NaWaRo / Wald

Montag, 27. November 2006
Happach-Kasan auf Konferenz 'Kraftstoffe der Zukunft 2006'

Der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch betrug im vergangenen Jahr in Deutschland 4,6%. Das ist insgesamt noch ein sehr bescheidenes Ergebnis. Entsprechend der Bilanz der Konferenz für erneuerbare Energien hatte daran die Biomasse einen Anteil von über 70%, darunter der Biodiesel einen Anteil von knapp 10%. Bisher stand bei der Nutzung erneuerbarer Energien insbesondere die Stromproduktion im Fokus des Interesses, in der Realität hatte die Biomassenutzung immer eine höhere Bedeutung. Trotz erheblicher finanzieller Aufwendungen der Stromkunden muss die Windenergie eine Zusatzenergie bleiben, da Windstrom nicht zuverlässig zur Verfügung steht. Erst wenn effektiv arbeitende Stromspeicher zur Verfügung stehen, kann sich dies ändern. Inzwischen ist anerkannt, dass die Nutzung erneuerbarer Energien mehr ist als nur Stromproduktion. Im Mittelpunkt jeder Strategie "weg von den fossilen Brennstoffen' muss die effiziente und kostengünstige Nutzung von Biomasse stehen, die Produktion von Wärme und Kraftstoffen aus Biomasse eine höhere Bedeutung als bisher gewinnen. Bis zur Verabschiedung des Koalitionsvertrages von CDU/CSU und SPD schrieb der Biodiesel in Deutschland eine Erfolgsgeschichte. Das ist jetzt vorbei. Die Steuerbefreiung wurde vorzeitig beendet und durch die Einführung der Biokraftstoffquote ersetzt, Vertrauen in die Verlässlichkeit politischer Entscheidungen verspielt. Die Biokraftstoffquote kann keinen vergleichbaren Innovationsschub auslösen, wie dies mit der Steuerbefreiung gelungen ist. Als Biokraftstoffe werden in Deutschland bisher verwendet: Rapsmethylesther (RME), Bioethanol (E85) sowie reines Rapsöl. 2004 wurden 3,9 Mio. Tonnen Biokraftstoffe verbraucht, 2005 waren es 6,9 Mio. Tonnen. Diese Zuwachsraten für den Reinkraftstoffmarkt sind vorbei. Leider hat die Bundesregierung den FDP-Vorschlag der Einführung der proportionalen Besteuerung der Reinkraftstoffe abgelehnt. Das wäre eine elegante Möglichkeit gewesen, eine maßvolle Besteuerung der Reinkraftstoffe einzuführen, ihnen gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und das technologische Innovationspotential weiter zu nutzen. Die Produktion und Nutzung von Biokraftstoffen hat verschiedene Potentiale. Die heimische Industrie und Landwirtschaft wird gestärkt, Wertschöpfung im Land geschaffen, sowie die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten verringert. Gleichzeitig ist ihre Verwendung ein Beitrag zum Klimaschutz, weil das bei der Verbrennung abgegebene CO2 zuvor von den Pflanzen fixiert worden ist. Die Nutzung der Sonnenenergie über die Biomasse-Produktion von Pflanzen wird in Zukunft erhebliche Bedeutung bei der Vermeidung der Abgabe von klimaschädlichen, den Treibhaus-Effekt verstärkenden Gasen haben. Voraussetzung für den Erfolg jeder Biokraftstoffstrategie ist ein hoher Biomasseertrag auf dem Acker. Die Züchtungsforschung ist weit fortgeschritten. Es stehen Energiepflanzen zur Verfügung, mit denen sich hohe Erträge erwirtschaften lassen. Gentechnisch veränderter Bt-Mais hilft Verluste durch den Befall mit dem Maiszünsler gering zu halten. Im vergangenen Jahr waren 372 000 Hektar Mais mit dem Maiszünsler befallen, finanzielle Verluste in Höhe von 10 Mio. Euro sind entstanden. Um gentechnisch verbesserte Energiepflanzen besser nutzen zu können, will die FDP die innovationsfreundliche Novellierung des Gentechnikgesetzes. Mittel- und langfristig sollte die energetische Nutzung der ganzen Pflanze angestrebt werden. Dafür ist noch viel Forschungsarbeit bei der Technologieentwicklung erforderlich. Die Verfahren zur Produktion von BtL-Kraftstoffen müssen deutlich optimiert werden. Besondere Chancen sieht die FDP in der Produktion von Biogas. Reststoffe aus der Landwirtschaft wie auch der Ernährungsindustrie können sinnvoll genutzt werden, die sonst teilweise entsorgt werden müssen. Da inzwischen Speisereste nicht mehr verfüttert werden dürfen, stehen auch diese zur Fermentation zur Verfügung. Bei der Fermentation von Energiepflanzen wird die ganze Pflanze verwertet. Biogas kann ganz verschieden eingesetzt werden. Zum Beispiel kann in Biogas-Anlagen produziertes Biomethan nach einer Aufbereitung ähnlich wie Erdgas ebenfalls als Kraftstoff genutzt werden. Die erste Biomethan-Tankstelle wurde in diesem Sommer in Niedersachsen eröffnet. Es zeichnet sich ab, dass es Konkurrenz zwischen Veredlungsbetrieben und Biogasanlagebetreibern um landwirtschaftliche Produkte wie beispielsweise den Mais geben wird. Eine Auswirkung dieser Konkurrenzsituation ist, dass höhere Preise für landwirtschaftliche Produkte zu verzeichnen sind. Der Anbietermarkt hat sich in einen Nachfragemarkt gewandelt. Es ist eine wichtige politische Aufgabe, dafür zu sorgen, dass jegliche Förderung wettbewerbsneutral erfolgt. Nur so kann erreicht werden, dass die Landwirtschaft sich entsprechend den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten orientiert. So wie Windmühlen, unsinnig sind, wo kein Wind weht, so sollte die Stromproduktion von Biogasanlagen ohne Wärmenutzung keine Förderung erfahren. Technologien, die den Praxistest bei uns bestanden haben, eignen sich gut für den Export. Langfristig muss bedacht werden, dass in anderen Regionen der Erde pro Hektar deutlich höhere Erträge erzielt werden können als bei uns. Kein Außenschutz kann auf die Dauer den Import biogener Kraftstoffe aufhalten. Durch Technologieführerschaft können wir jedoch sicherstellen, dass wir an diesen Einwicklungen teilhaben. Gleichzeitig gehört es zu unserer Verantwortung zu verhindern, dass in Afrika und Südamerika weitere Wälder abgeholzt werden, um Ackerland für die Treibstoffnutzung in der entwickelten Welt zu erhalten. Dadurch wird das Klima stärker geschädigt als durch die Nutzung fossiler Brennstoffe. Die Produktion biogener Kraftstoffe, ob Biodiesel, Bioethanol, BtL oder Biomethan braucht stabile Rahmenbedingungen, die ihre Markteinführung fördern, der Nutzungseffizienz dienen, Überförderunen vermeiden und wettbewerbsneutral erfolgen. Die Schwankungen des Erdölpreises können nicht ausgeglichen werden, das Hin und Her politischer Entscheidungen muss jedoch ein Ende haben.

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