Schleswig-Holstein

Dienstag, 15. Januar 2008
Leserbrief zum Leserbrief von Klaus Gebhard 'Im Körper jeder Schuss zum Treffer' in der FAZ vom 7. Januar 2008

Es ist völlig richtig, dass bei der Bewertung der biologischen Wirksamkeit radioaktiver Strahlung unterschieden werden muss, wie viel Strahlungsenergie vom Körper aufgenommen wird. Die biologische Wirkung ionisierender Strahlung beruht auf der Absorption von Strahlungsenergie auf das Gewebe. Verschiedene Strahlungsarten (Röntgen-, Gamma-, Teilchenstrahlung) können bei gleicher Energiemenge unterschiedliche biologische Wirkungen haben. Die Berechnung der effektiven Äquivalentdosis berücksichtigt die unterschiedliche biologische Wirksamkeit der jeweiligen Strahlung. Die Maßeinheit der effektiven Äquivalentdosis ist das Sievert (Sv). Die Äquivalentdosis errechnet sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Wichtungsfaktor. Die Energiedosis ist die Energiemenge, die von einer bestimmten Masse durch Absorption der Strahlung aufgenommen wird. Maßeinheit ist das Gray, 1 Gray = 1 Joule pro Kilogramm. Der Wichtungsfaktor berücksichtigt die biologische Wirksamkeit. In den Daten zur Umwelt des Umweltbundesamtes werden zur effektiven Äquivalentdosis in Deutschland folgende Angaben gemacht: Mittlere effektive Äquivalentdosis in Deutschland 1995: Natur: Inhalation von Radon-Folgeprodukten ca. 1,4 mSv Terrestrische und kosmische Strahlung ca. 0,7 mSv Essen von natürlichen radioaktiven Stoffen ca. 0,3 mSv Zivilisation: Anwendung ionisierender Strahlen in der Medizin ca. 1,5 mSv Tschernobylunfall ca. 0,02 mSv Fallout aus Kernwaffenversuchen ca. 0,01 mSv Kerntechnische Anlagen ca. 0,01 mSv Weitere zivilisatorische Quellen sind der Betrieb von Kohlekraftwerken, Flüge und das Rauchen. Die Annahme von Herrn Gebhard, dass irgendjemand die unterschiedliche biologische Wirksamkeit radioaktiver Strahlung verschweigt, ist falsch. Im Gegenteil, dies ist gesicherte und vielfach beschriebene Erkenntnis. Das überraschende Ergebnis der Kinderkrebsstudie sollte zur Folge haben, dass die Erforschung der Ursachen von Kinderleukämie sich nicht weiter auf die Radioaktivität als einen auslösenden Faktor beschränkt, sondern anderen Hinweisen nachgeht. Eine große Britische Studie fand heraus, dass Kinder, die ihre ersten Lebensmonate in einer Kindertagesstätte verbrachten, ein geringeres Risiko hatten, an Leukämie zu erkranken als Kinder die zuhause aufwuchsen. 1737 Familien, in denen ein Kind an Leukämie erkrankt war, wurden verglichen mit 7629 Familien, in denen die Krankheit nicht aufgetreten war. Kinder, die in den ersten Lebensmonaten zweimal wöchentlich in einer Kindertagesstätte untergebracht wurden, erkrankten nur halb so oft an Leukämie wie Kinder, die in diesem Zeitraum ohne soziale Kontakte mit Gleichaltrigen geblieben waren. Die britische Studie wird bestätigt durch die Beobachtung, dass in der früheren DDR Leukämie seltener aufgetreten ist als in der Bundesrepublik. Die Kinderbetreuung in Kindertagesstätten, der frühe intensive Kontakt mit Gleichaltrigen und die vermehrten Infektionen könnten dafür die Ursache sein. (Berliner Morgenpost, 8. Mai 2005, http://aerzteblatt.lnsdata.de/pdf/95/27/a1740-2.pdf). -Abgedruckt in der FAZ vom 30.01.2008-

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