NaWaRo / Wald

Donnerstag, 2. Dezember 2004
Zum heutigen forstpolitischen Pressegespräch zu den Waldschäden

Stellungnahme der Forstexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan zu den aktuellen immensen Waldschäden und ihren Auswirkungen auf Bund, Länder, Gemeinden und private Waldbesitzer: Die FDP-Bundestagsfraktion setzt sich für den Schutz der Waldböden ein. Fachgerecht durchgeführte Bodenschutzkalkungen sind ein wichtiges Instrument, mit dem eine Verbesserung der Bodenbiologie an nahezu allen Waldstandorten bewirkt werden kann. Der Schutz der Waldböden ist eine wichtige Vorsorgemaßnahme für die nachhaltige Sicherung der Trinkwasserversorgung. Auch bei Waldschäden gilt das Verursacherprinzip: Die Gesellschaft verursacht durch Schadeinträge die Waldschäden, sie muss sich bei deren Bekämpfung finanziell engagieren. Nach Auffassung der FDP muss eine gezielte Weiterentwicklung der Fördermaßnahmen zum Erhalt gesunder Waldböden angestrebt werden. Hierbei darf die staatliche Förderung der Bodenschutzkalkung nicht aus Haushaltsgründen vermindert werden. Die aktuellen Berichte über die Waldschäden in den Bundesländern liegen vor. Der abschließende Waldzustandsbericht wird in Kürze von der Bundesregierung vorgestellt werden. Die von den Wissenschaftlern und Forst-Experten ermittelten Schäden an Bäumen, Böden und Wurzelwerk sind so groß wie noch nie. In fast allen deutschen Bundesländern lässt sich eine Steigerung der Waldschäden von etwa 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr feststellen. Grund für diese enorme Schadenszunahme in den deutschen Wäldern war der heiße Jahrhundertsommer 2003, der zusätzlich zu der vorhandenen Bodenversauerung durch die anthropogenen Schadstoffeinträge der letzten Jahrzehnte die Bäume schwer geschädigt hat. Besonders die wärmeempfindlichen Buchenstandorte Deutschlands haben die Hitzeperiode des vergangenen Jahres nur sehr schlecht überstanden und weisen in 2004 vielfach deutliche Kronenverlichtungen der Bäume auf. Auch die heimischen Eichen- und Fichtenwälder haben in diesem Jahr ein bedrohliches Schadensniveau erreicht. Derzeit weisen Eichen und Fichten zu etwa 30 Prozent erhebliche Laub- und Nadelverluste auf, dies ist der höchste Stand seit Beginn der Waldschadenserfassung in Deutschland. Nach Einschätzung von Forstexperten ist auch für die kommenden Jahre mit keiner raschen Verbesserung der Waldschadenssituation zu rechnen. Die durch Schadstoffeinträge - insbesondere Schwefeldioxid und Stickoxide - verursachte Versauerung der Böden, in Rheinland-Pfalz wurden pH-Werte unter 3, im Schwarzwald von 2 gemessen (d.h., saurer als Zitronensaft oder Essig), hat schwerwiegende Folgen: Die Feinwurzeln der Bäume sterben auf Grund des sauren Bodenmilieus ab, dadurch können die Bäume nur erschwert Nährstoffe aufnehmen, die Bodenökologie ändert sich, weil im sauren Bodenmilieu nur wenige der natürlicherweise im Waldboden lebenden Organismen überleben können - z.B. halbiert sich die Zahl der Regenwürmer, toxisch wirkende Metall-Ionen wie Cadmium-, Aluminium-, Mangan-Ionen gelangen ins Grund- und damit ins Trinkwasser und gefährden die Versorgung mit reinem Trinkwasser, die Auswaschung von Magnesium-Ionen führt zur Verarmung der Böden an Magnesium, einem für alle Bäume für den Aufbau von Chlorophyll wichtigen Nährstoff, die Widerstandskraft der Bäume gegen Borkenkäfer und andere Schadinsekten wird geschwächt. Während gegen trockene Sommer kein Kraut gewachsen ist, gibt es Möglichkeiten, den Auswirkungen der Bodenversauerung durch Bodenschutzkalkungen entgegen zu wirken. In den Waldzustandsberichten der Bundesregierung wird dies regelmäßig gefordert, Ministerin Künast hat ebenfalls Bodenschutzkalkungen gefordert. Es gibt über Jahre durchgeführte vergleichende Untersuchungen, insbesondere in Rheinland-Pfalz, die die sehr positiven Wirkungen von Bodenschutzkalkungen eindrucksvoll belegen. Es gibt keinen Forschungsbedarf, sondern Handlungsbedarf. Waldbesitzer, Verbände und Naturschützer fordern seit langem von der Bundesregierung vermehrte Anstrengungen zum Schutz des Trinkwasserspeichers Wald vor Luftschadstoffen sowie anderen Belastungen.

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