NaWaRo / Wald

Freitag, 22. Juni 2007
Kleine Anfrage 'Notwendige Forstschutzmaßnahmen nach dem Orkan Kyrill'

Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan und der Fraktion der FDP Notwendige Forstschutzmaßnahmen nach dem Orkan Kyrill Durch den Orkan Kyrill sind im Januar dieses Jahres innerhalb von zwei Tagen über 30 Millionen Kubikmeter Holz geworfen worden. Dies entspricht der Hälfte des jährlichen Holzeinschlags. Die finanziellen Schäden belaufen sich auf etwa 3,9 Millionen Euro. Die Bundesländer sind unterschiedlich betroffen. Am stärksten hat der Orkan in Nordrhein-Westfalen gewütet, gefolgt von Thüringen, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Mehrere Tausend Waldbesitzer haben ihren gesamten Wald verloren. In den Tourismusregionen werden viele Wälder touristisch genutzt. Die Windwürfe des Orkans haben Wegenetze, die nicht nur für den Holztransport sondern auch als Wanderwege genutzt wurden, zerstört. Die Bundesregierung hat in Beantwortung einer Kleinen Anfrage im Dezember 2006 festgestellt, dass die Käfer-Populationen in einigen Ländern so hoch seien, dass selbst bei normalem Witterungsverlauf in 2007 "kaum eine erfolgreiche Bekämpfung möglich erscheint' (Drucksache 16/3859). Der Windwurf durch den Orkan Kyrill begünstigt eine Massenvermehrung des Borkenkäfers, sofern es nicht gelingt, die große Holzmenge rechtzeitig aufzuarbeiten. Wir fragen die Bundesregierung: 1) In welchem Umfang hat der Orkan Kyrill Windwurfschäden (aufgelistet für die einzelnen Bundesländer) verursacht und in welchem Umfang sind die unterschiedlichen Waldbesitzarten betroffen? 2) Welcher Anteil der vom Orkan betroffenen Flächen konnte bereits vom Wurfholz geräumt werden? 3) Sind in den einzelnen Bundesländern in ausreichendem Umfang Nasslager in den Wurfholzgebieten genehmigt und eingerichtet worden? 4) Wann werden nach Einschätzung der Bundesregierung die Aufräumarbeiten im Wald auch in den am stärksten betroffenen Gebieten abgeschlossen sein? 5) Entstehen nach Einschätzung der Bundesregierung nach einem Orkan in den vom Windbruch betroffenen Gebieten aus der Verkehrssicherungspflicht besondere Verpflichtungen und wenn ja, welche? 6) In welchem Umfang bestehen zurzeit noch Waldbetretungsverbote auf Grund des Orkans Kyrill, um Gefährdungen von Waldbesuchern zu vermeiden und das erhöhte Waldbrandrisiko zu mindern? 7) Sind bei der Aufarbeitung des Holzes aus dem Windbruch Unfälle geschehen und wenn ja, wie viele Personen wurden verletzt oder getötet? 8) Ist es richtig, dass die Aufarbeitung von Wurfholz besonders gefährlich ist und wenn ja, in welcher Weise wird auf eine größtmögliche Unfallverhütung hingewirkt? 9) Sind die von der Bundesregierung beantragten Mittelzuweisungen aus dem EU-Solidaritätsfond bewilligt worden und wenn ja, in welcher Höhe, nach welchen Kriterien werden sie eingesetzt werden und durch wen werden sie verteilt werden und wenn nein, warum nicht? 10) Wird die Bundesregierung den betroffenen Waldbesitzern für die dringend erforderlichen Forstschutzmaßnahmen gesonderte Fördermöglichkeiten eröffnen und wurden hierzu bereits Gespräche mit den am stärksten betroffenen Bundesländern geführt? 11) Wie bewertet die Bundesregierung das Risiko einer Borkenkäferkalamität vor dem Hintergrund des vergangenen milden Winters, eines sehr trockenen Frühjahrs und der enorm großen Menge an Windwurfholz? 12) Wird nach Einschätzung der Bundesregierung für die Bekämpfung des Borkenkäfers der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel erforderlich werden und wenn ja, in welchem Umfang? 13) Gibt es eine einheitliche Position zwischen der Bundesregierung und den Bundesländern hinsichtlich des Einsatzes von chemischen Pflanzenschutzmitteln und wenn ja, auf welcher Grundlage wurde sie getroffen und welche Bestimmungen enthält sie? 14) Steht nach Kenntnis der Bundesregierung ausreichend geeignetes Pflanzmaterial zur Verfügung, um die von Kyrill geschädigten Flächen wieder aufzuforsten und wenn nein, wie soll das Defizit ausgeglichen werden? 15) Welche rechtlichen Verpflichtungen zur Wiederaufforstung bestehen für Waldbesitzer? 16) Hat die Bundesregierung in der Förderung sichergestellt, dass Finanzmittel zur Wiederaufforstung der Kyrill-Flächen auch in den kommenden Jahren noch zur Verfügung stehen werden? 17) Wie steht die Bundesregierung zu dem Vorschlag, dass auf den Kyrill-Flächen auch eine Wiederaufforstung gefördert werden sollte, die ausschließlich mit Nadelhölzern erfolgt und welche Flächen wären dafür geeignet? 18) In welcher Weise kann die Wiederaufforstung der Kyrillflächen genutzt werden, um einen Waldumbau in die Wege zu leiten, der die erwarteten klimatischen Änderungen in den betroffenen Regionen berücksichtigt? 19) Unter welchen Bedingungen kann auf eine Wiederaufforstung verzichtet werden und die Wiederbewaldung durch natürliche Sukzession abgewartet werden? 20) Plant die Bundesregierung für die von Kyrill betroffenen Regionen, in denen mit einer starken Vermehrung der Wildbestände zu rechnen ist, die Länder zu einer Intensivierung der Jagd anzuhalten? 21) Welche Hilfen sind für Waldbesitzer vorgesehen, Pflanzungen auf den großen Kahlflächen, die durch Kyrill entstanden sind, durchführen zu können, um bei einer Wiederbewaldung dem Wildverbiss entgegen zu wirken? 22) Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass durch den Orkan Kyrill zusätzlich zu den biotischen Schäden künftig auch abiotische Risiken, wie ein erhöhtes Waldbrandrisiko in den Schadregionen zu erwarten sind? 23) Plant die Bundesregierung die Länder bei einer Waldbrandfrüherkennung in den von Kyrill betroffenen Gebieten zu unterstützen und können für diese Maßnahme Finanzmittel aus dem europäischen Solidaritätsfonds eingesetzt werden? 24) Wird die Bundesregierung den Ländern empfehlen, den Waldbesitzern zum Abschluss von Waldbrandversicherungen zu raten, die dann auch von den Ländern anteilig finanziert würden?

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