Grüne Gentechnik

Mittwoch, 9. April 2008
Leserbrief zum Beitrag von Christiane Grefe "Das Weltsättigungsprojekt" in der ZEIT 15/2008

 

Nicht der bekannte Paläoanthropologe Richard Leakey, wie der Artikel suggeriert, sondern der Agrarökologe Prof. Roger Leakey ist koordinierender Hauptautor des „Global Report“ der bis zum 15. April in Johannesburg tagenden IAASTD (International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development). Leider ist dies nicht die einzige Schwäche des Artikels.

Die IAASTD wurde 2001 von der Weltbank und der FAO (Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der UNO) initiiert. Das wird nicht erwähnt, auch nicht, dass die FAO seit 1945 die weltweite Ernährungssituation verfolgt und aus dieser Kenntnis heraus Empfehlungen gibt. Sie hat 2006 eine Pflanzenzuchtinitiative gegründet und den Welternährungstag 2006 unter das Motto gestellt: „Investiert in die Landwirtschaft für die Ernährungssicherung - Die ganze Welt wird davon profitieren“. Da ist die Forderung im Artikel es „müssten Wissenschaftler auf lokaler Ebene ganz unterschiedliche Lösungen für die Bauern finden“ doch etwas klein gestrickt. Was ist mit der „lokalen Ebene“ gemeint? Eine Weizensorte pro Landkreis? Es zeugt von Verantwortungslosigkeit, die überragende Bedeutung von Reis, Mais und Weizen für die Welternährung in Frage zu stellen. Unternehmen, die ihre Forschung von ihren Gewinnen finanzieren, bearbeiten nur die Kulturpflanzen, die später einen Gewinn erwarten lassen. Wer andere Arten bearbeitet wissen will, muss öffentliche Mittel zu Verfügung stellen.

„Schon jetzt müssen rund 800 Millionen Menschen hungern (…).“ Nicht „schon jetzt“ sondern „immer noch“ müsste es heißen. In 2006 waren es laut FAO sogar 864 Millionen Menschen, etwa 17% der Weltbevölkerung. Das sind zu viele, aber vor der Grünen Revolution, die durch Züchtungsfortschritt und Verbesserung der Anbaumethoden eine immense Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität bewirkt hat, war es die Hälfte der Weltbevölkerung. Die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion belastet regional die Umwelt, doch wer will heute, bei einer Weltbevölkerung von über 6 Milliarden Menschen, zu den Methoden von 1950 zurückkehren, als auf unserer Erde gerade einmal die Hälfte der damals nur zwei Milliarden Menschen ausreichend Nahrung hatte?

Es erstaunt, dass zwar eine weitgehend unbekannte Agrarökologin zu Wort kommt, aber niemand von der FAO, dem Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn oder vom Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln, um drei fachkompetente Einrichtungen in diesem Themenfeld zu nennen. Auch dadurch erinnert der Beitrag ein bisschen an einen Artikel in einem Szeneblättchen. Er ist schlecht recherchiert, der Informationsgehalt ist gering, dem Anspruch an eine Wochenzeitung, die in vielen Bereichen zu recht Meinungsführerschaft für sich beansprucht, wird er fachlich nicht gerecht.

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