Landwirtschaft | Reden

Donnerstag, 9. November 2006
Rede zu Zusatzpunkt 7 - Beratung des Antrags der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen 'Nachhaltige Ressourcennutzung durch Agroforstwirtschaft'

Dr. Christel Happach-Kasan: "Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die FDP steht dem Anliegen, die Einrichtung von Agroforstsystemen auch in Deutschland zu ermöglichen, positiv gegenüber. Agroforstsysteme sind keine Wälder. Sie sind eine Sonderform der Ackernutzung, bei der abwechselnd mit ackerbaulich oder als Weide genutzten Flächen Gehölzpflanzen angepflanzt werden. Voraussetzung für die Einrichtung von Agroforstsystemen ist die Änderung des Bundeswaldgesetzes. Es muss sichergestellt werden, dass die für die Errichtung von Agroforstsystemen verwendeten Flächen nicht, wie die gegenwärtig geltenden Bestimmungen des Bundeswaldgesetzes es vorsehen, aus der agrarischen Nutzung fallen. Agroforstsysteme sind besonders geeignet, um schnell wachsende Holzarten zur energetischen Verwertung oder für die Papierherstellung anzubauen. Sie bieten zahlreiche ökologische Vorteile, mindern die Erosion, bieten für Weidetiere Schutz bei extremen Witterungsverhältnissen, tragen zur Erhöhung der Biodiversität bei. Der Papierbedarf steigt weltweit. Für die nächsten 10 Jahre wird ein Anstieg um 50 % prognostiziert. In der Papierherstellung ist insbesondere das im Holz enthaltene Lignin störend, da es nur durch sehr energieaufwendige Verfahren entfernt werden kann. Daher ist es nahe liegend, dass mit gentechnischen Züchtungsverfahren versucht wird, den Ligninanteil im Holz zu verringern. In den USA, Neuseeland und China gibt es entsprechende Forschungen. Inzwischen gibt es auch Erfolge. In China ist es gelungen, Pappeln mit einem um 50% verringerten Ligningehalt zu züchten. Parallel dazu gibt es Züchtungen zur Herstellung von Insektenresistenz. Es dient dem Schutz unserer multifunktional genutzten Wälder, wenn für die Zelluloseherstellung Holz aus Agroforstsystemen und Plantagen zur Verfügung steht. Transgene Bäume eignen sich nur für die Plantagenwirtschaft oder zur Anpflanzung in Agroforstsystemen. Durch die Erzeugung von Sterilität kann eine Weitergabe der für naturnahe Wälder unerwünschten genetischen Eigenschaften verhindert werden. Es gibt erheblichen weiteren Forschungsbedarf, um Methoden für die Erzielung einer dauerhaften Sterilität zu entwickeln. Erste Freisetzungsversuche von gentechnisch veränderten Pappeln sind in Deutschland vom forstgenetischen Institut in Großhansdorf in den Jahren 1996 bis 2001 erfolgreich durchgeführt worden. Pappeln werden weltweit von Gentechnikern gern als Modellpflanze genutzt, weil sie schnell wachsen und weil die gängigen gentechnischen Verfahren bei ihnen genauso gut wie bei Ackerpflanzen funktionieren. Weitere Baumarten sind Kiefer, Fichte, Birke und Eukalyptus. Die 9. UNO-Klimakonferenz hat beschlossen, dass zur Reduktion von Treibhausgasen künftig auch gentechnisch veränderte Pflanzen eingesetzt werden können. Die Nutzung von Holz aus Agroforstsystemen verfolgt zumeist auch klimapolitische Ziele und steht damit im Einklang mit den Beschlüssen der 9. UNO-Konferenz. Vor dem Hintergrund der vielfältigen oft innovativen Nutzungsmöglichkeiten von Agroforstsystemen ist der Antrag der Grünen völlig unbefriedigend. Er schließt von vornherein die Anpflanzung von gentechnisch veränderten Pflanzen aus, selbst wenn diese in der Gesamtökobilanz Vorteile gegenüber anderen Pflanzen haben. Wer so mit Scheuklappen an das spannende Thema Agroforstsysteme herangeht, als erstes besonders attraktive Nutzungsformen ausschließt, dem ist nur die Schaffung neuer Fördermöglichkeiten wichtig, nicht jedoch die Entwicklung wirtschaftlich konkurrenzfähiger und ökologisch besonders geeigneter Landnutzungsformen. Daher lehnt die FDP den Antrag ab.'

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