Grüne Gentechnik

Mittwoch, 25. Januar 2006
Offener Brief an Herrn Dr. Claus Hipp

Offener Brief Sehr geehrter Herr Hipp, ich habe Ihr Interview gelesen, das Sie der Katholischen Nachrichtenagentur gegeben haben. Es gibt einige Auffassungen, die ich nicht teileÂ… Ich stimme Ihnen allerdings voll zu, dass gesunde Pflanzen nur auf einem gesunden Boden wachsen. Daher ist der Schutz der Böden ein sehr wichtiges politisches Ziel. Der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit sollte für alle landwirtschaftlichen Betriebe ein vorrangiges Ziel sein. Die Pflanzenzüchtung der letzten 80 Jahre hat sehr viel geleistet. Erfolge bei der Züchtung neuer Sorten haben zur Sicherung der Ernährung, aber auch zur Verbesserung der Qualität der Nahrungsmittel beigetragen. Beispiele für Züchtungserfolge sind nicht nur die Erhöhung der Erträge sondern auch die Züchtung von Sorten mit Resistenzeigenschaften gegen Krankheiten (Beispiel Gerste), mit verbesserten Eigenschaften (Beispiel Backweizen). Jede Züchtung ist eine vom Menschen herbeigeführte Veränderung im Genom. Bei der Grünen Gentechnik bezeichnen Sie diese Veränderung als "Eingriff in die Schöpfungsordnung'. Die Grüne Gentechnik verwendet natürliche Gene. Andere Züchtungsverfahren verwenden Gene, die durch Behandlung mit mutagenen Substanzen durch Mutation aus natürlichen Genen entstanden sind. Ich kann nicht nachvollziehen, dass das eine Verfahren als Eingriff in die Schöpfungsordnung bewertet wird, das andere nicht. Wir müssen realisieren, dass mit Beginn von Selektion und Züchtung der Mensch in die Natur eingegriffen und neue Sorten entwickelt hat, die seinen Nutzungsvorstellungen entsprechen. Die Kulturerdbeere gäbe es ohne menschliches Wirken nicht. Mit gentechnischen Methoden werden lebenswichtige Arzneimittel hergestellt und in der Lebensmittelwirtschaft verwendete Enzyme, Vitamine, Aminosäuren produziert. Sie betonen, dass Sie "gentechnikfreie Produkte' anbieten. Sind auch die Zutaten in Ihren Produkten ohne Gentechnik hergestellt? Sie haben den Vorfall in Australien erwähnt. Nach meiner Einschätzung zeigt er, dass in der Forschung verantwortungsbewusst gearbeitet wird und Risiken sehr frühzeitig entdeckt werden. Auch wenn bei der letzten Sortenprüfung Fütterungsversuche nicht vorgeschrieben sind, bedeutet dies offensichtlich nicht, dass sie im Prozess der Entwicklung einer Sorte nicht durchgeführt werden. Die Technikfolgenabschätzung zur Grünen Gentechnik hat ergeben, dass die Eigenschaften einer Sorte entscheidend sind für ihre Wirkung in der Umwelt und für die Gesundheitsverträglichkeit, aber nicht die Züchtungsmethode. Daher ist es wichtig, dass alle neuen Sorten sorgfältig geprüft werden. Da nur sorgfältig geprüfte Sorten die Sortenzulassung erhalten und angebaut werden dürfen, ist der Pollenflug zwischen benachbarten Feldern allenfalls ein Problem der Koexistenz, aber er ist kein Problem der Sicherheit. Die Biologische Bundesanstalt hat für verschiedene Kulturpflanzenarten sehr sorgfältig untersucht, welche Abstände eingehalten werden müssen, damit auf dem Nachbaracker kein Eintrag von Pollen geschieht, der eine Kennzeichnung erforderlich macht. Die Regeln der so genannten guten fachlichen Praxis sind bekannt. Koexistenz kann organisiert werden. Ich trete dafür ein, dass durch faire Regelungen zur Koexistenz Landwirte die Entscheidungsfreiheit haben, auf ihren Feldern die Sorten anzubauen, die sie als besonders geeignet ansehen. In Deutschland ist im vergangenen Jahr in Regionen, in denen der Maiszünsler vorkommt, Bt-Mais angebaut worden. Bt-Mais-Sorten werden mit dem Verfahren der Grünen Gentechnik gezüchtet. Die Pflanzen enthalten eine Substanz, die ursprünglich nur das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis bilden konnte und die für Schmetterlingsraupen giftig wirkt. Die Langzeituntersuchungen in Bayern haben gezeigt, dass Bt-Mais in den Befallsgebieten des Maiszünslers eine naturschutzfreundliche Alternative zur Bekämpfung des Schadinsekts mit chemischen Pflanzenschutzmitteln ist. Der Mais hat in Deutschland keinen natürlichen Kreuzungspartner, dadurch verbreiten sich seine Gene nicht in der Natur. Sein Pollen gehört nicht zur bevorzugten Nahrung von Bienen. Ich kann nicht erkennen, warum Sie als Unternehmer den Anbau von Bt-Mais selbst in Regionen bekämpfen, aus denen Sie keine Ware beziehen. Es ist Ihr gutes Recht zu bestimmen, welche Ware Sie kaufen und woher Sie diese beziehen. Aber warum sollten Landwirte, mit denen Sie keine Geschäftsbeziehungen haben, Ihre Vorstellungen umsetzen? Deutschland ist ein Hochlohnland. Wir sind ein rohstoffarmes Land. Deswegen müssen wir in Deutschland auf Innovationen setzen. Das ist eine Aufgabe für die Bildungs- und Forschungspolitik. Es ist aber gleichzeitig auch eine Aufforderung an die Gesellschaft, Innovationen offen zu begegnen, statt sie emotional auszugrenzen. Ich bitte sie, Ihre grundsätzliche Position zu überdenken. Mit freundlichen Grüßen Dr. Christel Happach-Kasan, MdB

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