NaWaRo / Wald | Reden

Donnerstag, 12. Mai 2005
Rede im Bundestag zu Top 20 Waldzustansbericht 2004

(Die Rede wurde zu Protokoll gegeben)



Deutschland gehört zu den waldreichsten Ländern in der Europäischen Union. Wir sind uns einig in der multifunktionalen Nutzung unserer Wälder. Waldspaziergänge gehören zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten in Deutschland. Die Erholungsnutzung unserer Wälder ist ganz wichtig. Eine genauso große Bedeutung hat der Natur- und Artenschutz. In unseren Waldbiotopen leben viele heimische Tier- und Pflanzenarten. Wälder speichern Kohlenstoff, sie sind daher wichtige Kohlenstoffsenken für den Klimaschutz. Trotz dieser vielfältigen Funktionen ist der Verkauf von Holz die nahezu einzige Möglichkeit für Waldbesitzer, ihren Besitz finanziell zu nutzen.



Holzstapel am Waldeingang für die Papierherstellung, mächtige Eichenstämme, aus denen das Fournier für Möbel hergestellt wird, Fichtenstämme für den Bau von Dachstühlen, erinnern daran, dass Holz ein sehr vielseitig verwendbarer Rohstoff ist. Es ist der wichtigste nachwachsende Rohstoff in Deutschland.



Die noch von der schwarz-gelben Bundesregierung in Auftrag gegebene Bundeswaldinventur hat, dass Deutschland über enorme Holzvorräte im Wald verfügt. Gerade im Privatwald wird nur ein Teil des jährlich nachwachsenden Holzes genutzt. Vom jährlichen Zuwachs wird nur etwa 60 % geschlagen.



In der Charta für Holz ist die Steigerung der Verwendung des Rohstoffes Holz aus heimischer, nachhaltiger Waldwirtschaft vereinbart worden. Die FDP unterstützt die Charta für Holz. Glaubwürdig ist die Charta für Holz jedoch nur dann, wenn die Regierung ihre Möglichkeiten nutzt, durch Abbau von Regulierungen, die Einschlagkosten für Holz zu senken, und dadurch die Nutzung von Holz wettbewerbsfähig und attraktiver zu machen.



Besondere Probleme bereiten z. B. die Reglementierungen im Transportbereich: Das in Deutschland zulässige Gesamtgewicht beträgt 40 Tonnen. Das bedeutet, dass in Deutschland beim Holztransport die erlaubten Nutzlasten um fast 50% unter denen in anderen europäischen Mitgliedsländern liegen. Da die Transportkosten etwa ein Drittel der Gesamtkosten der Bereitstellung von Holz verursachen, bedeutet dies für heimische Betriebe eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung.



Es gilt diese Barrieren abzubauen. Erst dann wird auch die Bewertung der Investitionsbedingungen in der Nutzholzwirtschaft nicht mehr mit 'mangelhaft' ausgewiesen, wie ein Schweizer Institut im Jahr 2003 in einer europäischen Vergleichsstudie ermittelte.



Seit 1985 werden in Deutschland in jedem Jahr Waldzustandsberichte erstellt. 'Wo Wald lebt, kränkelt er.' So Forstschutz-Professor Michael Müller aus Tharandt in der Wochenzeitung 'DIE ZEIT'. Das ist trotz der im Waldzustandbericht 2004 festgestellten Waldschäden eine beruhigende Nachricht.



Der Waldzustandsbericht selbst stellt fest, dass der Kronenzustand der Bäume ein sehr unspezifisches Merkmal ist, das vielfältige Umwelteinflüsse abbildet. Insbesondere die Schadstoffeinträge über die Luft und die Versauerung der Böden verursachen eine erhebliche Waldschädigung, wie sie im Jahr 2004 festgestellt wurde. Die Betrachtung der Baumkronen ist eine unspezifische Methode, da es nach Meinung der Experten mit dieser Methode nicht möglich ist, die jeweilige Ursache für Kronenschäden zu ermitteln.



Da unzweifelhaft die Versauerung der Böden eine wesentliche Ursache für Baumschäden ist, ist es sinnvoller den Bodenzustand zu untersuchen. Darin wird die FDP von vielen Experten unterstützt.



Höhere Kosten widersprechen dem nicht, denn die jetzigen unspezifischen Berichte sind in keiner Weise ausreichend, um daraus die Notwendigkeit von Maßnahmen abzuleiten. Daher könnten sie entfallen und sollten durch die sinnvollere Untersuchung der Böden ersetzt werden.



Der Versauerung der Böden kann durch Bodenschutzkalkung entgegen gewirkt werden. Das pan-europäische Forstzertifizierungssystem (PEFC), nach dem ca. 60 % deutscher Wälder zertifiziert sind, erlaubt eine Bodenschutzkalkung. Das Forest Stewardship Council (FSC) hingegen, ein von der Bundesregierung unterstütztes Zertifizierungsunternehmen sieht jedoch eine Bodenschutzkalkung erst ab einem pH-Wert von 4,2 vor.



Für die Wissenschaft bleibt die Bodenschutzkalkung allerdings die wichtigste Maßnahme, um eine weitere Versauerung der Böden zu verhindern.



Die Waldzustandsberichte sind eine sinnvolle Methode, das öffentliche Interesse auf unsere Wälder zu richten. Allerdings sollten in Zukunft verstärkt, die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten im Vordergrund stehen, das positive Image unseres wichtigsten nachwachsenden Rohstoffes Holz gestärkt werden und weitere Vorschläge gemacht werden, überflüssige Reglementierungen abzubauen, damit die Charta für Holz wirklich voran kommt.

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