NaWaRo / Wald

Donnerstag, 1. Juni 2006
Happach-Kasan: FDP fordert ein Biomasseforschungszentrum

Zu den Ergebnissen der gestrigen Expertenanhörung zum Thema "Nachwachsende Rohstoffe und die Potentiale ihrer energetischen Nutzung' erklärt die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan: Die FDP sieht gute Chancen für eine zukünftig verstärkte energetische Nutzung der nachwachsenden Rohstoffe. Wir brauchen ein Biomasseforschungszentrum, das mit einheitlichen Standards die Vergleichbarkeit von Forschungsergebnissen gewährleistet. Für den Wissensstandort Deutschland bietet die Investition in die Verfahrensentwicklung der energetischen Nutzung von Biomasse Chancen. Die zu erwartende weitere Verteuerung der fossilen Brennstoffe beschleunigt die Amortisation der Investitionen in diese Technologien. Die Potentiale der energetischen Nutzung nachwachsender Rohstoffe sind bedeutend größer als ihre gegenwärtige Nutzung. Nur 4,6% des Primärenergiebedarfs wurden in 2005 durch erneuerbare Energien gedeckt, davon etwa die Hälfte aus Biomasse. Auf 15 - 20% des Primärenergiebedarfs schätzten dagegen die Experten der Anhörung das Potential der nachwachsenden Rohstoffe in der energetischen Nutzung. Wieweit dies ausgeschöpft werden kann, hängt von der Entwicklung des Erdölpreises ebenso ab wie von der weiteren technologischen Entwicklung und den politischen Rahmenbedingungen. Der Nutzen der energetischen Verwertung nachwachsender Rohstoffe liegt in der deutlichen Minderung der CO2-Emissionen, den Möglichkeiten der regionalen Wertschöpfung in den Ländlichen Räumen und der Einsparung endlicher fossiler Ressourcen. Pflanzen speichern die Energie der Sonne. Biomasse ist gespeicherte Sonnenenergie. Biomasse steht zur Verfügung, wenn sie gebraucht wird. Dies ist ein entscheidender Vorteil. Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe ist ein essentieller Teil jeder Nachhaltigkeitsstrategie. Es gibt einen erheblichen Bedarf an Forschung und Entwicklung, damit dies verwirklicht werden kann. Dieser betrifft sowohl die Züchtung von Sorten speziell für die Nutzung als Energiepflanzen, die Entwicklung von technischen Anlagen zur thermischen Verwertung von Biomasse und zur Stromerzeugung sowie die Herstellung von Kraftstoffen. Weiterhin müssen Anbautechniken weiterentwickelt werden, wie dies schon jetzt beispielsweise bei der Erforschung von Agroforstsystemen umgesetzt wird. Diese kombinieren den Anbau schnell wachsender Forstpflanzen zur energetischen Nutzung mit der Erzeugung von Wertholz bei hoher ökologischer Wertigkeit der genutzten Flächen. Unter den unterschiedlichen klimatischen und bodenökologischen Bedingungen des Anbaus von Energiepflanzen in Deutschland werden für die verschiedenen Regionen jeweils andere Energiepflanzen und andere Anbausysteme die optimalen Ergebnisse erbringen. Es gibt keine einheitliche Empfehlung, die in allen Regionen Gültigkeit hat. Die derzeitige Bevorzugung von Mais als Energiepflanze wird unter den Bedingungen der Betriebsprämien der gegenwärtigen EU-Agrarförderung mit der Entwicklung zu einheitlichen Flächenprämien voraussichtlich einer sehr viel differenzierteren Energiepflanzenproduktion weichen. Der züchterische Fortschritt ermöglicht in Deutschland von Jahr zu Jahr steigende Erträge und damit eine höhere Effizienz auch der Erzeugung von Biomasse. Die gezielte Ausgrenzung der thermischen Nutzung von Getreide durch die gegenwärtige Gesetzeslage ist nicht gerechtfertigt. Dies war das übereinstimmende Urteil aller Experten. Eine Million Tonnen Getreide sind im Durchschnitt pro Jahr von so schlechter Qualität unter anderem durch die Belastung mit Pilzgiften, dass sie weder als Nahrungs- oder Futterpflanzen noch zur Erzeugung von Äthanol genutzt werden können. Gegenüber einer kostenpflichtigen Entsorgung ist im Sinne der Nachhaltigkeit die thermische Verwertung die bessere Alternative. Derzeit kostet ein Liter Heizöl in Deutschland etwa 60 Euro-Cent. Zwei Kilogramm Industriegetreide besitzen den Heizwert eines Liters Heizöl und kosten nur etwa 20 Euro-Cent. Schon jetzt werden 10% der Getreideernte für industrielle Verwertungen produziert, die Nutzung von Mais und Raps nicht nur für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion sondern auch als Energiepflanzen ist Standard. Die ethischen Bedenken der Bevölkerung gegenüber dem Verbrennen von Getreide müssen berücksichtigt werden, ein absolutes Verbot der thermischen Verwertung ist jedoch nicht gerechtfertigt. Zur thermischen Nutzung von Getreide ist eine Änderung der Bundesimmissionsschutzverordnung erforderlich. Diese berücksichtigt Stroh, das sehr viel schlechtere Verbrennungseigenschaften hat als Getreide, aber nicht Getreide. Die Umweltminister von Bund und Ländern haben einen Zweistufenplan zum Einstieg in die thermische Verwertung von Getreide beschlossen. Kurzfristig soll die thermische Verwertung unter Berücksichtigung der technisch möglichen Emissionsgrenzwerte zugelassen werden. In einem zweiten Schritt soll die Bundesimmissionsschutzverordnung umfassend novelliert werden. Damit mittelfristig die thermische Nutzung zu keiner Minderung der hohen Standards der Luftreinhaltung führt, muss in die Entwicklung von Verbrennungsanlagen und die Filterung der Abluft investiert werden. Die thermische Nutzung von Biomasse kann nicht die in mehreren Jahrzehnten optimierte thermische Nutzung fossiler Brennstoffe aus dem Stand heraus erreichen. Um vergleichbare Standards der Luftreinhaltung zu erzielen, ist ausreichend Zeit erforderlich. Diese muss genutzt werden, um neue technische Verfahren und Anlagen zu entwickeln und durch Erfahrung im Umgang mit ihnen die thermische Verwertung zu optimieren. Langfristig stabile, politische Rahmenbedingungen sind die Voraussetzung, damit mittelständische Unternehmen sich dabei engagieren. Es ist absehbar, dass es einen Wettbewerb um die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen geben wird. Es müssen politische Entscheidungen getroffen werden, damit die schon jetzt gegebene Förderung der energetischen Nutzung z. B. durch die Energiepflanzenprämie wie auch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) die geringer geförderte Nahrungsmittelproduktion nicht finanziell benachteiligt. Weniger geeignete Brennstoffe wie zum Beispiel Stroh dürfen nicht durch finanzielle Förderung besser geeignete Brennstoffe wie Holz finanziell unattraktiv machen.

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