Grüne Gentechnik

Freitag, 17. Dezember 2004
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage 'Natürlich in der Milch vorkommende Nucleotidsequenzen'

Deutscher Bundestag Drucksache 15/4572

15. Wahlperiode 17. 12. 2004



Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft vom 15. Dezember 2004 übermittelt. Die Drucksache enthält zusätzlich den Fragetext.



Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, Daniel Bahr (Münster), Rainer Brüderle, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP

- Drucksache 15/4447 -



Natürlich in der Milch vorkommende Nucleotidsequenzen



V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r



Nach der gegenwärtig geltenden Gesetzgebung der EU besteht keine Verpflichtung, Milch- und Fleischprodukte von Tieren zu kennzeichnen, die mit Futtermitteln gefüttert wurden, die von gentechnisch veränderten Pflanzen stammen. In Beantwortung der Kleinen Anfrage der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP 'Bt-Präparate und Bt-Mais, zwei vergleichbare Anwendungen desselben Wirkstoffprinzips' (Bundestagsdrucksache 15/2712) hat die Bundesregierung festgestellt: 'Für bestehende Zulassungen ist festzustellen, dass kein signifikanter Unterschied in den Inhaltsstoffen und der Qualität von Lebensmitteln tierischer Herkunft erkennbar war, wenn Futtermittel aus transgenen Pflanzen im Vergleich zu isogenen Pflanzen verabreicht wurden.' Es hat im Sommer eine Diskussion über eine Untersuchung von Milch-Proben eines hessischen Landwirts der TUWeihenstephan gegeben, der transgene Pflanzen an seine Kühe verfüttert hatte. Prof. Heinrich H. D. Meyer von der TUWeihenstephan hatte dazu festgestellt: 'Eine Veröffentlichung (dieser Ergebnisse) war ausgeschlossen, da die gesamte Qualitätssicherung bei Milchgewinnung, Probennahme, Aufbewahrung und Transport nicht den erforderlichen Standards für die Spurenanalytik entsprach.'



1. Welche wissenschaftlichen Kenntnisse gibt es über das Vorhandensein von Nucleotidsequenzen ('Genschnipsel') aus den an die Kühe verfütterten Pflanzen in der Milch?



Die bisher veröffentlichten Untersuchungen zum Vorkommen pflanzlicher Nukleinsäure in Milch betreffen vor allem den Übergang der DNS aus transgenen sowie nicht gentechnisch veränderten Futterpflanzen. Kleine Bruchstücke der DNS der Chloroplasten von Pflanzenzellen wurden in Milch nachgewiesen, transgene oder chromosomale nicht gentechnisch veränderte Nukleinsäure bisher nicht. Die relevanten Publikationen zu der Thematik sowie die Kernaussagen sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:



2. Trifft es zu, dass Nucleotidsequenzen aus dem von der Kuh gefressenen Futter natürliche Bestandteile von Milch sind und nur mit spurenanalytischen Methoden nachweisbar sind?



Zum Nachweis der Nukleotidsequenzen wurde die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) verwendet, die eine hohe Nachweisempfindlichkeit hat. Auf welchem Wege die damit in der Milch nachgewiesenen DNS-Bruchstücke dorthin gelangten, ist bisher nicht abschließend geklärt. Denkbar sind ein Übertritt aus dem Verdauungstrakt in die Blutbahn und von dort in die Milch oder eine Kontamination der Milch über Stäube in der Stallluft während des Melkvorgangs. In welchem Umfang derartige Einträge erfolgen, ist nicht bekannt, sodass eine gesicherte Aussage dazu, ob das Vorkommen von Pflanzen-DNS in Milch natürlich sei, zurzeit nicht möglich ist.



3. Sind die Nucleotidsequenzen einsträngig oder zweisträngig, werden sowohl RNS- wie auch DNS-Sequenzen gefunden, wie viele Basen beziehungsweise Basenpaare umfassen die Sequenzen, stammen sie aus dem Zellkern der Futterpflanzen, aus den Chloroplasten, aus den Mitochondrien?



Zur Frage, in welcher Form die nachgewiesenen Nukleinsäuren vorliegen, gibt es keine Untersuchungen. Es darf jedoch mit einiger Sicherheit davon ausgegangen werden, dass es sich um doppelsträngige DNS handelt, denn RNS ist aufgrund des ubiquitären Vorkommens von RNS-abbauenden Enzymen (RNasen) gemeinhin zu instabil, und Pflanzen-DNS liegt grundsätzlich doppelsträngig vor, was auch für die Abbauprodukte gelten dürfte. Bei der Bestimmung der Größe der nachgewiesenen Nukleinsäuren muss die Art des Nachweises berücksichtigt werden. Durch die spezifische PCR wird bestimmt, ob sich ein DNS-Bereich einer bestimmten Größe noch amplifizieren lässt oder nicht. Von der aus Milch isolierten DNS konnte in wenigen Fällen ein 850 Basenpaare großer Abschnitt des Gens für die Ribulose-1,5-Bisphosphate Carboxylase amplifiziert werden. Ein 1 176 Basenpaare großer Bereich konnte nicht mehr nachgewiesen werden (Phipps et al., 2003). Bereiche des Gens von 500 Basenpaaren und kleiner ließen sich in mehr als der Hälfte der getesteten Milchproben nachweisen (Phipps et al., 2003; Nemeth et al., 2004). Ähnliche Ergebnisse erzielten Einspanier et al. (2001) auf der Grundlage einer anderen Sequenz der Chloroplasten-DNS. In den Fällen, in denen Pflanzen-DNS in Milch nachgewiesen wurde, wurde solche aus Chloroplasten nachgewiesen.



4. Sind Proben, wie sie im Rahmen der üblichen Milchkontrolluntersuchungen gezogen werden, für spurenanalytische Untersuchungen von Nucleotiden in der Milch geeignet, und wenn nein, warum nicht?



Zum Nachweis von Oligonukleotiden oder Nukleinsäurefragmenten ist, solange es keine Rolle spielt, wie die nachzuweisende Nukleinsäure in die Proben gelangt ist, grundsätzlich jede Milchprobe geeignet. Für speziellere Fragestellungen sind Proben erforderlich, die unter dafür geeigneten Bedingungen gezogen, aufbewahrt und weiterverarbeitet wurden.



5. Wie hoch ist der Gehalt der Milch an Nucleotidsequenzen?



Nemeth et al. (2004) haben den DNS-Gehalt von Milch mit etwa zwei Mikrogramm pro Milliliter bestimmt.



6. Wie wahrscheinlich ist es, dass bei solchen Untersuchungen gerade Teile der Sequenz gefunden werden, die mit einem gentechnischen Verfahren in das Genom eingefügt wurden?



In den genannten Untersuchungen wurden Futtermittel eingesetzt, deren Zusammensetzung bzw. Gehalt an gentechnisch veränderten Futterpflanzen genau bekannt waren. Durch die verwendeten PCR-Verfahren war sichergestellt, dass die Sequenzen nachgewiesen wurden, die für die gentechnische Veränderung charakteristisch sind. Die eingesetzten PCR-Verfahren zum Nachweis der spezifischen Sequenzen waren validiert und hinsichtlich ihrer Nachweisgrenzen charakterisiert.



7. Trifft es zu, dass die Nucleotidsequenzen in der Milch genauso wie vollständige Gene in Nahrungsmitteln beimVerzehr von Milch und Milchprodukten natürlicherweise verdaut werden und keine weitere biologischeWirksamkeit entfalten?



Der Bundesregierung sind keine Untersuchungen bekannt, die exakt diese Frage behandeln.

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