Schleswig-Holstein

Samstag, 19. August 2006
Kinder müssen früh schwimmen lernen - das ist der wirksamste Schutz vor tödlichen Badeunfällen

Den Gemeindevertretern, die vor 50 Jahren, im Jahr 1956, beschlossen haben, in der Gemeinde Steinhorst ein Schwimmbad zu bauen, gebührt Dank und Anerkennung, für den Mut und das Verantwortungsbewusstsein, in einer kleinen Gemeinde ein Freibad zu bauen. In den Dank einschließen möchte ich auch all die Menschen, die in den darauf folgenden Jahren dafür gesorgt haben, dass dieses Schwimmbad erhalten blieb, so dass wir heute sein 50-jähriges Bestehen feiern können. Ein Freibad ist ein attraktives Freizeitangebot, es erhöht die Lebensqualität im ländlichen Raum und ist aber auch Voraussetzung dafür, dass die Kinder frühzeitig Schwimmunterricht erhalten können. Es ist gut, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft zu unterstützen, doch dies ist halbherzig, wenn nicht gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass unsere Kinder früh schwimmen lernen können. Dafür brauchen sie Freibäder. Wie vorausschauend und verantwortungsbewusst hier in Steinhorst mit dem Bau des Freibades und dem Erhalt des Freibades über ein halbes Jahrhundert hinweg gearbeitet wurde, zeigen die jüngeren Entwicklungen. Die Zahl der Badeunfälle nimmt nach Aussagen der DLRG seit dem Jahr 2000 zu. Im Supersommer 2003 sind 677 Menschen bei Badeunfällen ertrunken. In diesem Sommer waren in der Mitte der Saison bereits 340 Menschen ertrunken. Badeunfälle haben viele Ursachen: Leichtsinn, Überschätzung der eigenen Kräfte, mangelnde Fitness aber eben auch die Ursache, dass gerade junge Menschen unter 20 Jahren nicht mehr so gut schwimmen können wie Menschen über 30 Jahre. Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Zahl der Nichtschwimmer und der Zahl der tödlichen Badeunfälle. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl junger Menschen, die ertrunken sind um über 50%. Etwa 30% der Kinder unter 14 Jahren können nach einer Schätzung des Deutschen Schwimm-Verbandes nicht schwimmen. Im Schleswig-Holsteinischen Bildungsministerium gibt es keine konkreten Kenntnisse, ob in den Grundschulen Schwimmunterricht erteilt wird und ob der im Lehrplan stehende Schwimmunterricht der Sekundarstufe I auch tatsächlich erteilt wird. Dies antwortete das Ministerium dem bildungspolitischen Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dr. Ekkehard Klug. Dabei hätte Schleswig-Holstein als Land zwischen den Meeren, als Land mit vielen Seen, die Verpflichtung bei der frühzeitigen Erteilung von Schwimmunterricht Vorbild zu sein. Das ist leider nicht so, schlimmer noch, das Fehlen der Daten im Bildungsministerium zeigt, dass in unserem Land das Bewusstsein für die Bedeutung des Schwimmunterrichts fehlt. Vorbild ist dagegen Berlin, wo 90% der Grundschüler am Ende der 3. Klasse schwimmen können. Das heißt es geht, wenn es gewollt ist. Vorraussetzung, damit unsere Kinder früh schwimmen lernen, sind Freibäder wie dies in Steinhorst. Dann können Eltern in Zusammenarbeit mit Vereinen für den frühen Schwimmunterricht sorgen, die Schulen den Schülerinnen und Schülern ergänzenden Unterricht erteilen, die es noch nicht können. Dafür werden ausgebildete Lehrer und Lehrerinnen gebraucht, genügend Schulstunden, um den Schwimmunterricht zu erteilen und eben auch Schwimmbäder. Doch damit Gemeinden sich dies leisten können, brauchen sie Geld. Die Landesregierung hat weitere Eingriffe in die kommunalen Finanzen beschlossen. Es steht zu befürchten, dass dies zu Lasten der Infrastruktur in den Gemeinden geht. Wir sind es unseren Kindern schuldig, dass sie die Chance haben schwimmen zu lernen. Es reicht nicht, an den Schulen Verkehrsunterricht zu erteilen, Schwimmunterricht gehört ebenfalls dazu. Am Ende der vierten Klasse haben Kinder eine gewisse Selbstständigkeit erreicht. Zu ihrem Schutz ist es erforderlich, dass sie dann auch schwimmen können. Ich wünsche der Gemeinde Steinhorst, dass sie weiterhin vielleicht mit Unterstützung der Gemeinden im Amt ihr Freibad halten kann im Interesse der Kinder, die hier schwimmen lernen können, im Interesse der vielen Vereine, die hier ein attraktives Freizeitangebot gestalten, im Interesse aller, die hier leben.

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