Landwirtschaft | Reden

Mittwoch, 24. Oktober 2007
Rede im Deutschen Bundestag zum Antrag von Bündnis 90 / Die Grünen 'Programm Energiewende in Gewächshäusern auflegen'

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen keine Energiewende in Gewächshäusern sondern bessere Wettbewerbsbedingungen für unsere Gartenbaubetriebe. Steigende Energiepreise verschärfen die Wettbewerbssituation der Gartenbaubetriebe, die in Gewächshäusern Obst, Gemüse und Zierpflanzen anbauen. Wie leistungsfähig unsere Gartenbaubetriebe sind, hat gerade die in der letzten Woche zu Ende gegangene Bundesgartenschau in Ronneburg und Gera bewiesen. Sie hat annähernd 1,5 Millionen Besucher begeistert. Wir sind in der Pflicht, nach Lösungen zu suchen, damit der Gartenbau und auch der Unterglasanbau in Deutschland eine Zukunft hat. Dazu gehört insbesondere, zur Minderung der hohen Energiekosten beizutragen. Der Unterglasanbau ist eine sehr energieintensive Branche. Abhängig von den jeweiligen Kulturen wird entweder das ganze Jahr über eine hohe Wärmemenge benötigt oder nur saisonal insbesondere im Winter. Das bedeutet, dass jeder Betrieb individuell betrachtet werden muss, jeder Betrieb muss für sich ausrechnen, auf welche Weise er seine Energiekosten am besten senken kann. Eine Umfrage der Universität Hannover hat ermittelt, dass es einen erheblichen Investitionsstau bei den Unterglasanbaubetrieben gibt. Die Stichprobe, die etwa 10% der im Unterglasanbau bewirtschafteten Fläche umfasste, zeigte, dass 60% der erfassten Gewächshäuser älter als 10 Jahre, über 30% älter als 25 Jahre sind. Bei den Kesseln ist die Situation nicht wirklich besser, über 40% sind älter als 15 Jahre. Es besteht also die erste Aufgabe darin, den Betrieben, die sich teilweise in einer wirtschaftlich schwierigen Situation befinden, Investitionen zur Energieeinsparung zu ermöglichen. Im Ansatz geht der Antrag von Bündnis 90 / Die Grünen in die richtige Richtung, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuell geführten Debatte um Klimawandel und CO2-Reduzierung. Die effizienteste Maßnahme zur Energieeinsparung bei Gewächshäusern ist jedoch in vielen Fällen der Abriss und Neubau der in der Regel überalterten Anlagen. Fördermaßnahmen für Neubauten sind bereits vorhanden, so z.B. die Förderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes". Dort heißt es "Förderungsfähig sind betriebliche Investitionen zur Verbesserung der Umweltbedingungen im Bereich der Landwirtschaft wie Maßnahmen zur Förderung der Energieeinsparung und -umstellung auf alternative Energiequellen, wie z.B. der Neubau energiesparender Gewächshäuser einschließlich des hierfür notwendigen Abrisses alter Anlagen, Wärme-und Kältedämmungsmaßnahmen, Solaranlagen, Biomasse-und Biogasanlagen, Biomasseverfeuerung, die Umstellung der Heizanlagen auf umweltverträglichere Energieträger sowie Steuer- und Regeltechnik." Die Praxis zeigt jedoch, dass diese Fördermittel bisher nicht ausreichend genutzt werden. Bisher kommen in Gartenbaubetrieben vorwiegend fossile Energieträger zum Einsatz. Es ist an der Zeit, dass auch erneuerbare Energieträger wie z.B. Holzhackschnitzel oder Pellets möglichst auch unter Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung zur Anwendung kommen. Die Betriebe brauchen maßgeschneiderte Lösungen für die jeweilige Situation. Es gibt in Deutschland Beispiele, die Mut machen. In Schleswig-Holstein ist eine neuartige Kombination aus einer Biogasanlage mit nach geschaltetem Blockheizkraftwerk und einem Holzheizkraftwerk mit innovativer Organic-Rankine-Cycle (ORC)-Technik errichtet worden. In dieser Biogasanlage mit nach geschaltetem Holzheizkraftwerk werden Wärme und Strom produziert. Die Wärme soll zum Betrieb von Gewächshäusern genutzt werden, in denen unter anderem Tomaten angebaut werden sollen. Besonders spannend ist die Nutzung des bei der Verbrennung des Biogases frei werdenden CO2 zur Düngung der Pflanzen. Der moderne Gemüseanbau beschleunigt mit einem gesteigerten CO2-Druck das Wachstum der Pflanzen. Das Projekt wurde vom Bundeslandwirtschaftsministerium, der EU und dem Land Schleswig-Holstein gefördert. Wir brauchen mehr solche innovativen Projekte, um den Unterglasanbau in Deutschland zu unterstützen und den mittelständischen Betrieben die Wettbewerbssituation zu erleichtern. Die Politik muss hierfür die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Der vorliegende Antrag geht in die richtige Richtung, berücksichtigt aber nur unzureichend die Ausnutzung bestehender Fördermöglichkeiten und setzt keine innovativen Impulse. Deswegen werden wir uns enthalten.

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