Fischerei

Montag, 17. Januar 2005
Antwort auf die Kleine Anfrage 'Entwicklung der Aquakultur des Störs für die wirtschaftliche Nutzung und zur Wiedereinbürgerung von heimischen Stören in Deutschland'

Deutscher Bundestag Drucksache 15/4650

15. Wahlperiode 17. 01. 2005



Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft vom 12. Januar 2005 übermittelt. Die Drucksache enthält zusätzlich den Fragetext.



Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, Hans-Michael Goldmann, Dr. Karl Addicks, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP

- Drucksache 15/4443 -



Entwicklung der Aquakultur des Störs für die wirtschaftliche Nutzung und zur Wiedereinbürgerung von heimischen Stören in Deutschland



V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r



Der Stör (Gattung Acipenseridae) ist ein lebendes Fossil. Seine prähistorischen Spuren reichen 200 Mio. Jahre zurück bis in die Zeit der Dinosaurier. Der Stör ist ein anadromer Wanderfisch, der zum Laichen bis weit in die Flüsse aufsteigt, wo er in stark strömendemWasser auf kiesig-steinigem Grund seine Eier

ablegt. Jedes Weibchen legt zwischen 1 000 000 und 2 500 000 kleine, dunkelgraue, klebrige Eier, die im unbefruchteten Stadium als 'Kaviar' Berühmtheit erlangt haben. Aus den befruchteten Eiern schlüpfen nach etwa 10 Tagen die Jungstöre, die in die Meere wandern. Nach ca. 10 bis 20 Jahren kommen die

geschlechtsreifen Tiere in die Flüsse zurück, um zu laichen. Der europäische Stör erreicht ein Alter von über 60 Jahren und eine Größe von über 4 m. Von den weltweit 27 Arten sind heute alle gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Der Stör war bis Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil der Lebensgemeinschaft der Flüsse Norddeutschlands und ein wichtiger Wirtschaftsfisch, von dem jährlich zwischen 4 000 und 6 000 erwachsene Tiere angelandet wurden. Durch die umfassende Umweltverschmutzung und Gewässerverbauung

infolge der industriellen Revolution wurden die Lebensgrundlagen des Störs weitgehend zerstört. Drastische Überfischung besiegelte das Schicksal der Art bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In Deutschland wurde der letzte Störbestand bis 1969 in der Eider (Schleswig-Holstein) beobachtet. Seitdem

gilt die Art als verschollen oder ausgestorben.

Der Stör ist infolge dieser Entwicklung für ca. 50 Jahre aus dem Bewusstsein der Menschen und von ihrer Speisekarte verschwunden. Vereinzelte Importe aus den Erzeugerländern des Kaviars haben bis in die 1990er Jahre daran nichts geändert. Erste Bemühungen einer zunehmenden Verbreitung von Störfleisch,

das grätenfrei und von feiner Struktur ideal für die Nutzung in der Küche und für die Räucherei ist, gehen auf die Intensivierung der Fischzucht mit verschiedenen Störarten in jüngster Zeit zurück.

Die Entwicklung der Aquakultur mit dem Stör ist in Deutschland in den letzten Jahren vor allem durch die geplante Kaviarproduktion in die öffentliche Diskussion geraten (z. B. Caviar Creator, Demmin). Es hat die Akzeptanz dieser Fischereitechnik behindert, dass für diese Produktion bislang vor allem nicht

heimische Störarten genutzt wurden. Insbesondere vor dem Hintergrund der derzeit laufenden Bemühungen zur Wiedereinbürgerung des Störs in Deutschland stellt sich hier die Frage nach einer nachhaltigen Entwicklung der Aquakultur und möglicher Synergismen zwischen Bemühungen zur Wiedereinbürgerung

und der wirtschaftlichen Nutzung des Störs.



1. Wie beurteilt die Bundesregierung die Situation der Störbestände weltweit und die Chancen für ihre Erhaltung, die Wiederansiedlung von Stören in Flüssen, in denen der Stör im letzten Jahrhundert ausgestorben ist?



Es gibt weltweit 27 Störarten, die vor allem in Asien und in geringerer Zahl in Nordamerika und Europa vorkommen. Knapp 90 % von ihnen unterliegen einem Gefährdungsstatus nach der Roten Liste derWeltnaturschutzorganisation (IUCN). Für einige Arten, z. B. im Kaspischen Meer hat sich die Bestandssituation

in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Die Erhaltungssituation der Störe wird weltweit, insbesondere bei den kommerziell genutzten Arten, als bedrohlich eingeschätzt. Schwarzfischerei und Verlust des Lebensraums haben einzelne Populationen bereits an den Rand des Aussterbens

gebracht.

Die Bundesregierung hat deshalb 1997 die Aufnahme von 23 gefährdeten Störarten in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) mit Erfolg beantragt. Durch die internationale Kontrolle und Regulierung von Exporten kann zumindest der Handel mit den gefährdeten Arten eingeschränkt

und so ein Teil des Drucks von den Beständen genommen werden. Ferner hat die Bundesregierung 1999 die Aufnahme von 18 grenzüberschreitend wandernden Störarten in Anhang II des Übereinkommens zum Schutz wandernder wild lebender Tierarten (Bonner Konvention, CMS) erfolgreich beantragt. Damit

steht den Arealstaaten der einzelnen Störarten eine geeignete internationale Plattform für die regionale Koordinierung der Erhaltungsbemühungen zur Verfügung. Die Wiederansiedlung des Störs in seinem ehemaligen Verbreitungsgebiet in Deutschland und Europa wird seit 1996 durch verschiedene sich ergänzende

Maßnahmen des BMU und des BMBF sowie verschiedener Länderinstitutionen (u. a. Landesforschung Mecklenburg-Vorpommern) unterstützt. Eine wichtige Rolle spielen dabei das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin am Müggelsee und die Gesellschaft zur Rettung des

Störs e. V.

Das IGB, das vom Bund (BMBF) und dem Land Berlin hälftig finanziert wird, beherbergt einen Bestand von 18 Jungstören (Acipenser sturio), der dem Ziel der Wiedereinbürgerungsprogramme dient. Für den Neubau einer Aquarienhalle am IGB, an deren Finanzierung sich auch die EU beteiligt, wurde am

23. Dezember 2004 der Grundstein gelegt. Durch diese neue Halle mit neun modernen, umweltfreundlichen Kreislaufanlagen zur Fischhaltung werden auch die Bedingungen für die Aufzucht und Erforschung der Jungstöre langfristig verbessert und gesichert.

Darüber hinaus fördert die Bundesregierung (BMBF) 'Untersuchungen zur Ö

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