Grüne Gentechnik

Donnerstag, 16. März 2006
Leserbrief zum Gastkommentar von Hiltrud Beyer 'Vernünftige Skepsis informierter Kunden' in der WELT vom 15. März 2006

"Statt Frömmigkeit herrscht Aufklärung in Europa' setzt Hiltrud Beyer dem Kommentar von Maxeiner und Miersch entgegen. Wenn es denn so wäre - aber ist es so? In einem Land, in dem über das Internet "genfreie' Lebensmittel angeboten werden, genfreie Regionen ausgelobt werden, obwohl es kein Leben ohne Gene gibt, ist wohl eher eine mangelhafte naturwissenschaftliche Grundbildung zu beklagen. Von Aufklärung jedenfalls keine Spur. Es ist unbestritten, dass in der Bevölkerung Vorbehalte gegen die Grüne Gentechnik bestehen. Das eröffnet zwei Handlungsoptionen. Die eine lautet: Die Vorbehalte verstärken und die Vorteile der Züchtungsmethode ignorieren. Gentechnisch veränderte Pflanzen werden inzwischen weltweit auf 90 Millionen Hektar angebaut, einer Fläche, die dreimal so groß ist wie Deutschland. Die andere lautet: Vorbehalte durch fachliche Information abbauen, die Züchtungsmethode Grüne Gentechnik der Kombinations- und Mutationszüchtung gegenüberstellen und Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. In einer solchen Abwägung ist allgemein akzeptiert, dass die Herstellung von Medikamenten mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen ein Fortschritt ist. Es ist zum Beispiel gar nicht mehr möglich, den Bedarf an Insulin durch tierisches Insulin zu decken. Und ähnlich ist es bei der Produktion von Vitaminen, Aminosäuren und Enzymen. Einige werden zu 100% mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt. Daher kommt eine österreichische Untersuchung zu dem Schluss, dass eine wirtschaftliche Haltung von Schweinen und Geflügel mit geringen Sterberaten ohne Produkte, die unter Verwendung der Gentechnik hergestellt wurden, nicht möglich ist. Vor diesem Hintergrund ist das Werben für die Einrichtung von gentechnikfreien Regionen doch wohl ein Beitrag zur Volksverdummung und nicht zur Aufklärung.

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