NaWaRo / Wald

Mittwoch, 26. Februar 2003
Besuch im Zentrum für Invitrofertilization an der Medizinischen Universität Lübeck

"Die Liberalen Hexen" an der Universität Lübeck Bereits im Jahr 2000 hat sich der Landesparteitag (LPT) der Schleswig-Holsteinischen FDP auf Antrag der damaligen Landtagsabgeordneten, Dr. Christel Happach-Kasan, intensiv mit der Gentechnik und der Reproduktionsmedizin befasst und Eckpunkte beschlossen. Angesichts der erkennbar rasanten Entwicklung in einer vielschichtigen Materie setzte der Parteitag eine Arbeitsgruppe "Gentechnik" ein. Im Rahmen dieser Gruppe erarbeitete Dr. Michaela Blunk (KV Lübeck) mit bereitwilliger "Nachhilfe" durch die weltweit anerkannten Wissenschaftler an der Universität Lübeck Anträge für einen folgenden LPT. Diese Anträge fanden in erweiterter Form ebenso wie das Eckpunktepapier des Landesparteitags die Zustimmung des Bundesparteitages 2001 in Düsseldorf. Sie bilden seitdem im Wesentlichen die Beschlusslage der FDP. Die FDP S-H hat mit ihren Anträgen die Haltung der FDP-Bundestagsfraktion zur "Roten Gentechnik' entscheidend geprägt.. Es vergeht kaum ein Tag ohne Nachrichten aus der Reproduktionsmedizin oder der Gentechnik: Verantwortungslose "Wissenschaftler" und Sektenmitglieder unterschieben der Menschheit angeblich geklonte Kinder. Erstmals konnten Stammzellen zu Forschungszwecken nach Deutschland eingeführt werden. In Paris erkrankten zwei von zehn "gen-therapierten" Kindern an Leukämie. Das Klonschaf "Dolly" musste eingeschläfert werden. Nervenzellen können evtl. durch Nanochips "ersetzt" werden. Der Nationale Ethikrat hat empfohlen, die Präimplantationsdiagnostik (PID) bei strenger Indikationsstellung auch in Deutschland zuzulassen. Dies entspricht der Haltung der FDP. Die Bevölkerung wird ständig tief verunsichert. Es gehört zu den Aufgaben von Politikerinnen und Politikern, die Menschen an eine solche herausfordernde Zukunftstechnologie heranzuführen. Deshalb machten die sechs weiblichen Kreisvorsitzenden in S-H ("Die Liberalen Hexen") einen Informationsbesuch an der Lübecker Universität. Mit je einer aktuellen (Happach-Kasan) und ehemaligen (Blunk) Bundes-, einer Landes- (Kolb) und einer Kreistagsabgeordneten (Bluschke), den Vorsitzenden der beiden größten Kreisverbände (Aschenberg-Dugnus/Rendsburg-Eckernförde und Eßler/Pinneberg) war die FDP prominent vertreten. Zunächst besuchten wir das erst 2002 eingeweihte "Lübecker offene Labor" (LOLA). Gegenwärtige Hauptzielgruppen sind Schüler der Oberstufe und Lehrer - aber auch Multiplikatoren, wie z.B. Politikerinnen. Ziel ist es, in unterschiedlichen Seminarangeboten insbesondere durch eigene Versuche, Bio- und Gentechnologie im wahrsten Sinne des Wortes "begreifbar" zu machen, der verbreiteten Abneigung gegen Naturwissenschaften zu begegnen, einen Einblick in den Universitätsbetrieb zu bieten und Kontakt zu einschlägigen Unternehmen zu knüpfen, die sich im Umkreis ansiedeln. Die Laborleiterin, Frau PD Dr. Kunze, und Herr Prof. Hartmann (Leiter des Instituts für Biologie) informierten und lenkten uns geduldig durch einen gentechnischen Versuch: aus einem Stück Heringshoden die Erbsubstanz (DNA) des Fisches zu isolieren. Und tatsächlich - nachdem wir Kochsalzlösung, Waschmittel und reinen Alkohol mit Hilfe von "high-tech"-Pipetten ins richtige Verhältnis gebracht und zusammen mit dem Heringshodenstück offensichtlich vorschriftsmäßig geschüttelt bzw. geschwenkt hatten, legte uns "unser" Hering sein Allerpersönlichstes offen: im Reagenzglas drehten wir seine DNA an einem Plastikstäbchen auf - nach einer "ersten Hochrechnung" etwa in der Länge des Erdumfanges! Mit erheblichem Wissenszuwachs und dem Stolz des "wissenschaftlichen Erfolges" verließen wir LOLA. In der Gynäkologie war das Empfangskommitee noch beeindruckender: Herr Prof. Felberbaum, PD Dr. Küpker (Referent auf dem erwähnten Themen-LPT) und zwei jüngere Fachärzte brachten uns zunächst auf den neuesten Stand über PID und Polkörperdiagnose (PKD). Der Leiter der Gynäkologie, Herr Prof. Diedrich, führte uns schließlich in "sein" Labor. Dort konnten wir am Bildschirm beobachten, wie unter dem Mikroskop ein Polkörperchen von einer noch unbefruchteten Eizelle abgesaugt werden (Polkörperbiopsie). Ziel dieser Methode ist es, unbefruchtete Eizellen, die eine Chromosomenstörung aufweisen, von der Invitrofertilization auszuschließen, um dadurch die Geburtenrate bei der Invitrofertilization zu erhöhen. Die Lübecker Reproduktionsmediziner zeigten sich besorgt über eine vorschnelle Einführung der PKD. Die Mediziner haben vorgeschlagen an fünf Zentren in Deutschland, an denen Invitrofertilizationen durchgeführt werden, die Polkörperdiagnose zu testen. Unser Fazit: Die FDP muss am Ball bleiben. Auf Landesebene verdient die im Aufbau befindliche Biotech-Region Lübeck volle Unterstützung durch die Politik. Auf Bundesebene begrüßen wir die derzeit laufende Studie zur PKD, die den gleichen strengen Kriterien unterworfen werden muss wie die PID. Als Ersatz für das zu eng gefasste Embryonenschutzgesetz fordern wir ein Fortpflanzungsmedizingesetz. Darin sollen die Anwendung von Pränatal- Präimplantations- und Polkörperdiagnostik geregelt werden. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, bei jedem neuen Schritt in der Biotechnologie und der Reproduktionsmedizin die elementare Diskussion von vorn zu beginnen und damit den Anschluss in diesen Innovationsbereichen zu verlieren.

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