Ernährung

Montag, 13. Juli 2009
Brustkrebs: Früherkennung hilft Leben retten

43 000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Brustkrebs, etwa 19 000 sterben daran. 1999 starben allein in Schleswig-Holstein an Brustkrebs 638 Frauen, darunter 80 Frauen, die jünger als 50 Jahre waren. 1.682 Frauen erkrankten neu an Brustkrebs. Die Dunkelziffer ist hoch, denn nur zwischen 60 und 70% der Erkrankungen werden von den Ärzten an die Registerstelle des Krebsregisters gemeldet.

Das rechtzeitige Erkennen des Tumors ist die beste Möglichkeit, den Brustkrebs zu bekämpfen. Doch nur knapp 40% der Tumoren wurden in einem frühen Stadium entdeckt, waren kleiner als 2 cm im Durchmesser. Aber fast 20 % waren größer als 5 cm. Nach Aussagen von Ärzten entdecken etwa 80% der Frauen mit Brustkrebs ihren Tumor selbst. Das Fingerspitzengefühl der Frau, die sich selbst untersucht, hat zur Zeit die größte Bedeutung bei der Früherkennung dieser Krankheit. Und genau darin liegt das Dilemma.

Der Tumor muss eine gewisse Größe erreicht haben, damit er ertastet werden kann. Im Frühstadium werden Tumoren, die leicht zu operieren sind und die zumeist noch keine Metastasen ausgebildet haben, am besten durch eine Mammographie erfasst. Doch die Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Mammographie nur, wenn Symptome darauf hindeuten, dass sich bereits ein Tumor gebildet hat, er zum Beispiel ertastet werden kann, es alsooftmals zu spät ist für eine schonende Behandlung. Die Krankenkassen haben diese Vorgehensweise eingeführt, nachdem eine Studie aus den Niederlanden nahezulegen schien, dass mammographische Untersuchungen keinen Beitrag zur Senkung der Sterblichkeit von Frauen bei Brustkrebs leisteten. Die Studie wurde widerlegt.



Die Deutsche Gesellschaft für Senologie (Lehre von den Krankheiten der Brust) hat in ihrer Konsens-Erklärung vom Februar 2000 die Mammographie als einzige für die Erkennung von Brustkrebsvorstufen als wirksam anerkannte Methode herausgestellt. Die Gesellschaft fordert, dass bei allen Frauen zwischen dem 50. und dem 70. Lebensjahr im Abstand von zwei Jahren eine Mammographie durchgeführt werden sollte. Die Deutsche Gesellschaft für Strahlenschutz hat dieses Vorgehen ausdrücklich befürwortet. Experten schätzen, dass 3- bis 4 000 Todesfälle durch bessere Früherkennung vermieden werden könnten. Trotzdem bewegt sich praktisch nichts. Der Bundesrat hat resigniert festgestellt, dass entsprechend der Unterrichtung durch die Bundesregierung auf absehbare Zeit keine nachhaltige Verbesserung bei der Brustkrebsfrüherkennung erzielt werden könne.

Gleichzeitig fordert der Bundesrat die Bundesregierung auf, ein Konzept vorzulegen, mit welchem wirksame Qualitätsverbesserungen erzielt werden können. Solche Konzepte gibt es bereits. Das Modellvorhaben 'Qualitätsgesicherte Mammographie', das die Krankenkassen in den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde und den kreisfreien Städten Kiel und Neumünster durchführen, ist ein solches Konzept: Die Mammographie wird mit Röntgengeräten erstellt, die dem EU-Standard entsprechen, sie wird von zwei Ärzten oder Ärztinnen befundet und bei Zweifeln wird die Expertenmeinung aus dem Universitätsklinikum Kiel hinzugezogen. Frauen können ohne Altersbegrenzung am Projekt teilnehmen. Genau das brauchen alle Frauen. Es ist offensichtlich, dass die Fehlerquellen der gängigen Praxis der Brustkrebsfrüherkennung bekannt sind.



Doch warum kommen diese Erkenntnisse nur wenigen Frauen zugute? Wird nicht am falschen Ende gespart? Das Modellprojekt kostet pro Jahr 1,25 Mio. Euro. Für eine Reparaturmaßnahme wie den Zahnersatz geben die Krankenkassen 400 Mio. Euro aus, viel Geld, wenn man bedenkt, dass besseres Zähneputzen diese Ausgabe vermeiden könnte. Für die Früherkennung von Brustkrebs sollen dagegen die erforderlichen 80 Mio. nicht zur Verfügung stehen? Verkehrte Welt.



Die Verbesserung der Früherkennung von Krankheiten wie Brustkrebs hilft Thearpiekosten zu senken und vermeidet menschliches Leid. Früh entdeckte Tumore sind einfacher zu behandeln als spät gefundene Tumore, eine verbesserte Diagnostik vermindert die Zahl der falsch-positiven Befunde. Eine verbesserte Früherkennung ist zur Zeit der einzige Weg, Frauen einen frühen Tod durch Brustkrebs zu ersparen.

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