Grüne Gentechnik

Freitag, 2. November 2007
Offener Brief an Herrn Ole von Uexküll

Sehr geehrter Herr von Uexküll, auf der Internetseite des Alternativen Nobelpreises wird ausgeführt, dass mit dem Preis Menschen ausgezeichnet werden, "Die Ideen haben und sie in konkrete Initiativen für das Gemeinwohl umsetzen." Menschen, die aufzeigen "wie wir Unterdrückung überwinden können, Krieg, Armut, die Zerstörung unserer Umwelt und eine weit verbreitetes Gefühl der Sinnlosigkeit sowie Angst". Viele Preisträger verkörpern diese Vorstellungen. Das Aufforstungsprojekt "Green Belt Movement", aus dem eine panafrikanische Bewegung entstanden ist, die in Afrika Millionen von Bäumen gepflanzt hat, ist eine solche Initiative für das Gemeinwohl. Die Gründerin, die die kenianische Wissenschaftlerin Wangari Muta Maathai wurde dafür zuerst mit dem alternativen Nobelpreis sowie 2004 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Und nun werden mit demselben alternativen Nobelpreis Louise und Percy Schmeiser geehrt, ein Landwirtsehepaar, das rechtskräftig wegen Patentverletzung verurteilt wurde. Patente schützen geistiges Eigentum. Patentverletzungen sind Diebstahl am geistigen Eigentum anderer. Warum sollte ein solches Verhalten eine Auszeichnung verdienen? Schmeiser wollte kein Saatgut kaufen und keine Lizenzgebühren bezahlen. Sein Handeln war vom Eigennutz geprägt, keine Spur von Gemeinnutz. Ihre nachträgliche Begründung in Ihrem Beitrag "Kein sinnvoller Einsatz" in der ZEIT (44/2007) 2007 macht deutlich, dass es nicht um das Ehepaar Schmeiser geht, sondern um einen Angriff gegen die Grüne Gentechnik. Bemerkenswert ist dabei für mich, dass die Gemeinde der Gentechnikgegner auf einen verurteilten Landwirt zurückgreifen muss, weil es offensichtlich keine positive Identifikationsfigur für die Schmeiser zugedachte Rolle gibt. Sie begründen die Entscheidung des Komitees damit, dass "spätestens seit der Atombombe" bekannt sei, "dass Ergebnisse der Grundlagenforschung nicht nur für gute, sondern auch für unmoralische Zwecke eingesetzt werden können". Das ist trivial. Auch ein Brotmesser kann missbraucht werden. Ziel Ihrer Ausführung ist es, die Gentechnik mit der Atombombe in Verbindung zu bringen, obwohl es keine inhaltliche Beziehung gibt. Jede Züchtung ist eine Veränderung des Erbguts einer Pflanze oder eines Tieres im Sinne menschlicher Nutzungsinteressen. Ein Vergleich der Urformen unserer Nahrungspflanzen mit den jetzt angebauten Kulturpflanzen zeigt, dass Züchter unsere Kulturpflanzen entscheidend für die Nutzung als Nahrungsmittel verbessert haben. Mit Rapsöl aus den in den fünfziger Jahren angebauten Sorten würden Sie keine Bratkartoffeln braten, denn es schmeckte bitter und war leicht giftig. Rapsöl der neuen Sorten ist dagegen ein hochwertiges Nahrungsmittel. Ihre Aussage, es sei kein Einsatz der grünen Gentechnik erkennbar, bei dem der Nutzen die ökonomischen, ökologischen und gesundheitlichen Risiken überwiege, ist falsch. Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen steigt von Jahr zu Jahr gerade in den Schwellenländern, weil die Landwirte den Nutzen sehen. Die FDP-Bundestagsfraktion hat in ihrem Antrag "Biotechnologische Innovationen im Interesse von Verbrauchern und Landwirten weltweit nutzen - Biotechnologie ein Instrument zur Bekämpfung von Armut und Hunger in den Entwicklungsländern", Drucksache 16/6714) dafür viele Beispiele genannt und weitere Nutzungschancen aufgezeigt. Neue gentechnisch veränderte Pflanzensorten, die auch unter ungünstigen Bedingungen sichere Erträge liefern, können erheblich dazu beitragen, den Nahrungsmittel- und Rohstoffbedarf einer steigenden Weltbevölkerung ohne Ausweitung der globalen landwirtschaftlichen Flächen zu sichern. Die Beeinträchtigung der Natur könnte begrenzt, Naturflächen könnten erhalten und geschützt werden. Pflanzen mit Eigenschaften wie Schädlings-, Salz- oder Trockenheitsresistenz sind gerade für Entwicklungsländer wichtig, die in klimatisch ungünstigen Regionen mit schwierigen Bodenverhältnissen liegen. Gerade wenn Sie selbst feststellen, "Der Hunger in der Welt ist ein Gerechtigkeits- und Demokratieproblem", ist es zynisch, einen rechtskräftig verurteilten Landwirt auszuzeichnen. Sie schreiben: "Die Einführung genveränderter Organismen in unser Ö

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