Ernährung

Montag, 2. Juni 2008
Stellungnahme zum gegenwärtigen Lieferboykott der Milchbauern

 

Stellungnahme der Agrarexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan, zum gegenwärtigen Lieferboykott der Milchbauern:

Die FDP hat großes Verständnis für die Sorgen der heimischen Milchbauern. Nach einem kurzen Anstieg der Milchpreise im Herbst gefährden die erst im Frühjahr zwischen Molkereien und dem Handel ausgehandelten Preise die Existenz der Milch produzierenden Betriebe. Vielen einzelnen kleinen, oftmals genossenschaftlich organisierten Molkereien stehen wenige Handelskonzerne mit ungeheurer Marktmacht gegenüber. Ursache für die Not der Milchbauern sind zum einen die Überproduktion in Deutschland, die nur bei gestiegener Nachfrage höhere Preise möglich werden lässt und weiter die drastisch gestiegenen Energie- und Futtermittelpreise.

Die FDP setzt sich für eine wettbewerbsfähige Milchwirtschaft in Deutschland ein und steht voll hinter den Milchbauern. Die Forderung der Milchbauern nach höheren Preisen ist angesichts ihres Kostendrucks berechtigt, aber nur schwer durchsetzbar. Die Rahmenbedingungen für die deutschen Milchbauern müssen verbessert werden. Das gilt insbesondere für eine Entlastung bei den dramatisch hohen Energiekosten (Ökosteuer und Agrardiesel) und den Futtermittelkosten. Appelle des Bundeslandwirtschaftsministers sind hilflose Ablenkungsmanöver und offenbaren die eigene Ohnmacht und Ideenlosigkeit.

Das massenhafte Vernichten von Milch ist nicht vertretbar. In einer Zeit von Lebensmittelknappheit in vielen armen Ländern, weltweit hungern mehr als 850 Millionen Menschen, ist das Vernichten des hochwertigen Lebensmittels Milch ethisch zweifelhaft. Insbesondere eine christlich-soziale Partei wie die CSU und deren Bundeslandwirtschaftsminister sollten diese ethisch-moralischen Bedenken nicht ihrer Parteipolitik opfern. Die inzwischen berichteten Milchanlieferungen aus dem Ausland lassen befürchten, dass der Lieferboykott die Stellung der Milchbauern weiter verschlechtert.

FDP-Forderungen:
1. Entlastungen bei der Ökosteuer (jährliche Belastung 500 Millionen Euro) und beim Agrardiesel (Deutschland liegt mit einer durchschnittlichen Steuer von 40 Cent je Liter Agrardiesel europaweit vorn, Nachbarländer wie Frankreich haben die Besteuerung weitgehend abgeschafft).

2. Verbesserung der Importmöglichkeiten für gentechnisch veränderte Futtermittel. Bei Eiweißfuttermitteln sind die Preise explodiert, so hat sich der Preis für Rapsschrot auf 240 Euro je Tonne in 2008 verdoppelt.

3. Die Milchbauern müssen gemeinsam mit den Molkereien ihre Angebotsstrukturen verbessern. In Deutschland stehen mehr als 100 Molkereien eine handvoll Handelsunternehmen gegenüber. So sind keine vernünftigen Preise durchzusetzen. Hier sind die Hausaufgaben noch nicht gemacht worden.

4. Die Milchquote muss zum 31.03.2015 auslaufen. Die Quote hat seit ihrer Einführung (1984) das Höfesterben nicht verhindert, keine kostendeckenden Preise gebracht, aber die Möglichkeiten der Landwirte eingeschränkt, am Weltmarkt teilzuhaben.

 

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema