Grüne Gentechnik

Montag, 23. Juli 2007
Stellungnahme zum 'Manifest zur Grünen Gentechnik und zur anstehenden Novellierung des Gentechnikrechts' des Verbandes Private Brauereien Deutschland e.V.

Deutsches Bier hat Weltgeltung. Das Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 ist durch die EU rechtlich abgesichert worden. Es besagt, dass Bier wird unter Verwendung von Malz, Hopfen, Hefe und Wasser gebraut wird. In der EU sind keine gentechnisch veränderten Gerste-, Weizen-, Hopfen- und Hefesorten zugelassen und es steht auch keine Zulassung solcher Sorten bevor. Daher verwundert die Abfassung des Manifestes zur Grünen Gentechnik durch die Privatbrauer. Mit der ablehnenden Haltung entspricht der Verband dem Zeitgeist, aber ist dies eine Haltung, die auch in Zukunft tragen wird, wenn interessante gentechnisch veränderte Sorten zur Verfügung stehen? Ich nehme gern zu dem Manifest Stellung. Das Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 macht keine Aussagen über die beim Bierbrauen verwendeten Sorten. Garantiert wusste man im 16. Jahrhundert nichts über moderne Züchtungsverfahren: Die vom Mönch Gregor Mendel entdeckten Gesetze der Vererbung, die mutagene Wirkung von Radioaktivität und die Grüne Gentechnik. In der Vergangenheit hat die Brauwirtschaft den Züchtungsfortschritt für sich zu nutzen gewusst, obwohl 1516 Züchtung unbekannt war. So wurden Weizen- und Gerstesorten, die durch Mutationszüchtung entstanden sind, genauso genutzt wie anders gezüchtete Sorten. Bei der Mutationszüchtung werden Mutationen künstlich durch radioaktive Strahlung angeregt, anschließend die geeigneten Mutationen selektiert. Dies Züchtungsverfahren ist von den Privatbrauern ohne Kommentar akzeptiert worden, obwohl der züchterische Fortschritt der so gezüchteten und von der Brauwirtschaft genutzten Sorten wohl kaum als durch "natürliche Art und Weise' erzielt bezeichnet werden kann, wie das Manifest es darstellt. Zum Manifest im Einzelnen: Während weltweit die Anbauflächen mit gentechnisch verbesserten Pflanzen von Jahr zu Jahr kontinuierlich zunehmen, gibt es in Europa und insbesondere in Deutschland eine sehr kritische Diskussion über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland. Die Verfütterung gentechnisch veränderter Futterpflanzen wie Soja und Mais, die Verfütterung von Zusatzstoffen zu Futtermitteln wie Vitaminen, Aminosäuren, Phytasen hergestellt mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen ist weitgehend akzeptiert. Dasselbe gilt für die Nutzung von Zitronensäure, Chymosin, Vitaminen in der Lebensmittelwirtschaft, alle hergestellt mit gentechnisch veränderten Organismen. In Heft I/2006 des Senats der Bundesforschungsanstalten wird festgestellt, dass der gentechnisch veränderte Bt-Mais weniger Pilzgifte enthält als der herkömmlich gezüchtete, nicht gegen den Maiszünsler resistente Mais und daher gesünder ist. Die Bundesregierung hat in ihrer Beantwortung der Kleinen Anfrage "Epigenetische Effekte in der Pflanzenzüchtung" erklärt: "Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass die Sicherheit der in der EU für den Anbau und den Import zugelassenen transgenen Sorten gegeben ist" (BT-Drucksache 16/5011). Allergien: Gentechnisch veränderte Sorten werden wesentlich aufwändiger geprüft als herkömmlich gezüchtete Sorten. Daher ist keine zugelassene Sorte bekannt, die ein erhöhtes Allergierisiko besitzt. Monopole in der Pflanzenzucht: Die Bundesregierung hat in Beantwortung einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke festgestellt, dass die Pflanzenzuchtunternehmen in Deutschland weitgehend mittelständisch organisiert sind. Reinheitsgebot: Im Jahr 1516 wurde das Reinheitsgebot für die Herstellung von Bier erlassen. Dies Reinheitsgebot wird von der Deutschen Brauwirtschaft noch immer befolgt. Allerdings hat sich die deutsche Brauwirtschaft nie dem Züchtungsfortschritt verweigert und neue Sorten ganz selbstverständlich zur Herstellung von Bier verwendet. Insbesondere Getreidesorten sind in den vergangenen Jahrzehnten auch mit den Methoden der Mutationszüchtung bearbeitet worden. Es wurden Pflanzen radioaktiv bestrahlt, um so künstlich Mutationen zu erzeugen. Mit Selektionsverfahren wurden die geeigneten Mutationen herausselektiert und züchterisch genutzt. Die Aussage "insbesondere den auf natürliche Art und Weise durch züchterischen Fortschritt weiterentwickelten Getreidesorten' ist somit nur eingeschränkt richtig, denn die Mutationszüchtung ist kein natürliches Verfahren. Es gibt keine in der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Gerste-, Hopfen-, Hefesorten. Der Verzicht der Nutzung von gentechnisch veränderten Sorten liegt in der Logik des Angebots. Die Brauwirtschaft hat den bisherigen Züchtungsfortschritt genutzt. Es ist zu wünschen, dass sie dies auch künftig tun wird. Das heißt, dass sie beispielsweise gentechnisch veränderte Hopfensorten mit Mehltauresistenz, Hefesorten mit besonderer Eignung zur Produktion von Diätbieren im Interesse der Umwelt und der Verbraucherinnen und Verbraucher ebenfalls nutzen wird. Gerste, eine selbstbefruchtende Getreideart: Da Gerste ein Selbstbefruchter ist, ist selbst beim benachbarten Anbau von gentechnisch veränderter Gerste eine Vermischung mit nicht gentechnisch veränderter Gerste kaum zu erwarten. Die Gendatenbank in Gatersleben hat jahrzehntelange Erfahrung in der sortenreinen Vermehrung von Kulturpflanzensorten wie Gerste und Weizen. Bei Selbstbefruchtern wie Gerste und Weizen ist zum Erhalt der Sortenreinheit nur ein geringer Abstand erforderlich. Befürchtungen, dass beim Anbau von Weizen und Gerste die Koexistenz nicht eingehalten werden kann, sind völlig unbegründet. Standortregister/Transparenz: Das öffentliche Standortregister hat sich leider nicht bewährt. Die Einschränkung des Katasters ist zwar ärgerlich aber notwendig, weil militante Gegner der Gentechnik diese Transparenz zur Zerstörung von Versuchsfeldern missbrauchen. Friedlicher Protest ist in unserem Rechtsstaat ein Bürgerrecht, das wir als Liberale hoch achten. Doch der Protest hat da seine Grenzen, wo das Eigentum anderer zerstört wird. Volle Transparenz kann wieder hergestellt werden, sobald die gesetzeswidrigen Zerstörungen aufhören. Die Eigentumsrechte müssen geschützt werden. Haftung: Die Organisation der Koexistenz von gentechnisch veränderten und herkömmlich gezüchteten Sorten ist möglich. Das erforderliche Wissen ist vorhanden. Die Organisation der Koexistenz ist erforderlich, um dem Verbraucherwunsch nach Information über die Züchtungsmethode entsprechen zu können. In der EU-Verordnung 1829/2003 ist ein Schwellenwert von 0,9% festgelegt: Ab einem zufälligen und technisch nicht vermeidbaren Vermischungsanteil von 0,9% muss ein Produkt als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden. Diese Kennzeichnungsregelung gilt nach einer kürzlich getroffenen Vereinbarung der Agrarministerkonferenz auch für die Produkte des Ö

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