Schleswig-Holstein

Montag, 4. Dezember 2006
HAPPACH-KASAN: Institute der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Kiel erhalten und stärken

KN: Landwirtschaftsminister Seehofer betont immer wieder, wie viel ihm an der Lebensmittelsicherheit liegt. Wie passt das zur geplanten Zerschlagung der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Kiel? Happach-Kasan: Das passt eindeutig nicht zusammen. Die Bundesregierung handelt entgegen der selbst formulierten Zielsetzung, das Themenfeld "gesunde und sichere Ernährung' zu stärken. Schon die unter rot-grün vorgenommene Verminderung der Stellenzahl in der Bundesforschungsanstalt hat eine Schwächung bewirkt. Diese Politik wird von der jetzigen Regierung fortgeführt. Die Verminderung der Zahl der Institute von 5 auf 2 bedeutet, dass gerade in dem Bereich überproportional eingespart wird, der nach Angaben der Regierung gestärkt werden soll. Das heißt, das sind Lippenbekenntnisse. Kiel steht mit dem Standort Karlsruhe im Wettbewerb, hat die besseren Leistungen, die bessere Vernetzung mit der Universität und den Kliniken und wird dennoch durch die Bundesregierung entgegen den sachlichen Erfordernissen zurückgebaut. KN: Welche Auswirkungen haben Seehofers Pläne auf Ernährung und Krankheitsvorsorge? Happach-Kasan: Ernährungsabhängige Erkrankungen wie z. B. Übergewicht, Diabetes, Herzinfarkt verursachen viel Leid und belasten mit ihren Kosten das Gesundheitssystem erheblich. Diabetes durch Übergewicht ist die teuerste Erkrankung. In einer älter werden Gesellschaft ist es wichtig, die Bezüge zwischen Ernährung und Krankheitsprävention herauszuarbeiten. Der Umzug des Instituts für Physiologie und Biochemie der Ernährung nach Karlsruhe wird die bisher international anerkannte Arbeit des Instituts schwächen. Ohne die Zusammenarbeit mit der CAU und den Kliniken muss die Qualität der Forschung des Instituts leiden. In absehbarer Zeit wird in Karlsruhe mit Steuermitteln wieder aufgebaut, was in Kiel zerschlagen wurde. KN: Was bedeutet der Umzug für den Forschungsstandort Kiel? Happach-Kasan: Der Forschungsstandort Kiel wird durch den Umzug des Instituts in einer Kernkompetenz beschädigt. Der Wissenschaftsrat hat den Leistungsstand der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät als beeindruckend bewertet. Die Vernetzung zwischen Bundesforschungsanstalt und der Fakultät hat daran einen wesentlichen Anteil. KN: Welches Konzept schlagen Sie als Alternative vor? Happach-Kasan: Wir brauchen eine umfassende Strukturreform der Agrarforschung, die international wettbewerbsfähige Forschungseinheiten schafft. Es müssen die Institute mit guter Anbindung an eine Universität gestärkt werden. In Kiel sind die Voraussetzungen gut für den Aufbau eines Wissenschaftsclusters mit dem Schwerpunkt Ernährung und Krankheitsprävention. Institute der Bundesforschungsanstalt und Einrichtungen der Universität bilden einen vertraglich abgesicherten Forschungsverbund, der sich konzentriert auf die Aufgabenfelder: Ernährung und Krankheit, funktionelle Lebensmittel, personalisierte, zielgruppenorientierte Ernährung. Ein solcher Verbund kann, den künftigen Herausforderungen, wie sie zum Beispiel mit den Health-Claim-Regulations gegeben sind, angemessen begegnen. KN: Macht das Land genügend Druck, damit Bund es sich noch anders überlegt? Bis jetzt hat das Land das Thema völlig verschlafen. Die Fragen stellte Frank Lindscheid

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