NaWaRo / Wald | Reden

Donnerstag, 23. Oktober 2003
Rede im Bundestag zum Waldzustandsbericht 2002

Rede vom 23.10.2003 von Dr. Christel Happach-Kasan (FDP):



Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Der Waldzustandsbericht des Jahres 2002 ist kein Anlass zum Jubeln; das haben meine Vorredner bereits deutlich gemacht. Auch wenn den meisten Spaziergängern der Unterschied zwischen einem geschädigten und einem gesunden Baum nicht sofort auffällt, Fachleute sehen ihn. Auch wenn geschädigte Bäume nur schwer zu erkennen sind, der Zusammenbruch eines Waldes bietet ein dramatisches Bild. Es sind Wälder im Harz und im Erzgebirge gestorben. Deren Anblick tut weh; aber in Deutschland ist der Wald ? anders, als es der Begriff ?Waldsterben? vor Jahrzehnten nahe legte ? nicht gestorben. Die Schäden beruhen wesentlich auf den Schadstoffeinträgen aus der Luft. Im Zeitraum von 1990 bis 2000 gingen die Einträge von Schwefeldioxid um 85 Prozent, von Stickstoffdioxid um 41 Prozent und von Ammoniak um 19 Prozent zurück. Daran zeigt sich, dass die christlich- liberale Regierung erfolgreich war. (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



An diese Erfolgsgeschichte kann Rot-Grün leider nicht anknüpfen. Die Erfolge im Bereich der Minderung der Einträge von Stickoxiden und Ammoniak sind noch lange nicht zufriedenstellend. Es ist bekannt, dass die Stickoxidemissionen aus dem Verkehr stammen, die Ammoniakeinträge aus der Landwirtschaft; dies ist hier gesagt worden. Seltsam ist, dass der Bericht der Minderung der Einträge aus der Landwirtschaft zweieinhalb Seiten widmet, der Minderung der sehr viel höheren Einträge aus dem Verkehr aber noch nicht einmal eine Spalte. Angesichts dessen muss der Eindruck entstehen, dass der Schutz der Böden vor Schadstoffeinträgen für die Bundesregierung nur eine untergeordnete Stellung einnimmt und die Kritik an der Landwirtschaft wie üblich im Vordergrund steht.

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Die Schadstoffeinträge haben die Waldböden großflächig verändert und in ihrer Funktionsfähigkeit stark beeinträchtigt. Die Säureeinträge haben zur Bodenversauerung, zur Auswaschung von Pflanzennährstoffen und gleichzeitig auch zur Belastung des Grundwassers mit Schwermetallen geführt. Diese Veränderungen sind allesamt nicht kurzfristig rückgängig zu machen. Wir werden daher noch lange im Parlament über Waldzustandsberichte diskutieren. Aber was nützen Berichte, wenn daraus keine Konsequenzen gezogen werden? Als Maßnahmen gegen die Versauerung der Waldböden empfiehlt der Bericht ausdrücklich forstliche Bodenschutzkalkungen und Kompensationsdüngungen. Dieser Empfehlung schließt sich die FDP an. (Beifall bei der FDP)



'Nichtstun gibt die Waldböden teilweise irreparablen Schäden preis und gefährdet die Nachhaltigkeit der Waldwirtschaft und die Qualität unserer Wasserresourcen', so die ehemalige Umweltministerin des Landes Rheinland-Pfalz von der SPD. Doch der Entschließungsantrag von SPD und Grünen enthält nichts zum Thema Kalkungen. Damit verfehlen Sie das eigentliche Thema und die Maßnahmen, die wir tatsächlich ergreifen müssen. Sie konzentrieren sich auf Zertifizierungen. Sie machen, wie mein Vorredner verdeutlichte, den Kleinstwaldbesitzern das Leben schwerer; Sie verhindern, dass diese Besitzer einen kleinen zusätzlichen Erwerb aus ihren Wäldern ziehen können. Das ist der falsche Weg. (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Wir müssen die vorhandenen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse umsetzen und sollten deshalb die Kalkung der Wälder stärker unterstützen. Wir wissen, dass dies wirkt. Das hat Rheinland-Pfalz in zehn Jahren deutlich bewiesen: Die Artenzahl in der Krautschicht steigt, die Regenwurmbesiedlung steigt, die Feinstwurzelintensität steigt, der Magnesiumgehalt in den Nadeln steigt, die Verminderung der Kadmiumeinträge ist eindrucksvoll, die Verminderung der Vergilbung der Fichtennadeln ebenfalls. Das ist ein Erfolgsprogramm; damit könnten wir dem Wald helfen. Die Bundesregierung ist weiterhin aufgefordert, ihre Politik der Bevormundung zu beenden und für keines der Zertifikate zu werben. Das staatliche Engagement in Bezug auf die Zertifizierung ist der falsche Politikansatz.

(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Die Menschen kennen die Forstsiegel nicht; für das Erreichen von Umweltzielen haben wir sehr viel bessere Instrumente; die Erlössituation verschlechtert sich.



Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: Frau Kollegin, schauen Sie bitte einmal auf die Uhr auf Ihrem Rednerpult!



Dr. Christel Happach-Kasan (FDP): Entschuldigung, ich bin nicht daran gewöhnt. Ich darf meinen letzten Satz formulieren: Die Koalition kündigt mit ihrer Politik die jahrhundertelange Erfolgsgeschichte der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder auf. Ich danke für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)

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