Schleswig-Holstein

Mittwoch, 1. Mai 2002
Aus Anlass des von einem Kampfhund ermordeten Jungen (Kolumne)

Wir sind auf den 'Wolf' gekommen. Seit drei Jahren gehört Lupus (lat. Wolf) zu unserer Familie. Der vordem niedliche Welpe, ein Kleiner Münsterländer mit braunen Augen, braunem Fell und heller Schwanzspitze ist zu einem prächtigen Rüden herangewachsen. Mit hoch erhobener Fahne trabt er vor uns durch die Felder, wühlt nach Mäusen und schleppt große Äste heran. Früher habe ich Angst vor Hunden gehabt. Ich verstand ihre Körpersprache nicht und fühlte mich deshalb bedroht. Später ist die Angst einer gewissen Wut gewichen, wenn Hundebesitzer es zuließen, dass ihre Tiere meine kleine Tochter bellend umkreisten. Meist musste ich sie auf den Arm nehmen, weil die Hunde nicht zurückgerufen wurden. Es hieß dann, aber er tut doch nichts oder, sie muss lernen, keine Angst vor Hunden zu haben. Inzwischen hat sie keine Angst mehr - dank Lupus, der ihr aufs Wort gehorcht.



Hunde können treue, liebenswerte Gefährten sein, in der Hand herrschsüchtiger Menschen können sie aber auch zu gefährlichen Waffen werden. Der Tod des kleinen Jungen auf einem Schulhof in Hamburg hat uns dies vor Augen geführt. Das brutal als Kampfhund abgerichtete Tier sprang über die Umfriedung und biss zu. Später stellte sich heraus, dass der Halter und sein Hund den Behörden bekannt, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Durchsetzung von Leinen- und Maulkorbzwang gegeben waren. Die von dem Hundehalter ausgehende Gefahr, der sein Tier quälte, so dass es zur asozialen Kampfmaschine wurde und der es genoss, wenn sein Tier Menschen in Angst versetzte und es dennoch frei herumlaufen ließ, wurde unterschätzt. Ich hoffe sehr, dass wenigstens in Zukunft die gesetzlichen Möglichkeiten genutzt werden, die Hunde verantwortungsloser Hundehalter einzuziehen. Nur wenn sie ernsthaft befürchten müssen, dass ihnen die Hunde genommen werden, werden sie aufhören, mit ihren Hunden andere Menschen und Tiere zu ängstigen und zu gefährden.



Inzwischen haben alle Bundesländer 'Kampfhundeverordnungen' erlassen. In 13 Paragraphen wird kompliziert aufgeführt, was doch so einfach zu sein scheint, nämlich wie sich verantwortungsvolle Hundehalter verhalten. In Paragraphen gepresst ist es eine Gratwanderung: Die von Hunden unter bestimmten Bedingungen ausgehenden Gefahren gerade für kleinere Kinder, die ihnen wehrlos ausgeliefert sind, zu minimieren und gleichzeitig eine tiergerechte Hundehaltung zu ermöglichen. Der oftmals geforderte Leinenzwang für alle Hunde außerhalb des eigenen Gartens ist keine Lösung, denn Hunde sind Lauftiere, die freien Auslauf brauchen.



Zur selben Zeit, als landauf, landab über neue Gefahrhundeverordnungen gestritten wurde, gab es verschiedene fremdenfeindliche Anschläge, Menschen wurden getötet. Die Empörung hielt sich in Grenzen, war kaum zu vergleichen mit der über gefährliche Hunde. Nicht einmal die Tatsache, dass ausländische Gäste Einladungen von Universitäten ablehnen, weil sie bei einem Aufenthalt in Deutschland um ihre Sicherheit fürchten, hat große Resonanz gefunden. Das erschreckt mich. Ich meine, wir müssen gemeinsam daran arbeiten und können dies nicht auf Polizei, Schulen oder Behörden abschieben, dass jeder Mensch egal welchen Alters und welcher Nationalität sich angstfrei und sicher auf Straßen und Wegen bewegen kann. Angriffe gefährlicher Hunde auf Kinder sowie irregeleiteter Jugendliche auf Ausländer gefährden zentrale Werte, auch wenn Otto Normalbürger meint, es ginge ihn nichts an, weil er weder Kind noch Ausländer ist. Nicht Weggucken ist gefordert sondern gezieltes Eintreten für Toleranz und Menschlichkeit in der Gesellschaft.

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