sind.

Bei Durchführung geeigneter Pflanzenschutzmaßnahmen einschließlich anbautechnischer Verfahren und gezielter und sachgerechter Anwendung von Pflanzenschutzmitteln können die Schadenshöhen, weitgehend unabhängig vom Schadorganismus, meist deutlich auf unter 5 Prozent vermindert werden.

In Situationen, in denen Schaderreger Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel aufweisen, können im Einzelfall auch Ertragsausfälle von über 50 Prozent auftreten. Dies war z. B. im Jahr 2006 der Fall, in dem ein Teil der Rapsglanzkäferpopulationen Pyrethroidresistenz aufwies und regional insbesondere in Baden- Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg große Schäden durch bis zu 50 bis 100 Prozent Schotenminderung verursachte. Bei Quarantäneschadorganismen, die nicht oder nur schwer zu bekämpfen sind, sind nicht nur die direkten Schäden relevant, sondern auch Schäden zu berücksichtigen, die durch nicht oder nicht rechtzeitig vorsorglich getroffene Gegenmaßnahmen zur Vermeidung der Einschleppung und Ausbreitung entstehen. Einer vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Auftrag gegebenen Studie zur Nutzen-Kosten-Untersuchung „Auswirkungen der EG-Binnenmarktregelungen im Bereich Pflanzengesundheit“ zufolge, ergaben sich Schäden von bis zu 100 Mio. Euro/Jahr. Nach Mitteilung der BBA ergaben Abschätzungen in den USA im Jahr 2001 ca. 120 Mrd. US-Dollar/Jahr Schaden durch invasive Schadorganismen einschließlich Pflanzen, die Schadorganismen sind.

4. Wie, und auf welche Weise werden die gesammelten Informationen über das Auftreten und die Verbreitung von Schadorganismen an die Landwirte weitergeleitet?

Informationen über das Auftreten und die Verbreitung von Schadorganismen werden den Landwirten und Gärtnern durch die amtlichen Pflanzenschutzdienste der Länder im Rahmen der Pflanzenschutzberatung, als telefonische Auskunft, Fax, schriftliche Hinweise, E-Mail, in persönlichen Beratungsgesprächen und bei Betriebskontrollen oder mittels Internet (z. B. über eigene Homepage und über das Internetportal ISIP – Informationssystem Integrierter Pflanzenschutz – Onlineberatung der Landwirtschaftskammern und Pflanzen- schutzdienste der Bundesländer) und des regelmäßigen Warndienstes übermittelt.

Des Weiteren werden zeitnah aktuelle Informationen in Fachzeitschriften, Merkblättern und in Rundfunk und Presse veröffentlicht. Darüber hinaus werden Fachvortrags- und Schulungsveranstaltungen angeboten und jährliche Versuchsberichte veröffentlicht.

5. In welchen Bundesländern ist der Maiszünsler in diesem Jahr aufgetreten, und wie hat sich sein Befallsgebiet gegenüber den Vorjahren entwickelt?

Der Maiszünsler ist bereits seit langem in den süddeutschen Bundesländern und in Brandenburg (Oderbruch) vorhanden. Seine Verbreitung schiebt sich von dort her nach Norden bzw. von Brandenburg aus nach Norden und Westen. Er ist in den letzten beiden Jahren von Osten bis nach Niedersachsen und in Nordrhein- Westfalen von Süden bis etwa zur Ruhr vorgedrungen. In Mecklenburg-Vor- pommern und Bayern wurde flächendeckender Befall festgestellt. In Niedersachsen trat der Maiszünsler erstmals im Jahr 2006 in Teilregionen vereinzelt auf, witterungsbedingt erfolgte 2007 keine wesentliche Ausbreitung. In Nord- rhein-Westfalen trat im Jahr 2007 auf Einzelflächen starker Befall auf, in anderen Regionen betrug der Befall unter 10 Prozent. Als einziges Flächenland gilt derzeit Schleswig-Holstein noch als befallsfrei.

6. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass eine flächendeckende Überwachung in den vom Maiszünslerbefall am stärksten betroffenen Bundesländern angestrebt werden sollte, um Landwirte hinsichtlich des Bt- Maisanbaus beraten zu können und um in solchen Gebieten den pfluglosen Maisanbau zu vermeiden, und wenn nein, warum nicht?

In den vom Maiszünsler flächendeckend befallenen Bundesländern erfolgt bereits eine flächendeckende Überwachung. Im Übrigen sind die Überwachungsaktivitäten der Länder an den Befallsgebieten ausgerichtet. Der Anbau von Bt- Mais stellt eine Option von mehreren dar, die in das integrierte System der Maiszünslerbekämpfung einbezogen werden könnte. Aufgrund fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz, vom Handel vertraglich eingeforderte GVO (gentechnisch veränderte Organismen)-Freiheit bei Körnermais für die Lebensmit- telerzeugung und des daraus resultierenden erschwerten Absatzes gilt für die Landwirte der Anbau derzeit häufig nicht als das Mittel der Wahl.

Die Beratung der amtlichen Pflanzenschutzdienste der Länder zur Bekämpfung des Maiszünslers umfasst auch pflanzenbauliche Maßnahmen, die sich an den jeweiligen Standortbedingungen und dem Maiszünslerauftreten ausrichten. Von pflugloser Bodenbearbeitung wird in Verbindung mit starkem Maiszünslerauf- treten abgeraten.

7. Erwägt die Bundesregierung die Förderung der pfluglosen Bodenbearbeitung einzustellen, um ein weiteres Ausbreiten des Maiszünslers einzudämmen?

Im Rahmen der „Grundsätze für die Förderung einer markt- und standortangepassten Landbewirtschaftung“ der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) fördern Bund und einige Länder die Anwendung von Mulch- oder Direktsaat oder Mulchpflanzverfahren. Mit dieser Maßnahme sind vielfältige positive Auswirkungen auf die Umwelt verbunden. Die Maßnahme allein unter dem Gesichtspunkt der Eindämmung der Maiszünslerausbreitung zu betrachten, wäre daher zu kurz gegriffen. Die Bundesregierung plant nicht, diese Maßnahme einzustellen.

Die Wahl der Bodenbearbeitung obliegt dem Landwirt und orientiert sich an den jeweiligen Standortbedingungen und ackerbaulichen Gegebenheiten. Die nicht wendende Bodenbearbeitung hat standortbezogen unbestritten auch ackerbauliche, ökologische und ökonomische Vorteile. Sie kommt zudem dort zur An- wendung, wo z. B. aus Gründen des Erosionsschutzes oder steinigen bzw. flachgründigen Böden keine Pflugfurche möglich oder nach rechtlichen Vorgaben (z. B. Wasserschutzgebiete) nicht zulässig ist.

8. In welchen Regionen Deutschlands wurde bisher der westliche Maiswurzelbohrer beobachtet, in welcher Zahl und welche Maßnahmen wurden ergriffen, um seine weitere Ausbreitung zu verhindern?

Die Bundesländer führen seit 1997 ein Monitoring mit Sexuallockstofffallen (Pheromonfallen) zur Früherkennung des Schädlings durch. Der Westliche Maiswurzelbohrer wurde 2007 erstmals in der Bundesrepublik Deutschland in Baden-Württemberg und Bayern festgestellt. In Baden-Württemberg wurden im Ortenaukreis sechs Käfer und im Bodenseekreis insgesamt 346 Käfer gefangen. In Bayern wurde ein Käfer unmittelbar am Flugplatz München sowie jeweils ein Käfer an zwei Standorten im Rottal und insgesamt 236 Käfer in der Nähe von Passau gefangen.

Um die weitere Ausbreitung des Käfers zu verhindern, haben die beiden Länder entsprechend der geltenden EG-Entscheidung 2003/766/EG der Kommission über Sofortmaßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Schadorganismus Diabrotica virgifera virgifera Le Conte die notwendigen Bekämpfungsmaß- nahmen eingeleitet, um die Fundorte eine Befallszone (1 km Umkreis) und eine Sicherheitszone (5 km Umkreis) abgegrenzt und das Monitoring intensiviert.

Die erforderlichen Maßnahmen sind in der nationalen „Leitlinie zur Durchführung von amtlichen Maßnahmen gegen Diabrotica virgifera virgifera Le Conte“ dargelegt und erläutert. Die Initiative zur Erstellung der nationalen Leitlinie geht auf den Beschluss der Agrarministerkonferenz des Bundes und der Länder am 26. September 2003 zurück, eine nationale Strategie zur Bekämpfung des Westlichen Maiswurzelbohrers vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gemeinsam mit den Ländern zu entwickeln. Die Leitlinie, die sich an den aktuellen EU-recht- lichen Vorgaben orientiert, ist Kernstück dieser Strategie und wurde durch die BBA gemeinsam mit den Ländern erarbeitet.

Die Ausrottungsmaßnahmen in der Befallszone beinhalten:
– eine Bekämpfung der Käfer mit Insektiziden (mindestens im Befallsjahr, bei Maisanbau auch im Folgejahr),
– eine zeitlich befristete Erntebeschränkung,
– die Reinigung von auf Maisfeldern genutzten landwirtschaftlichen Maschi- nen vor Verlassen der Befallszone,
– ein Verbringungsverbot von frischen Maispflanzen (Verwertung in der Be- fallszone möglich),
– ein Verbringungsverbot von Erde von Maisfeldern aus der Befallszone,
– eine zweijährige Anbaupause für Mais bezogen auf die gesamte Zone oder alternativ eine vorgeschriebene dreijährige Fruchtfolge bezogen auf die Ein- zelschläge unter Berücksichtigung der Vorkulturen in den zwei Jahren zuvor und
– die Bekämpfung eines möglichen Maisdurchwuchses.
In der Sicherheitszone ist Folgendes vorgeschrieben:
– eine zweijährige Fruchtfolge oder
– ein Einsatz von Insektiziden gegen die Käfer im Befalls- und Folgejahr.

Die Maßnahmen in beiden Zonen werden von einem intensiven Monitoring begleitet. Die Ausrottungsmaßnahmen werden im Befallsjahr und den beiden Folgejahren durchgeführt und sind abgeschlossen, wenn keine weiteren Käfer in den Folgejahren gefangen werden.

9. In welcher Weise ist der Maiswurzelbohrer in anderen europäischen Ländern wie beispielsweise der Schweiz, in denen der Maiszünsler seit Jahren auftritt, bekämpft worden, und lassen sich die dort angewandten Methoden nach Einschätzung der Bundesregierung auch in Deutschland anwenden?

Es wird davon ausgegangen, dass nach einem Vergleich der Maßnahmen in europäischen Ländern, in denen zuvor der Westliche Maiswurzelbohrer und nicht der Maiszünsler aufgetreten ist, gefragt ist.

Die Ausrottungsmaßnahmen in anderen EU-Mitgliedstaaten, in die der Schadorganismus eingeschleppt wurde, sind entsprechend der Entscheidung 2003/ 766/EG der Kommission konform durchgeführt worden. In einigen Gebieten von Mitgliedstaaten, in denen der Westliche Maiswurzelbohrer schon seit Jahren auftritt und eine Tilgung des Schadorganismus nicht mehr möglich ist, gelten Eingrenzungsmaßnahmen gemäß der Änderung der Entscheidung 2006/564/EG der Kommission. Die dort vorgesehenen Maßnahmen gelten für die Bundesrepublik Deutschland nicht, da es sich in der Bundesrepublik Deutschland um ein Erstauftreten handelt, zu dessen Tilgung die Maßnahmen gemäß der Entscheidung 2003/766/EG angewendet werden müssen.

Die Schweiz unterliegt diesen Regelungen nicht. In der Schweiz ist nach Einschleppung in den zwei Folgejahren verboten, Mais in einem Umkreis von 10 km anzubauen. Diese Bekämpfungsstrategie, ergänzt durch Begleitmaßnahmen im Umkreis von 5 km um einen Fangpunkt herum, hat zum Ziel, erste Einschleppungen auszurotten. In der Schweiz praktizierte Ausrottungsmaßnahmen haben dazu geführt, dass alle Einschleppungen in den letzten Jahren getilgt werden konnten.

Die Schweiz hat etwa 62 000 ha Mais, von denen etwa 4 400 ha (ca. 7 Prozent) zu den Risikogebieten gerechnet werden können, in denen mit hoher Wahrschein- lichkeit Mais nach Mais angebaut wird. Dieses ist mit deutschen Anbauverhält- nissen nicht zu vergleichen, da in der Bundesrepublik Deutschland etwa 1,8 Mio. ha Mais angebaut werden, von denen etwa 350 000 ha (ca. 20 Prozent) zu den Risikogebieten gerechnet werden müssen. Der zunehmende Bau von Biogasan- lagen in den letzten Jahren, die häufig auch mit Mais betrieben werden und aus Kostengründen einen konzentrierten Anbau von Mais um die Anlage nach sich ziehen, ist hierbei noch unberücksichtigt. Dennoch ist die Fruchtfolge auch Kern- element der deutschen Leitlinie, da sie zu den wirksamsten Ausrottungsmaß- nahmen zählt. Ergänzt wird sie lediglich durch obligatorische Insektizidapplika- tionen im Befallsjahr in der Befallszone (Verhinderung der Ausbreitung der Käfer) und optionale Insektizidanwendungen in der Sicherheitszone.

10. Wie schätzt die Bundesregierung die Chance ein, die weitere Ausbreitung des Maiswurzelbohrers zu unterbinden, und mit welchen Methoden soll dies erreicht werden?

Die Chancen, eine Etablierung in bisher befallsfreien Gebieten und damit eine großräumige Ausbreitung in Westeuropa in den nächsten Jahren zu unterbinden, werden als gut eingeschätzt. Von den bisherigen 14 Einschleppungen in Westeuropa (Vereinigtes Königreich, Niederlande, Belgien, Frankreich, Schweiz) vor 2007 konnten alle bis auf einen Fall getilgt werden. Im letzteren Fall wurden die Maßnahmen nicht vollständig konsequent durchgeführt; es bestehen daher bei konsequenter Anwendung gute Chancen auch diesen Befallsherd zu tilgen. Zur Anwendung kamen in den EU-Mitgliedstaaten die in der Antwort zu Frage 8 an- geführten Maßnahmen.

11. Beabsichtigt die Bundesregierung den Maiswurzelbohrer in vom Befall am stärksten bedrohten Gebieten nach dem Vorbild der Schweiz (FAZ 2. Oktober 2007) durch einen Verzicht auf den Anbau von Mais zu bekämpfen, und wenn nein, warum nicht?

Anbaupausen (einmal Mais in drei Jahren) bzw. ein zweijähriges Anbauverbot von Mais in der Befallszone sind Bestandteil der deutschen Leitlinie zur Ausrottung im Falle einer Einschleppung in der Bundesrepublik Deutschland. Für die Sicherheitszone ist die Fruchtfolge als Option vorgegeben. Dies entspricht den gemeinschaftlich harmonisierten Regelungen.
Die generelle Umstellung des intensiven Maisanbaus auf eine Fruchtfolge mit Anbaupausen nach dem Vorbild der Schweiz ist kurz- und mittelfristig vermutlich nicht möglich. In einigen Regionen ist der Maisanbau ökonomisch nur mit sehr hohem finanziellen Aufwand durch andere Kulturen ersetzbar. Dies gilt u. a. für Biogasanlagen, wo hohe Investitionen getätigt wurden und lange Vertragsbindungen mit den Landwirten bestehen. Im Rheingraben oder im Überschwemmungsgebiet der Rott wird durch Mais ein deutlicher Mehrertrag z. B. gegenüber Weizen erzielt. Zudem befinden sich im Rheingraben in Baden- Württemberg traditionsreiche, anerkannte Maissaatzuchtbetriebe, die hohe Investitionen getätigt haben und vertraglich gebunden sind.

Im Übrigen ordnet nicht die Bundesregierung, sondern die Länder die konkreten Maßnamen an, was die Wahl zwischen Fruchtfolge oder Pflanzenschutzmittelorientierter Strategie einschließt.

12. Setzt sich die Bundesregierung für die Zulassung von Bt-Maissorten für den Anbau in Europa ein, die gegen den Maiswurzelbohrer resistent sind und die sich in den USA bereits bewährt haben, und wenn nein, warum nicht?

Gegenwärtig ist in der EU keine Maissorte mit einer gentechnisch eingefügten Resistenz gegen den Westlichen Maiswurzelbohrer (Bt-Maissorte) zum Anbau zugelassen.
Die Bundesregierung wendet auf jeden Antrag auf Zulassung des Inverkehrbringens eines gentechnisch veränderten Organismus die in der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 über genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel, in der Richtlinie 2001/18/EG über die absichtliche Freisetzung genetisch verän- derter Organismen in die Umwelt, im EG-Gentechnik-Durchführungsgesetz (EGGenTDurchfG) sowie im Gentechnikgesetz vorgesehene Einzelfallprüfung an und macht ihre Positionierung vom Ergebnis dieser Prüfung abhängig. Im Rahmen dieser Prüfung werden die Auswirkungen von Bt-Maislinien, die gegen den Maiswurzelbohrer resistent sind, auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit beurteilt.
Auch die konventionelle Pflanzenzüchtung sucht nach Lösungen. Ab ca. 2010 wird für die Bundesrepublik Deutschland mit ersten konventionell gezüchteten Maishybriden mit hoher Maiswurzelbohrerresistenz gerechnet. Es ist davon aus- zugehen, dass solche Sorten die Vorteile einer optimalen Anpassung an hiesige klimatische Bedingungen und einer auf mehreren Genen beruhenden und damit stabilen Maiswurzelbohrerresistenz in sich vereinen werden.

13. Auf wie viel Hektar in welchen Bundesländern wurden in Deutschland in den letzten fünf Jahren Speisekartoffeln und auf wie viel Hektar Stärke- kartoffeln angebaut, und wie groß war der Anteil der Anbaufläche der auf Grund des Befalls mit der Krautfäule (Phytophthora infestans) mit Pflan- zenschutzmitteln behandelt werden musste, wie groß waren die Ertrags- verluste?

In der Bundesrepublik Deutschland wurden im Durchschnitt der letzten fünf Jahre auf 111 720 ha Speisekartoffeln und auf 92 320 ha Stärkekartoffeln angebaut (Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesverband Deutscher Stärkekartoffel- erzeuger e. V.).

Es kann davon ausgegangen werden, dass ca. 90 bis 100 Prozent der Kartoffelanbaufläche mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel muss vorbeugend behandelt werden. Um die Bekämpfung der Krankheit effektiv zu gestalten, kommen Prognosemodelle zum Einsatz. Bei sachgerechtem Pflanzenschutzmitteleinsatz liegen die Ertragsverluste im Durchschnitt bei 5 Prozent. Sofern keine gezielte Fungizidanwendung erfolgt, muss insbesondere in Abhängigkeit von der Witterung und dem dementsprechenden Befallsverlauf mit Ertragsdifferenzen von ca. 30 bis zu 60 Prozent gerechnet werden.

14. Auf wie viel Hektar wurden in den letzten fünf Jahren Kartoffeln im Ökolandbau angebaut, wie groß war die Befallsrate mit der Krautfäule, und welche Bekämpfungsmaßnahmen stehen im Ökolandbau zur Bekämpfung der Krautfäule zur Verfügung?

Die Biokartoffelanbaufläche in der Bundesrepublik Deutschland betrug im Durchschnitt der letzten fünf Jahre 6 560 ha, Tendenz steigend.

Die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel trat in nahezu allen Ökokartoffelbeständen mit deutlich unterschiedlicher Intensität auf. Neben der Sortenwahl stehen als Bekämpfungsmaßnahme den ökologisch wirtschaftenden Landwirten ein Kupfermittel zur Verfügung (Cuprozin Flüssig) und diverse Pflanzenstärkungsmittel, die für die Kultur gelistet sind. Zudem werden prophylaktische Maßnahmen wie die Auswahl gesunder Knollen gering anfälliger Sorten, Vorkeimen, Vernichten von Erstbefallsherden etc. zur Eindämmung des Befalls genutzt.

15. Wie bewertet die Bundesregierung den Einsatz von Kupferpräparaten zur Bekämpfung der Krautfäule aus ökologischer Sicht?

Die Anwendung kupferhaltiger Pflanzenschutzmittel ist nach der EG-Öko-Verordnung nur erlaubt, wenn die Notwendigkeit von der Kontrollstelle oder -behörde anerkannt ist. Die EG-Öko-Verordnung verfolgt hinsichtlich der Aufwandmenge von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln eine Minimierungsstrategie. Die nach der Verordnung zulässigen Aufwandmengen werden in der Praxis häufig unterschritten.

In der Bundesrepublik Deutschland zugelassene kupferhaltige Pflanzenschutzmittel unterliegen zudem den strengen Zulassungsvoraussetzungen nach dem Pflanzenschutzrecht. Sie dürfen in den zugelassenen Aufwandmengen grundsätzlich sowohl im ökologischen Landbau als auch im konventionellen Anbau angewandt werden. Eine abschließende Risikobewertung im Rahmen der laufenden EU-Wirkstoffprüfung steht noch aus; im nationalen Zulassungsverfahren sind derzeit noch Studien zur weiteren Verfeinerung der Risikobewertung nachgefordert worden.

Mit dem Ziel, die Anwendung kupferhaltiger Pflanzenschutzmittel weiter zu reduzieren, fördert die Bundesregierung im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) verschiedene Forschungsvorhaben.

16. Wie bewertet die Bundesregierung den Anbau von transgenen Kartoffelsorten, die gegen Phytophthora resistent sind?

Eine rassenunspezifische, dauerhafte Resistenz gegen Phytophthora infestans wäre im Hinblick auf die Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln im Kartoffelbau ein wesentlicher Beitrag zum Integrierten Pflanzenschutz. Transgene Kartoffeln, die mit dem Ziel

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema