Fischerei

Dienstag, 25. Mai 2004
Kleine Anfrage 'Vereinbarkeit von EU-Fischereipolitik'

Deutscher Bundestag Drucksache 15/3184 15. Wahlperiode 25. 05. 2004 Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft vom 19. Mai 2004 übermittelt. Die Drucksache enthält zusätzlich den Fragetext. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, Hans-Michael Goldmann, Daniel Bahr (Münster), weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP - Drucksache 15/3110 - Vereinbarkeit von EU-Fischereipolitik und Arten- sowie Tierschutz von Schweinswalbeständen in der Ostsee Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r Der Schweinswal (oder "Kleine Tümmler') ist die einzige in deutschen Meeren beheimatete Walart. Mit einer Körpergröße von nur 1,40 bis 1,80 m gehört der Schweinswal zu den Kleinwalen. Schweinswale galten in der Vergangenheit sowohl in der deutschen Nord- als auch in der Ostsee bis in die vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein als häufig. Die intensive "Schweinsfischjagd' besonders im Kleinen und Großen Belt der Ostsee ließ die Schweinswalpopulation bis 1970 stark schrumpfen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden pro Saison bis zu 2000 Schweinswale in der westlichen Ostsee erlegt, um sie als Tran- und Fleischlieferanten zu nutzen. Nach 1970 waren die Schweinswale in Nord- und Ostsee fast völlig verschwunden. Ab 2008 ist die Treibnetzfischerei in der Ostsee verboten. Dies dient dem Schutz der Schweinswale, deren Bestand in der Ostsee bedroht ist. Experten schätzen den Bestand in der Ostsee auf nur noch wenige hundert Tiere. Auf der Tagung der ASCOBANS-Vertragsstaaten im polnischen Jastrzebia Gora (vom 29. April 2004) zeigten die Regierungen der Vertragsstaaten nach Einschätzung von Umweltorganisationen nur ungenügend einen politischen Willen, die Schweinswale der Ostsee zu schützen. 1. Welche Maßnahmen wurden anlässlich der in diesen Tagen im polnischen Jastrzebia Gora abgehaltenen Walschutz-Tagung für die Nord- und Ostsee (ASCOBANS) zum nachhaltigen Schutz der Schweinswale, besonders in der Ostsee beschlossen? Für den Schutz des Schweinswals der zentralen Ostsee (östlich der Darßer Schwelle) wurden keine spezifischen Maßnahmen ergriffen. Festgelegt wurde, den Rettungsplan für die Ostsee-Schweinswale ("Jastarnia'-Plan), dessen Annahme die ASCOBANS-Mitgliedsländer 2003 beschlossen hatten, umzusetzen. Die Details dazu werden von einer Gruppe erarbeitet, die im September 2004, voraussichtlich in Polen, tagen wird. ASCOBANS machte auf der 11. Tagung seines Advisory Committees Ende April 2004 noch einmal deutlich, dass wirksame Maßnahmen zum Schutz des Schweinswals in der zentralen Ostsee, wie die Umstellung auf umweltfreundlichere Fanggeräte, die den Schweinswalbeifang in verschiedenen Fischereien minimieren soll, oder der temporäre Einsatz von Pingern nur in Zusammenarbeit mit den Fischern Erfolg versprechen. Deutschland hat sich schon seit Jahren für den Schutz des Schweinswals in der zentralen Ostsee im Rahmen von ASCOBANS stark gemacht. Dafür sprechen auch die umfangreichen vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Forschungsvorhaben in diesem Bereich in den letzten Jahren, wie die Lärmbelastung der Schweinswale durch Pinger, der Einsatz von "Pods' (porpoise click detectors) zur Bestandserfassung und die Bestandserfassungen per Flugzählung. Jüngst wurde eine Studie über den Einfluss der Nebenerwerbfischerei auf Schweinswale der westlichen und zentralen Ostsee, die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit finanziert und in der Bundesforschungsanstalt für Fischerei betreut wurde, beendet. Sie zeigte, dass die Schweinswalbeifänge durch die Nebenerwerbsfischerei bisher unterschätzt wurde. Deutschland war maßgeblich am Zustandekommen des "Jastarnia'-Planes beteiligt und wird sich auch in Zukunft für dessen Umsetzung stark machen. Auf deutsche Initiative hin wird zurzeit, ebenfalls im Rahmen von ASCOBANS, ein Rettungsplan für den Nordsee-Schweinswal entwickelt. 2. Wie viele Schweinswale gibt es zurzeit in der Ostsee und wie hat sich der Bestand der Schweinswale in den letzten Jahrzehnten entwickelt? Es gibt zwei Schweinswalpopulationen in der Ostsee: - den Bestand, der östlich der Darßer Schwelle in der zentralen Ostsee vorkommt, und - die Schweinswale der westlichen Ostsee, die Teil eines größeren Beltsee-Kattegat-Bestandes sind. Der Bestand der Beltsee und des Kattegats wurde 1994 während des SCANS Surveys auf 36 000 Tiere geschätzt, von denen 800 bis 1000 Tiere in der westlichen Ostsee vorkommen, wie eigene und dänische Untersuchungen zeigen. Der Bestand der zentralen Ostsee wurde Mitte der 90er Jahre auf knapp 600 Tiere geschätzt. Er ist also stark gefährdet. Hochrechungen schwedischer Wissenschafter aus dem Jahre 2002 belegen, dass dieser Bestand in weniger als zwei Jahrzehnten ausgestorben sein wird, wenn nichts zu seinem Schutz getan wird und die Beifänge drastisch reduziert werden. Die Bestandsschätzungen für diesen Bestand sind unsicher, unstrittig ist aber, dass dieser Bestand sehr klein ist. Der Bestand der zentralen Ostsee umfasste nach eigenen und dänischen Schätzungen vor 100 Jahren wahrscheinlich noch mehrere 10 000 Tiere. Unter dem Einfluss der Jagd bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, zweier schwerer Eiswinter, die 1928/29 und 1939/40 die gesamte Ostsee zufrieren ließen, den vermehrten Einsatz von polychlorierten Kohlenwasserstoffen zwischen den 50er und 70er Jahren und der Fischerei mit Treib- und Stellnetzen seit dem Ende der 50er Jahre wurde der Bestand stark dezimiert. Sein Bestandsgebiet ist von der gesamten zentralen Ostsee auf das Gebiet Darßer Schwelle bis zu einer Linie Gotland-Litauische Grenze zurückgegangen. Ö

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