NaWaRo / Wald

Dienstag, 27. März 2007
Happach-Kasan: Faire Wettbewerbsbedingungen, für ein Nebeneinander von Veredelungswirtschaft und energetischer Nutzung nachwachsender Rohstoffe

BERLIN. Zu den Ergebnissen der gestrigen Expertenanhörung zum Thema "Der Wettbewerb um die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen: Nachwachsende Rohstoffe zur energetischen Verwertung kontra Veredelungswirtschaft' erklärt die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der FDP-Bundestagsfraktion Dr. Christel Happach-Kasan: Die FDP sieht sich bestätigt in der Forderung nach einer umfassenden Novellierung des EEG. Der Förderwirrwahr muss geordnet werden, so dass Wettbewerbsverzerrungen, wie sie jetzt in einigen Regionen zwischen Betrieben der Veredelungswirtschaft und Betreibern von Biogasanlagen bestehen, vermieden werden. Die Abschaffung der obligatorischen Flächenstilllegung ist überfällig. Stromproduktion in Biogasanlagen ohne Kraftwärmekopplung sollten keine Förderung mehr erhalten, da die eingesetzte Biomasse nicht effektiv genutzt wird. Insgesamt wurde von allen Teilnehmern eine Erhöhung der Agrarpreise erwartet. Derzeit erfolgt die Produktion von Biogas ausschließlich auf Grund der durch das EEG geschaffenen günstigen finanziellen Rahmenbedingungen, so Dr. Yelto Zimmer von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft. Die niedrigsten CO2-Vermeidungskosten seien mit Kurzumtriebsplantagen und durch die Getreideverbrennung zu erzielen, die Güllevergärung habe die beste CO2-Bilanz. Dr. Claudius da Costa Gomez, Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas e. V., stellte heraus, dass schon jetzt in Biogasanlagen zu 44% Gülle und Mist verwertet werden, zu 18% kommunale Reststoffe und zu 33% nachwachsende Rohstoffe. Er sähe weitere Entwicklungsmöglichkeiten in der Verbesserung der Technik. Ihm stimmte Hendrik Becker, Geschäftsführer der Plan ET Biogastechnik GmbH aus Vreden, zu. Die Firma wurde 1998 gegründet. Er sah die Möglichkeit für weitere Fortschritte in der Entwicklung der Anlagen und insbesondere der biologischen Betreuung. Biogas kann ins Erdgasnetz eingespeist werden und ist auf Grund seiner Speicherfähigkeit eine effiziente, planbare und multifunktionale Energiequelle. Inzwischen sind Biogasanlagen Exportschlager. Dietrich Klein, Geschäftsführer des Vereins landwirtschaftliche Biokraftstoffe verwies auf die EU-Forderung, bis 2020 den Anteil der Primärenergieversorgung aus erneuerbaren Energien auf 20% zu steigern sowie eine Einsparung von 20% zu erbringen und einen Anteil an biogenen Kraftstoffen von 10% zu erzielen. Bei den Kraftstoffen müsse die Steuerstaffel überprüft werden. Die Flächenkonkurrenz zwischen der Nutzung für die Veredelung und für die Verwertung in Biogasanlagen ist in Regionen mit hoher Veredelungsdichte bedeutsam, so Dr. Antje Herrmann vom Institut für Pflanzenbau der CAU in Kiel. Zur Humusakkumulation seien Untersaaten wichtig. Ertragsfortschritte und günstige Anbaubedingungen durch den Klimawandel sieht sie bei Mais, er verträgt höhere Temperaturen, der Zuckerrübe, die Winterrübe ermöglicht eine Ertragssteigerung um 30%, und bei Kurzumtriebsplantagen. Eine vermehrte energetische Nutzung von landwirtschaftlichen Reststoffen sowie Abfällen aus der Ernährungsindustrie sei wünschenswert. Peter Hahn, Geschäftsführer des Deutschen Brauerbundes e. V. stellte die Besonderheiten der Brauwirtschaft dar. Deutschland ist drittgrößter Bierproduzent und habe gleichzeitig die kleinsten Brauereien. Braugerste sei eine Sonderkultur, der Bedarf könne in Deutschland nicht gedeckt werden. Der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) berichtete am Beispiel des Landkreises Kloppenburg über zunehmende Flächenkonkurrenz. Dadurch sei der Pachtpreis auf 1000 Euro pro Hektar gestiegen. Erhöhte Futterkosten, erhöhte Stromkosten würden das Kotelett um einen Euro verteuern. Wichtiger als der Nawaro-Bonus sei ein Gülle-Bonus. In Deutschland ist die Futtermittelindustrie der größte Getreideverwerter, so Bernhard Krüsken vom Deutschen Verband Tiernahrung. Die Förderpolitik für Bioenergie habe den Preisauftrieb für Getreide beschleunigt, Pachtpreise seien aus den Fugen geraten, Tierhaltungskosten gestiegen, die Wettbewerbsposition der Ernährungswirtschaft habe sich verschlechtert. Insbesondere seien Milchviehhalter betroffen. Die ablehnende Haltung in der EU zu GVO führe dazu, dass die europäischen Zulassungsbehörden sehr langsam arbeiten und der Bezug von GVO-Nebenerzeugnissen erschwert sei. Dr. Seeling machte deutlich, dass in Deutschland nach wie vor Holz der wichtigste nachwachsende Rohstoff sei. Etwa 50% des Holzes werde stofflich genutzt, 20% verbleibe als Wurzelstock im Boden und die verbleibenden 30% stehen für die energetische Nutzung zur Verfügung. Sie betonte, dass insbesondere im Kleinprivatwald erhebliche Nutzungspotenziale bestünden, da dort deutlich weniger als der jährliche Zuwachs entnommen würde.

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