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Donnerstag, 20. Dezember 2007
HAPPACH-KASAN: Deutschland hinkt beim Artenschutz hinterher

BERLIN. Zur Beantwortung der Kleinen Anfrage Rückgang von Ackerwildkräutern in Deutschland und Nutzen von Saatgut-Genbanken für Wildpflanzen erklärt die Agrarexpertin der FDP-Bundestagsfraktion Christel HAPPACH-KASAN: Beim praktischen Artenschutz hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Daran ändert die Verabschiedung der Nationalen Biodiversitätsstrategie mit einem Umfang von 250 Seiten wenig. Während es allgemeine Praxis ist, dass vom Aussterben bedrohte Tierarten in Zoologischen Gärten auch mit dem Ziel des Erhalts der Tierart gezüchtet werden, lehnt die Bundesregierung ein entsprechendes Vorgehen zum Erhalt von vom Aussterben bedrohten Wildpflanzenarten ab. Dies ist ein Ergebnis der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage Rückgang von Ackerwildkräutern in Deutschland und Nutzen von Saatgut-Genbanken für Wildpflanzen (Drucksache 16/7090). Ein Ziel jeglicher Biodiversitätsstrategie ist es, die Vielfalt genetischer Informationen zu erhalten. Diesem Ziel dient der Natur- und Biotopschutz. Doch verschiedene Pflanzenarten sind so wie einige Tierarten, die nur noch in Zoologischen Gärten gehalten werden, nur in wenigen Exemplaren existent. Für diese Arten ist der Erhalt in Saatgut-Genbanken oder in Botanischen Gärten zwingend. Nur durch einen solchen Ex situ-Schutz außerhalb ihres Vorkommens in der Natur wird der Erhalt der Art in ausreichender innerartlicher Diversität zur Vermeidung von Inzucht gewährleistet. Dies ist Voraussetzung, um die Art in späterer Zeit in geeigneten Biotopen wieder einbürgern zu können. Ein Beispiel für eine solche extrem seltene Art ist das Galmei-Hellerkraut, das auf weniger als 10 Standorten in Deutschland vorkommt. Im Mai findet in Bonn die neunte UN Naturschutzkonferenz statt. Deutschland ist schlecht vorbereitet, denn es hat anders als andere Länder seine Hausaufgaben nicht gemacht. 1993 hat Deutschland die UN Convention on Biological Diversity (CBD) unterzeichnet. Auf der Naturschutzkonferenz von 2002 in Den Haag wurde beschlossen, dass 60 Prozent der gefährdeten Arten in botanischen Gärten oder in Saatgut-Genbanken eingebracht werden sollen, um so den Erhalt der genetischen Information sicherzustellen. Davon ist Deutschland weit entfernt. Es gibt in Deutschland keine nationale Saatgut-Genbank für Wildpflanzen. Die wenigen kleinen Genbanken wie die Loki-Schmidt-Genbank in Osnabrück haben nur regionale Bedeutung. Das Bundesamt für Naturschutz, die wissenschaftliche Fachbehörde für den Naturschutz, kümmert sich um vieles, jedoch nicht um den Artenschutz für die besonders gefährdeten Wildpflanzenarten. Die Bundesregierung lehnt Saatgut-Genbanken für Wildpflanzen ab. Die Begründung, sie wolle biologische Vielfalt in natürlichen Biotopen erhalten, lässt außer Acht, dass verschiedene Arten, die nur noch auf wenigen Quadratmeter großen Flecken vorkommen, so nicht gerettet werden können. Diese Arten sind in absehbarer Zeit verloren. Mit den Pflanzen sterben die Insektenarten aus, die auf diese Pflanzen spezialisiert sind. Anders handelt Großbritannien. Das 2000 gegründete britische Millennium Seed Bank Projekt (MSBP) hat inzwischen 180.000 Saatgutproben von Wildpflanzen in Aufbewahrung und strebt an, zehn Prozent der weltweiten vorhandenen Pflanzenarten bis 2010 aufzunehmen. Weitere positive Beispiele sind die USA, Spanien und Australien. Die Bundesregierung folgt in ihrem Handeln der aus dem 19. Jahrhundert stammenden romantisierenden Sichtweise der Natur. Die FDP fordert, dass die Bundesregierung ihre vertraglich eingegangenen Verpflichtungen einlöst, die gesamtstaatliche Verantwortung für Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt Ernst nimmt und begleitend zum flächenhaften Naturschutz durch "Ex situ"-Maßnahmen entsprechend den Ergebnissen der Florenkartierung den Schutz der vom Aussterben bedrohten Wildpflanzenarten sicher stellt.

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