Grüne Gentechnik

Dienstag, 20. Juni 2006
Offener Brief an den BUND zur Studie 'Grüne Gentechnik als Arbeitsplatzmotor? Genaueres Hinsehen lohnt sich'

Offener Brief Sehr geehrte Damen und Herren, es ist gut, dass ein Umweltverband wie der BUND sich nicht nur mit Fragen des Umweltschutzes beschäftigt, sondern auch mit den Möglichkeiten durch die Einführung einer neuen Technik, in diesem Fall der Züchtungsmethode Grüne Gentechnik, neue Arbeitsplätze zu schaffen und auch, ob die Einführung der Technologie bestehende Arbeitsplätze gefährdet. Auch wenn der BUND bisher diese Frage bei seinen Entscheidungen nicht berücksichtigt hat, zum Beispiel bei der Ablehnung des Transrapid, einer umweltschonenden Verkehrstechnik oder in seinen Stellungnahmen zum Ausbau von Wasserstraßen, dem umweltfreundlichsten Transportweg für Massengüter, muss anerkannt werden, dass der Umweltverband die Auswirkungen von Maßnahmen auf den Arbeitsmarkt in sein Spektrum entscheidungsrelevanter Faktoren aufgenommen hat. Im Gutachten wird festgestellt, dass die deutsche Saatgutzucht mittelständisch geprägt und einem steigenden Innovations- und Kostendruck ausgesetzt ist (S. 12). Das sind richtige Feststellungen. Aus ihnen lässt sich die Folgerung ableiten, dass die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen gestärkt werden muss, damit sie sich weiterhin gegenüber den weltweit agierenden Konzernen behaupten und der Landwirtschaft in Deutschland das erforderliche Saatgut zur Verfügung stellen können. Angesichts der Erfolge gentechnisch veränderter Kulturpflanzen weltweit - die kontinuierliche Steigerung der Anbaufläche seit 10 Jahren auf jetzt 90 Millionen Hektar belegt dies - muss dazu gehören, dass den Mittelständlern die Anwendung der neuen Züchtungsmethode Grüne Gentechnik erleichtert wird. Dazu gehört weiter, dass die Biologische Sicherheitsforschung wie bisher als öffentliche Aufgabe gesehen wird. Im Gutachten wird weiter festgestellt: "Unausgewogene Meinungsmache zweier Interessengruppen (Greenpeace und BUND) sorge nicht gerade für Vertrauen in die "Grüne Gentechnik' (S. 10). Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass mittelständische Saatzuchtunternehmen ihre Forschungsabteilungen, in denen transgene Pflanzen gezüchtet werden, ins Ausland verlagert haben. Dieser Faktor wird im Gutachten nicht berücksichtigt. Das Gutachten differenziert mit viel Mühe zwischen den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die direkt mit transgenen Pflanzen beschäftigt sind, und denen, die im nahen Umfeld arbeiten. Wer mit Petrischalen hantiert, in denen transgene Pflanzen wachsen, wird gezählt, wer das Zuchtmedium herstellt, schon nicht mehr. Mit diesem Trick soll eine geringe Arbeitsplatzwirksamkeit der Anwendung der Züchtungsmethode Grüne Gentechnik belegt werden. Das ist unprofessionell. Damit Züchter transgene Pflanzen züchten können, müssen in Biotechnologiefirmen Konstrukte entwickelt werden. Auch die Arbeitsplätze in diesen Unternehmen lässt das Gutachten unberücksichtigt. Das erste Produkt hergestellt mit transgenen Organismen war das Humaninsulin. Das Verfahren ist in Deutschland entwickelt worden. Die Genehmigung der Produktionsanlage dauerte 13,5 Jahre. Die Genehmigung erfolgte erst, als längst Humaninsulin aus dem Ausland nach Deutschland importiert worden war. In der Zeit um die Diskussion um das Humaninsulin hat Deutschland seine weltweit führende Stellung in der Entwicklung und Produktion von Arzneimitteln verloren. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt waren immens. Doch lässt sich eine solche komplexe Entwicklung nicht mit der Methode des Erbsenzählens beschreiben. Wer damals meinte, es ginge allein um das Humaninsulin, ließ jede Vorstellungskraft vermissen, welche Innovationen mit dieser Methode erzielt werden können. Inzwischen gibt es weltweit über 50 zugelassene Arzneimittel, die von Mikroorganismen produziert wurden, die mit den Methoden der Gentechnik gezüchtet worden waren. Auch die Anwendung der Grünen Gentechnik hat ein großes Potential: Pflanzen, die resistent sind gegenüber Viren, Pilzen, Schadorganismen, Pflanzen mit für die Nutzung als nachwachsende Rohstoffe optimierten Inhaltsstoffen, Pflanzen mit verbesserter Stressresistenz, z. B. gegenüber Trockenheit oder Salzgehalt des Bodens, Pflanzen, die Arzneimittel produzieren. Diese in der Anwendung der Grünen Gentechnik liegenden Potentiale werden von dem Gutachten ebenfalls unberücksichtigt gelassen. Insgesamt scheut das Gutachten des BUND keine Anstrengungen, vermeidet keine Tricks, die Arbeitsplatzwirksamkeit der Anwendung der innovativen Züchtungsmethode Grüne Gentechnik kleinzureden. Die Wahrhaftigkeit bleibt dabei leider auf der Strecke. Ich möchte Sie auf den Fachkongress des FDP-Bürgerfonds mit dem Thema "Grüne Gentechnik: Durch Innovation zu mehr Wohlstand und Arbeitsplätzen' aufmerksam machen. Der Kongress findet am 29.06. im Thomas-Dehler-Haus, Reinhardtstr. 14 in Berlin statt. Mit freundlichen Grüßen Christel Happach-Kasan

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