Fischerei

Dienstag, 20. April 2004
Ostasiatische Fischzucht mitverantwortlich für den dramatischen Bestandsrückganges des Europäischen Aals

Berlin - Die FDP-Fischerei-Expertin, Dr. Christel HAPPACH-KASAN MdB, erklärt zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion mit dem Thema "Zukunft der Aalzucht und Aalfischerei": Aale gehören seit Jahrhunderten zu den beliebtesten Speisefischen in Europa. Der starke Rückgang der Aalbestände in Europa ist besorgniserregend. Nach Einschätzung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) befindet sich der Bestand des einzigen hier beheimateten Europäischen Aals derzeit "außerhalb sicherer biologischer Grenzen". In der "Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands" wird der Aal mittlerweile ebenfalls als "gefährdet" eingestuft. Konnten in den 90er Jahren noch jährlich etwa 30.000 t Aal in europäischen Gewässern gefangen werden, landeten laut Eurostat die europäischen Berufsfischer im Jahr 2002 lediglich noch etwa 635 t Aal an. Die Ursachen für den drastischen Rückgang dieses traditionellen deutschen Speisefischs sind nach Beurteilung der Bundesregierung nicht vollständig geklärt. Als Gründe für die Gefährdung des Aals führt die Bundesregierung anthropogene Ursachen an, wie die Habitatverbauung und -zerstörung, die dem Aal 50 % des ursprünglichen Lebensraumes entzogen haben, die hohen turbinenbedingten Mortalitätsraten der Blankaale bei Kleinwasserkraftwerken, die Verschmutzung der Gewässer, den Befall dr Aale mit dem aus Asien eingeschleppten Schwimmblasenparasiten und zuletzt auch die fischereiliche Nutzung. In Aalgewässern können Kormorane den Aalertrag deutlich mindern. Große Bedeutung hat der Export großer Mengen von Jungaalen, sogenannter "Glasaale" in den ostasiatischen Raum. Nach aktuellen Erkenntnissen werden bei Glasaalfängen von rd. 2 Mrd. Stück europaweit pro Jahr rd. 700 Mill. Stück nach Asien exportiert, 600 Mill. werden als marinierte Glasaale in Spanien und Frankreich gegessen. Die Glasaal-Endabnahmepreise pro kg (entspr. rd. 3000 Stück Aal) stiegen seit 1995 von etwa 120 Euro auf aktuell über 700 Euro an. Dieses hohe Preisniveau der Glasaale hat erhebliche Auswirkungen auf die Aalbesatzmaßnahmen durch die deutsche Berufsfischerei. Auf Grund des hohen Preises ist der Besatz nur noch in wenigen Gewässern rentabel. Nach Auffassung von Wissenschaftlern würde für den Besatz deutscher Gewässer rd. 200 Mill. Stück Glasaale vollständig ausreichen. Dies entspricht nur rd. 110 der derzeitigen Glasaalfänge. Weltweit wird ein Rückgang der Aalbestände in ähnlicher Weise wie in Europa auch in Amerika, Japan, Australien und Neuseeland beobachtet. Es ist möglich, dass klimatische Faktoren die Primärproduktion im Laichgebiet der Sargassosee und damit die Reproduktion beeinflussen. Die FDP-Bundestagsfraktion setzt sich für geeignete Maßnahmen zum Erhalt des Europäischen Aals ein. Die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie bietet Möglichkeiten, den ökologischen Zustand der Gewässer zu verbessern. Auf europäischer Ebene muss der überproportionale Export von Glasaalen nach Ostasien eingeschränkt werden. Weitere Maßnahmen sind die Verbesserung der derzeitigen Besatzmethoden in der deutschen Binnenfischerei als auch die Förderung von Forschungsprojekten zur künstlichen Aalnachzucht und die Weiterentwicklung ökologisch arbeitender Aquakulturtechniken.

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen

Freitag, 4. Januar 2013
Fakten statt Ideologien - Novelle des Arzneimittelgesetzes weist den Weg zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung weiter lesen

Alle Meldungen zum Thema