Fischerei

Freitag, 25. August 2006
Schutz der Ostsee

Stellungnahme zur Ratzeburger Sommeruniversität und deren Bearbeitung des Themas Ostsee Die Ratzeburger Sommeruniversität hatte sich unter dem Thema "Brot und Fisch. Leben für die Ostsee' ein Thema vorgenommen, das seit mehr als 30 Jahren von der Helsinki-Kommission betrieben wird, deren Vertragsparteien alle Ostseeanrainerstaaten sind. 1992 wurde das Helsinki-Übereinkommen erneuert, um den neuen politischen Gegebenheiten nach dem Zusammenbruch des Ostblocks Rechnung zu tragen. Bereits 1990 wurde das Internationale Ostseeaktionsprogramm beschlossen, das insbesondere das Ziel verfolgt, die Belastung der Ostsee durch Einträge aus kommunalen Kläranlagen zu mindern und dafür eine so genannte "Hot-Spot-Liste' aufgestellt hat, eine Liste mit 132 Sanierungsschwerpunkten rund um die Ostsee, zu denen unter anderem die Einleitungen aus 7 kommunalen Kläranlagen in Schleswig-Holstein (Lübeck) und Mecklenburg/Vorpommern gehörten. Das deutsche Wassereinzugsgebiet der Ostsee ist vergleichsweise klein und umfasst Mecklenburg-Vorpommern und die Ostseeküste einschließlich der Einzugsgebiete von Trave und Wakenitz. Die bisher erzielten Erfolge sind messbar aber noch nicht ausreichend. Um ein Beispiel zu nennen: Die Einleitung von Ammonium-Stickstoff wurde bei der Oder auf ein Fünftel gesenkt, von Gesamtphosphor auf ein Drittel. Dass dies nicht ausreicht ist in jedem Jahr an den massiven Blaualgenblüten in der mittleren Ostsee zu sehen. Diese werden insbesondere durch die Eutrophierung mit Phosphor hervorgerufen, der aus verschiedenen Quellen in die Ostsee gelangt. In Deutschland ist schon vor Jahren die Verwendung von Phosphaten in Waschmitteln durch Silikatverbindungen ersetzt worden, um die Gewässerbelastung zu mindern. In anderen Ostseeanrainerstaaten werden noch immer phosphathaltige Waschmittel verwendet. Bei den landwirtschaftlichen Quellen der Phosphateinträge sind der Düngermitteleinsatz und der Tierbestand entscheidend. Die Verwendung von Phosphatdüngern ist im Zeitraum 1990 bis 2000 nahezu halbiert worden, so das Umweltbundesamt. Im selben Zeitraum ist gerade im Mecklenburg/Vorpommern die landwirtschaftliche Tierhaltung deutlich vermindert worden. Die Aussage von Gerold Rahmann, Leiter des Bundesforschungsinstituts für ökologischen Landbau: Das Problem der Überdüngung wird sich noch verstärken.' trifft somit nicht zu. Im Gegenteil: Das Problem der Überdüngung ist in den letzten Jahren deutlich gemindert worden. Die Ostseeparlamentarierkonferenz besteht aus Mitgliedern der 11 Ostseeanrainerstaaten und hat sich das Ziel gesetzt, durch enge Zusammenarbeit zwischen nationalen und regionalen Parlamenten die Identität der Ostseeregion zu stärken. Sie hat in diesem Jahr eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die das Problem der Eutrophierung der Ostsee bearbeitet. Als Mitglied dieser Arbeitsgruppe war ich Teilnehmerin an den Arbeitskonferenzen in Tallinn und in Mariehamn auf Aaland (Finnland). Ich bedauere sehr, dass die Sommeruniversität in Ratzeburg, die Chance verschenkt hat, über die spezifischen biologischen Probleme der Ostsee, über die mehr als drei Jahrzehnte währende im Ganzen erfolgreiche Arbeit der Helsinki-Kommission und über die Forschritte im Umweltschutz in Schleswig-Holstein und Mecklenburg/Vorpommern zu informieren. Die nach wie vor vorhandenen Probleme unseres Binnenmeeres Ostsee: Sauerstoffmangel in der mittleren Ostsee, Blaualgenblüten, verursacht durch Stoffeinträge aus verschiedenen Quellen, die Gefahr von Schiffsunfällen, Altlasten aus dem zweiten Weltkrieg können durch allgemeines Geplauder über Überdüngung und Überfischung nicht gelöst werden. Der Titel "Universität' war diesmal wohl etwas zu hoch gegriffen. Ich hoffe, dass die Sommeruniversität bei ihrer nächsten Veranstaltung an die so erfolgreiche Wasserkonferenz anschließen kann.

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