NaWaRo / Wald | Reden

Donnerstag, 14. April 2005
Rede im Bundestag zu TOP 12 Nachwachsende Rohstoffe

(Rede wurde zu Protokoll gegeben)



Die vielfältigen Potentiale nachwachsender Rohstoffe werden in Deutschland nur unzureichend genutzt.



Die FDP hat in ihrem Antrag 'Die vielfältigen Potenziale nachwachsender Rohstoffe für die nachhaltige Entwicklung ausschöpfen' (Drucksache 15/3358) zahlreiche Vorschläge für die Nutzung nachwachsender Rohstoffe gemacht und aufgezeigt, wie wir zu mehr Erfolgen kommen können.



Weder bei der energetischen noch bei der stofflichen Verwertung nachwachsender Rohstoffe ist bis jetzt der Durchbruch gelungen.



Dabei herrscht große Einigkeit, dass die Endlichkeit der fossilen Rohstoffe Erdöl, Erdgas, Kohle uns zwingen wird, vermehrt nachwachsende Rohstoffe sowohl stofflich wie energetisch zu nutzen. Weiter erfordert der Klimaschutz, dass nachwachsende Rohstoffe die fossilen Rohstoffe ersetzen, damit die weitere Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre gestoppt wird.



Die Energiebilanz in Deutschland ist traurig: Der Anteil erneuerbarer Energien an der Primärenergieversorgung beträgt nur 3,6%. Deutschland nimmt, einer Energiestatistik des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge, im EU-weiten Vergleich der CO2-Äquivalente je produzierter Kilowattstunde den viertletzten Platz ein.



Von einer Energiewende sind wir weit entfernt.



Bei der stofflichen Verwertung nachwachsender Rohstoffe ist es nicht viel anders. Unser wichtigster nachwachsender Rohstoff ist das Holz. Die Bundeswaldinventur hat gezeigt, dass wir Holz im Überfluss haben, nur etwa 60 % des jährlich nachwachsenden Holzes wird genutzt, weitere 40% stehen zur Verfügung. In Deutschland werden nur 16% der Ein- und Zweifamilienhäuser aus Holz gebaut, in den USA sind es 95% und in Finnland 50%. Bisher hat die Charta für Holz nicht gewirkt.



Weitere Potentiale der stofflichen Nutzung sieht die FDP bei den Pflanzenölen im Bereich der Bioschmierstoffe, bei den Faserstoffen in der Automobil- und Baustoffindustrie, in der Blauen Biotechnologie, der Nutzung von Naturstoffen mariner Organismen wie Schwämmen, Tunikaten und Algen.



Damit endlich Fortschritte bei der Nutzung nachwachsender Rohstoffe erzielt werden, brauchen wir Initiativen auf ganz verschiedenen Politikfeldern:



Nicht alle Naturstoffe sind von Natur aus für die industrielle, stoffliche Nutzung geeignet, die produzierte Menge ist nicht immer ausreichend. Deswegen müssen die Organismen, die diese Naturstoffe produzieren, züchterisch verändert und dadurch die nachwachsenden Rohstoffe an die Nutzungserfordernisse angepasst werden.



Moderne Züchtung schließt die Methoden der Gentechnik mit ein. Die züchterische Weiterentwicklung von Mikroorganismen wie auch von Pflanzen macht Bakterien und Pflanzen fit, damit sie verstärkt als Produzenten von nachwachsenden Rohstoffen genutzt werden können. Gerade die Forschungsansätze bei Raps und Kartoffeln sind viel versprechend.



Der Bundeskanzler spricht zwar viel von Innovationen, doch die rot-grüne Regierung handelt genau entgegengesetzt: Das Gentechnikgesetz blockiert die Anwendung der Grünen Gentechnik in der Forschung und im Anbau transgener Kulturpflanzen. Die Forschungsförderung im Bereich der Grünen Gentechnik ist drastisch reduziert, Beispiel GABI (Genomanalyse im Biologischen System Pflanze), die Ressortforschung wird von Ministerin Künast behindert, die Ergebnisse, wenn sie dem grünen Weltbild widersprechen, negiert.



Nur eine Forschungsstrategie mit Einbeziehung gentechnischer Methoden wird den nachwachsenden Rohstoffen zum Durchbruch verhelfen. Der von rot-grün vorgelegte Antrag ist auf diesem Auge blind.



Bürokratische und praxisferne Reglementierungen, die der Nutzung nachwachsender Rohstoffe entgegenstehen, müssen abgebaut werden. Das betrifft Bundes- wie auch Länderregelungen. Im europäischen Binnenmarkt sind zum Beispiel die unterschiedlichen Bestimmungen zum Gesamtlastzuggewicht ein Fremdkörper, der Wettbewerbsverzerrungen verursacht.



Im Rahmen der Umsetzung der Energieeinsparverordnung müssen bis 2007 etwa 3 bis 7 Millionen Heizungsanlagen erneuert werden. Dies ist eine Chance, die energetische Nutzung von Holz voranzubringen.



Eine verstärkte Förderung der Forschung im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe ist Voraussetzung für deren verstärkte Nutzung. Wir kennen noch lange nicht alle Naturstoffe, die zur Nutzung geeignet sind, wir kennen nicht deren Wirkungsweise. Daher müssen Grundlagenforschung und angewandte Forschung zusammenwirken. Gleichzeitig muss die Markteinführung neuer Produkte gefördert werden, wenn sie einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten und überflüssige Reglementierungen müssen abgebaut werden.



Dann kann die Nutzung nachwachsender Rohstoffe einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten und gleichzeitig den ländlichen Raum in Deutschland fördern.

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