NaWaRo / Wald | Reden

Donnerstag, 1. April 2004
Rede zur Stärkung des Urwaldschutz durch nachhaltige Holz- und Forstwirtschaft

Dr. Christel Happach-Kasan (FDP): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Sie hier noch ausharren! Frau Hiller-Ohm, es ist schon einzigartig, die Schweinehaltungsverordnung mit dem Urwald in Indonesien in Verbindung zu bringen. Ich habe nicht den Eindruck, dass Ihnen der Urwaldschutz wirklich am Herzen liegt. (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Jeder von uns hat eine Vorstellung davon, was Urwälder sind. Sie sind Sinnbild für eine ursprüngliche Natur. Weil wir in Deutschland fast keine ursprüngliche, vom Menschen nicht beeinflusste Natur mehr haben, üben Urwälder eine besondere Faszination auf uns aus. Wir beobachten seit Jahrzehnten die Zerstörung der Urwälder der Erde. Der brutale illegale Raubbau ist eine wesentliche Ursache dafür. Ich finde, Sie haben das eindrucksvoll beschrieben, Herr Caesar. Die Armut der Bevölkerung in verschiedenen Ländern der Erde trägt aber ebenfalls zur Zerstörung der Urwälder bei. Wir brauchen die Urwälder für die Menschen vor Ort, für den Schutz von Klima, Wasser und Artenvielfalt, aber auch als Quelle für den nachwachsenden Rohstoff Holz. Für die Bekämpfung beider Ursachen für die Zerstörung von Urwäldern müssen wir eine jeweils eigene Strategie finden. Holz aus illegalem Raubbau darf bei uns keinen Markt finden und nicht zu Dumpingpreisen angeboten werden. (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Um den Import von Holz aus illegalem Einschlag zu unterbinden, enthält der Antrag praktische und gute Vorschläge, die auf die Umsetzung der bestehenden Gesetze setzen. In Ergänzung dazu muss die Nutzung heimischen Holzes aus nachhaltiger Waldwirtschaft in Deutschland gestärkt werden. Aber auch das reicht noch nicht aus. In Deutschland hat sich aufgrund der hohen Bedeutung, die die Wälder seit Jahrhunderten für die Sicherung der Existenz der Menschen und die Entwicklung von Wohlstand hatten, ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Bedeutung von Wald und den Schutz der Wälder entwickelt. Der multifunktionale Wald ist unser Leitbild. Wir sollten versuchen, den armen Ländern der Erde zu helfen, ihre Wälder in entsprechender Weise für die Bekämpfung der Armut zu nutzen und gleichzeitig ein Bewusstsein für die Bedeutung des Schutzes ihrer Wälder zu entwickeln. Statt internationaler Verordnungen, die zu mehr Bürokratie führen, ist Hilfe zur Selbsthilfe angesagt, Frau Hiller-Ohm. (Beifall bei der FDP)



Einen Beitrag dazu könnte die von der Weltbank entwickelte neue Strategie zum Schutz der Wälder leisten. Die Weltbank will das Potenzial der Wälder zur Verminderung der Armut einsetzen, Wälder in eine nachhaltige Entwicklung integrieren und lokal und global bedeutsame Wälder schützen. Das ist, wie ich meine, ein richtiger Ansatz. Wir alle haben eine durchaus konkrete Vorstellung davon, was Urwälder sind. Dennoch gibt es keine international abgestimmte Definition des Begriffs Urwald. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf meine Kleine Anfrage hervor. Dies ist bedauerlich; denn eine solche international abgestimmte Definition ist durchaus erforderlich. Sie verhindert, dass der Begriff Urwald für ganz andere Ziele als den Schutz der Urwälder missbraucht wird. Ein Beispiel dafür ist die Initiative von Greenpeace, mit der versucht wurde, die finnische Forstwirtschaft in Misskredit zu bringen, und zwar nicht aus Sorge um die dortigen Wälder, sondern um ein in Deutschland überaus erfolgreiches Zertifikat für Holz zu diskreditieren. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Dieses Verhalten von Greenpeace wird unserer Sorge um den Erhalt der Urwälder und der dringenden Notwendigkeit, ihren Schutz voranzubringen, nicht gerecht.



Vizepräsident Dr. Norbert Lammert: Frau Kollegin, denken Sie bitte an die Zeit.



Dr. Christel Happach-Kasan (FDP): Ich komme zu meinem letzten Satz. Wir brauchen den Erhalt der Wälder für das Leben der Menschen vor Ort, den Artenschutz, die Sicherung der Wasserressourcen und den Klimaschutz. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.



(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)

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