Schleswig-Holstein

Donnerstag, 26. April 2007
Happach-Kasan: Informationsveranstaltung zu kindlichen Leukämie-Erkrankungen

Vor mehr als 60 Zuhörern, darunter zahlreiche Stadtverordnete aus Geesthacht und Lüneburg und Abgeordnete des Lauenburgischen Kreistags, referierten im Geesthachter Johanniter-Krankenhaus Frau Prof. Gritta Janka, Oberärztin in der Abteilung für pädiatrische Hämatologie und Onkologie an der Uni-Klinik Eppendorf und Dr. Peter Kaatsch, Leiter des Kinderkrebsregisters an der Uni Mainz über Häufigkeit, Entstehung und Behandlung kindlicher Leukämien. Die Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung wurde von der Bundestagsabgeordneten Dr. Happach-Kasan (FDP) moderiert. In ihrer Einleitung sagte Happach-Kasan: "Es ist mir ein Anliegen, die Erkrankung von Kindern an Leukämie, die für die Kinder und ihre Eltern viel Leid bringt, in den Mittelpunkt dieser Veranstaltung zu stellen. Die in den letzten 15 Jahren der Ursachenforschung erarbeiteten Ergebnisse sind nicht befriedigend. Es ist offen, ob überhaupt die richtigen Fragen gestellt wurden." Jede Leukämie-Erkrankung ist ein Unikat, bei der immer andere Genabschnitte auffällig verändert seien. Es gäbe mehrere verschiedene Typen von Leukämieerkrankungen. Der bei Kindern am häufigsten auftretende Typ werde als Akute lymphatische Leukämie bezeichnet und weise die Besonderheit auf, dass die Krankheit insbesondere im Alter von 2 bis 5 Jahren auftrete. Die Ursache der meisten Leukämie-Erkrankungen, so Prof. Janka, bleibe unbekannt. Leukämie-Erkrankungen brauchen mehr als einen Auslöser. "Wir wissen heute, dass immer ein vorgeburtliches Ereignis beteiligt ist", erläuterte die Medizinerin aus Hamburg. "Wenn dann weitere Ereignisse hinzutreten, kann eine Leukämie entstehen." Leukämie ist die häufigste Kinderkrebserkrankung. Spektakulär seien die Verbesserungen in der Therapie: Die Heilungschancen seien von 1950 bis zum Jahr 2000 von nahe null auf 80 % angestiegen. Prof. Janka wie auch später Dr. Kaatsch stellte auf Nachfrage heraus, dass die Behandlungszentren alle Erkrankungen an das Register in Mainz meldeten. Sie bedauerte, dass die Industrie aufgrund der geringen Patientenzahl kein großes Interesse habe, mehr in die Forschung zu investieren und spezielle Heilverfahren für Kinder zu entwickeln. Dr. Kaatsch erläuterte Aufgabe und Methodik des Kinderkrebsregisters, in dem rund 95% aller kindlichen Krebserkrankungen erfasst sind. Eine statistische Auswertung zeige, dass eine signifikante Häufung der Leukämiefälle (Cluster) in der Samtgemeinde Elbmarsch und der Stadt Geesthacht vorliege. Die zeitliche Dauer des Clusters sei "bemerkenswert". Vergleichbare Erhöhungen des Auftretens von kindlichen Leukämieerkrankungen finde man in 24 deutschen Regionen. Mit den angewendeten statistischen Methoden können man Ursachen weder bestätigen, noch ausschließen. In internationalen Studien habe man bei Clustern rein statistisch Hinweise auf verschiedenste Ursachen gefunden, die man nun überprüfen müsse. Diese reichten von hohen Geburtsgewichten von Kindern bis zur sog. "Greaves Hypothese", nach der es sich um eine Fehlfunktion des untrainierten Immunsystems handeln könnte. In der alten DDR habe es vor der Wiedervereinigung deutlich weniger Leukämieerkrankungen gegeben als jetzt. Kinder mit Allergien erkranken deutlich seltener an Leukämie. Entsprechende Zusammenhänge zeigt auch die niedersächsische Fallkontrollstudie auf. Einen emotionalen Appell richtete Kaatsch an die Eltern der erkrankten Kindern: "Sie müssen sich keine Vorwürfe machen. Sie haben nichts falsch gemacht, auch nicht am falschen Ort gewohnt." Christel Happach-Kasan meinte als Fazit: "Die Veranstaltung hat deutlich gemacht: Die Ursachen der Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch sind so unklar wie die Ursachen derselben Erkrankung in den 23 anderen vergleichbaren Clusterregionen in Deutschland. Ich habe den Eindruck erhalten, dass die Förderung der Ursachenforschung hier unmittelbar den Betroffenen helfen kann. Die ausschließliche Betrachtung der Strahlung als Krankheitsursache ist medizinisch und statistisch nicht begründet. Es muss zukünftig sichergestellt werden, dass keine Spur unerforscht bleibt. Und das gilt ausdrücklich für alle an Leukämie erkrankten Kinder, egal ob sie in der Elbmarsch leben oder woanders."

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