Grüne Gentechnik

Montag, 28. Februar 2005
Florenverfälschung heimischer Wildkräuter durch derzeitiges Saatgutverkehrsgesetz

BERLIN. Zu der an die Bundesregierung gerichtete Kleinen Anfrage \"Bereitstellung von gebietsheimischem Wildkräutersaatgut im Konflikt zwischen Bestimmungen des Saatgutverkehrsgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes\" erklärt die Agrar-Expertin der FDPBundestagsfraktion, Christel HAPPACH-KASAN: Nach einem Gutachten des Umweltbundesamtes entstehen durch eingeführte und eingeschleppte nichtheimische Pflanzenarten ökonomische Schäden in Millionenhöhe. Gleichzeitig entstehen durch Florenverfälschung ökologische Schäden. Dennoch werden im deutschen Landschaftsbau bei der Begrünung von Ausgleichsflächen Wildblumen-, Gräser- und Leguminosenmischungen ausgesät, die in der Mehrzahl aus dem Ausland importiert werden. Der Bedarf kann aus heimischer Produktion nicht gedeckt werden. Knapp die Hälfte des Bedarfs an Gräsersaatgut in Deutschland (17.500 t) und fast der Gesamtbedarf des Leguminosensaatguts (3.500 t) werden derzeit eingeführt. Von Wissenschaftlern wird schon seit längerem gewarnt, dass die Verwendung fremder Herkünfte von Saatgut und Rasen-Zuchtsorten zur ungewollten Verfälschung der heimischen Wildflora führen kann. In Blumenwiesenmischungen zeigte sich schon in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, dass die Pflanzen fremder Herkünfte sich genetisch von heimischen Arten unterschieden. Eine solche durch Aussaat herbeigeführte Florenverfälschung widerspricht nach Einschätzung der FDP-Bundestagsfraktion der Intention des Bundesnaturschutzgesetzes. Die FDP fordert das Bundesnaturschutzamt auf, der Problematik ökonomischer und ökologischer Schäden durch Neophyten die erforderliche Aufmerksamkeit zu widmen, statt kleinkrämerisch Einzelgene zu verfolgen, deren weitere Ausbreitung über transgene Pflanzen höchst unwahrscheinlich ist. Das derzeit gültige Saatgutverkehrsgesetz wurde aus der Sicht des Verbraucherschutzes im Jahr 1953 entwickelt, um einheitliche Kriterien zur Förderung der Saatgutqualität für Nahrungs- und Futterpflanzen festzulegen. Dem Verbraucher soll beim Anbau definierter Sorten die gewünschte Qualität gewährleistet werden. Verschiedene Arten, die ursprünglich als Futterpflanzen in das Artenverzeichnis des Saatgutverkehrsgesetzes aufgenommen wurden, werden inzwischen auch im Landschaftsbau verwandt. Dabei sind jedoch andere Kriterien von Bedeutung als beim Anbau von Futterpflanzen. Damit entsteht ein Konflikt zwischen dem Saatgutverkehrsgesetz und dem Bundesnaturschutzgesetz. Aus naturschutzfachlicher Sicht wird bei der Begrünung von Ausgleichsflächen die Aussaat von Wildformen heimischer Pflanzenarten bevorzugt gegenüber der Aussaat gebietsfremder, homogener und nach dem Saatgutverkehrsgesetz zugelassener Sorten. Arten, deren Sorten im Gemeinsamen Sortenkatalog genannt sind, dürfen jedoch nicht in ihrer Wildform vermehrt und ausgebracht werden. Damit behindert das Saatgutverkehrsgesetz die Umsetzung des Bundesnaturschutzgesetzes. Die FDP-Bundestagsfraktion setzt sich bei der derzeit intensiv geführten Diskussion um die Vereinfachung des deutschen Saatgutrechtes für eine Berücksichtigung der Problematik der heimischen Florenverfälschung durch fremdes Wildkräutersaatgut ein.

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